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Slew Isaak Sheeba an seinem Arbeitsplatz in einem Bus der Nordhäuser Stadtwerke. Bildrechte: MDR/Franziska Gutt

Migration

Iraker fängt als Bus- und Bahnfahrer in Nordhausen neu an

von Franziska Gutt von MDR THÜRINGEN

Stand: 30. April 2021, 12:24 Uhr

Dieses Jahr ist es sechs Jahre her, dass der Iraker Slew Isaak Sheeba mit seiner Familie nach Deutschland kam. Sie flohen, weil sie in ihrem Heimatland nicht willkommen waren. Heute hat er einen festen Beruf und lebt gern in der Region. Er ist Bus- und Bahnfahrer der Nordhäuser Verkehrsbetriebe und liebt es, seine Mitmenschen von hier nach da zu bringen.

Im Herbst 2015 kam Slew Isaak Sheeba aus Bagdad im Irak nach Deutschland. Zwei Jahre später begann er in Nordthüringen eine Ausbildung als Bus- und Straßenbahnfahrer. Seit Januar ist er nun kein Lehrling mehr, sondern sitzt fest hinter dem Steuer der Nordhäuser Verkehrsbetriebe. Egal, ob er einen Bus lenkt oder die Hebel in der Bahn bedient, er liebt es, durch die Region zu fahren. Und doch bevorzugt er die Touren durch die Stadt. Das Treiben auf den Straßen und die Fahrgäste, die ein- oder aussteigen, das sind eben die Dinge, die er einfach gern beobachtet. "Ich fahre beides gern, aber am liebsten durch die Stadt", betont Sheeba.

Erster Fluchtversuch gescheitert

Zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise, im Jahr 2015, war es bereits der zweite Versuch, den Slew Isaak Sheeba startete, um ein neues Leben an einem sicheren Ort anzufangen. Ein Jahr vorher, erzählt der heute 33-Jährige, probierte er es mit dem Flugzeug. Das habe aber nicht geklappt. Schließlich gelangte er 2015 wie viele andere Geflüchtete übers Meer nach Europa. "Mit einer Yacht. Nicht mit einem kleinen Boot, denn das wäre zu gefährlich gewesen. Wir fuhren mit einer Yacht und das war sehr teuer", erinnert sich Sheeba an die turbulente Zeit.

Verfolgt von islamistischen Gruppen

Er kam mit seiner Frau und seinen kleinen Kindern nach Deutschland. Sie sind geflohen, weil sie Christen sind, erklärt Slew Isaak Sheeba. Er und seine Angehörigen seien aufgrund der Religionszugehörigkeit von islamistischen Gruppen, die er nicht genauer benennen kann, verfolgt worden. Sein Vater, sagt Sheeba dann, sei ermordet worden, da sei er selbst erst 17 Jahre alt gewesen. Er habe dann nicht mehr die Schule besucht und fing mit Arbeiten an. Er jobbte als Barmann, als Handyverkäufer, war in einem Autohaus beschäftigt. Und als Taxifahrer.

Die Unterdrückung erlebte er fast sein ganzes Leben lang, deswegen wollte er schließlich in ein sicheres Land. "Wir wollten nicht unsere Heimat verlassen, aber dort waren wir nicht willkommen", erklärt er. Und erzählt auch, dass die meisten seiner Angehörigen auf der ganzen Welt verteilt leben. Nur die Mutter und ein Bruder sind noch im Irak, er hofft, sie eines Tages wiedersehen zu können.

Ausbildung war nicht immer leicht

Die Ausbildung und den Job als Bus- und Bahnfahrer wählte er, weil er Spaß am Fahren hat. "Ich wollte immer fahren. Man trifft viele Leute und ist viel unterwegs." Doch die Lehre war auch nicht immer leicht. Das Theoretische fiel ihm wegen der fehlenden Sprachkenntnisse schwer. Aber er absolvierte bereits einen Deutschkurs auf B2-Niveau und zukünftig möchte er noch besser werden, sagt er.

Auch Thüringen und seine Menschen hätten es dem Familienvater angetan. "Ich habe hier noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, alle sind sehr nett zu mir", meint er. In der Region um Nordhausen ist der Familienvater heimisch geworden. Seine Frau arbeitet in einem Kindergarten, die Kinder wachsen in einem friedlichen Land auf. Und in seiner Freizeit kickt der Hobbyfußballer in Niedergebra mit.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 30. April 2021 | 11:30 Uhr

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