Holztransporte im Südharz Entlastung für Anwohner? Südharzer Sägewerk bringt Holz auf die Schiene

Stürme, Dürre und Borkenkäfer haben den Wäldern im Harz schwer zugesetzt. Unmengen umgestürzter und kranker Bäume mussten und müssen abtransportiert werden - zumeist mit Lastwagen. Für die Anwohner im Kreis Nordhausen sind diese Holztransporte eine Belastung. Doch jetzt gibt es Hoffnung.

Das Sägewerk von Ante-Holz in Rottleberode: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche wird hier derzeit gearbeitet, 150 LKW-Ladungen mit Stämmen werden pro Tag angeliefert.
Das Sägewerk von Ante-Holz in Rottleberode. Bildrechte: MDR/Frank Menzel

Das Sturmtief Frederike hatte im Januar 2018 zu riesigen Schäden in den Wäldern geführt. Durch die Dürre im Sommer explodierten auch noch die Borkenkäfer-Populationen. Tonnen über Tonnen an Holz wurden und werden aus den Wäldern geschafft. Und das Verkehrsaufkommen im Südharz stieg in der Folge. Viele Holz-Laster steuern direkt das Ante-Sägewerk von Rottleberode an - ein Dauerärgernis für Menschen in Harzungen, Neustadt oder Niedersachswerfen.

Ein Holzzug könnte 60 Lastwagen ersetzen

Die Holzfirma Ante will ihre Holztransporte ab 2022 teilweise von der Straße holen. Ab dem 1. Januar gehört der Bahnhof in Rottleberode dem Sägewerk. Das Holz kann dann direkt vom gegenüberliegenden Werk mit dem Zug verfrachtet werden. Das Unternehmen geht davon aus, dass ein Holzzug ungefähr 60 Lastwagen ersetzen kann. "Das ist ein Punkt, den wir in Rottleberode weiter steigern möchten, weil wir in dem Standort ein großes Potenzial sehen", sagt Ante-Chef Jörn Kimmich MDR THÜRINGEN.

Luftaufnahme von Sägewerk mit gestapeltem Holz
Das Sägewerk im Südharz: Der Holz-Boom der vergangenen Monate konnte in Rottleberode bisher durch zusätzliche Schichten und das Hochfahren der Produktion aufgefangen werden. (Archivfoto) Bildrechte: ante holz GmbH/Sascha Lewandowski

Das Unternehmen schlägt mit dem Bahnhofskauf zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen entspannt sich der Verkehr im Südharz und die Wut der Anwohner wird gedämpft. Zum anderen passiert solch eine Investition nicht ohne Grund; der Bahnhof wird sich höchstwahrscheinlich rentieren. Es muss also eher mit mehr Holzverarbeitung in dem Sägewerk gerechnet wird, als mit weniger. Der Holz-Boom konnte in Rottleberode bisher durch zusätzliche Schichten und das Hochfahren der Produktion an das Maximum aufgefangen werden. Laut Kimmich ist der Holz-Output um bis zu 20 Prozent gestiegen.

Ob tatsächlich spürbar weniger Holzlader durch den Südharz donnern werden, bleibt offen. Denn Ante benötigt auch weiterhin Laster, um Holz zu transportieren. Und auch die Forstbetriebe werden weiter per Lkw Holz ausliefern oder abholen lassen.

Der Bahnhof von Rottleberode selbst wird nicht sichtbar umgebaut. Der Zaun zwischen Sägewerk und Bahnhof soll entfernt und das Bahngelände zugänglich gemacht werden. Weitere Gebäude seien nicht geplant.

Holzverladebahnhof in Rottleberode
Der Holzverladebahnhof Rottleberode gehört ab 2022 dem Sägewerksbetreiber Ante Holz. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Straßensperrung sorgt vorübergehend für mehr Ruhe

Die Menschen in Harzungen und Neustadt haben künftig dennoch etwas Ruhe. Denn in Niedersachswerfen wird eine Hauptverbindung nach Rottleberode wegen Bauarbeiten für zehn Monate gesperrt. Der Holzverkehr wird dann allerdings über Nordhausen in Richtung Sägewerk rollen.

Fakten zur Ante-Unternehmensgruppe Die Ante-Unternehmensgruppe ist laut eigenen Angaben eines der größten inhabergeführten Familienunternehmen der europäischen Holzindustrie. Ante-Sägewerke verarbeiten Holz an sechs verschiedenen Werken in ganz Deutschland.

Einer der größten Standorte ist das Sägewerk in Rottleberode am Südharz. Hier allein werden jährlich 1,2 Millionen Festmeter von 370 Mitarbeitern zu Schnittholz, Pellets oder anderen Holzprodukten verarbeitet. Das Gelände dort umfasst rund 50 Hektar.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 30. Dezember 2021 | 18:20 Uhr

1 Kommentar

Brockenteufel Harz vor 25 Wochen

Hier wird sich leider für die Anwohner gar nichts entlasten.
Auch bisher schon ist das Ladegleis entweder für die Holzabfuhr in andere Sägewerke bzw. die Schnittholzabfuhr zu den Überseehäfen tagtäglich voll genutzt.
Man lädt sogar auf dem Knauf Gleisen Holz.

Ich komme 1-2 mal in der Woche dort vorbei, und beobachte das dort sehr interessiert. Eine Kapazitätserweiterung ist also gar nicht möglich! Auch weiterhin wird das Holz aus dem Harz per LKW dorthin gefahren werden müssen!
Nein, keine Entlastung für die Südharzer Gemeinden....eher das Gegenteil.

Aber ich möchte auch ANTE nichts vorwerfen, sie haben in diesem Jahr soviel Gewinn gemacht, das man das Geld dann irgendwie abschreiben muss.

Allen ein gesundes Jahr 2022.

Mehr aus der Region Nordhausen - Sangerhausen - Wernigerode

Mehr aus Thüringen