Denkmalpflege Nordhausen: Sowjetische Gräber auf Ehrenfriedhof restauriert

Auf dem Nordhäuser Ehrenfriedhof sind viele Grabplatten sowjetischer Opfer restauriert worden. Wie ein Stadtsprecher mitteilte, konnte Denkmalpfleger Thomas Osius die meisten der 215 Gräber erneuern. Per Sandstrahl wurden die Steine von Ablagerungen und Schmutz befreit, fünf rissige Platten mit Epoxidharz geklebt.

Restaurator Thomas Osius
Restaurator Thomas Osius hat die die verschmutzten und beschädigten Grabplatten seit einigen Monaten erneuert. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Anlage auf Kritik der Opferverbänden gestoßen

Auf dem Ehrenfriedhof in Nordhausen sind insgesamt 2.600 Menschen bestattet. Die meisten von ihnen waren Häftlinge und Zwangsarbeiter des ehemaligen KZ Mittelbau-Dora. Der Zustand der Anlage hatte in den vergangenen Jahren Kritik bei Opferverbänden ausgelöst. Diese beklagten, die Anlage sei von einem normalen Park kaum zu unterscheiden. Wiederholt hatten Menschen auf den Sammelgräbern die Friedhofsruhe gestört. Die Neugestaltung soll die Anlage als Friedhof insgesamt erkennbarer machen.

In Bildern: Ehrenfriedhof für KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter in Nordhausen

Informationstafel am Ehrenfriedhof in Nordhausen
Fast unscheinbar: Die Informationstafel über das KZ Mittelbau-Dora. Häftlinge von dessen Außenlager Boelke-Kaserne wurden hier am Ende des Zweiten Weltkriegs bestattet. Die Boelke-Kaserne am südlichen Stadtrand von Nordhausen galt als Sterbelager des KZ Mittelbau-Dora, hier wurden todkranke Häftlinge nahezu ohne medizinische Betreuung untergebracht und ihrem Schicksal überlassen. Nach der Einnahme Nordhausens durch die US Army wurden rund 1.300 in der Boelke-Kaserne aufgefundene tote Häftlinge auf dem Ehrenfriedhof bestattet. Viele von ihnen waren beim alliierten Bombenangriff am 3. und 4. April 1945 auf Nordhausen ums Leben gekommen, dem sie von der SS schutzlos ausgeliefert worden waren. Bildrechte: MDR/Armin Kung
Informationstafel am Ehrenfriedhof in Nordhausen
Fast unscheinbar: Die Informationstafel über das KZ Mittelbau-Dora. Häftlinge von dessen Außenlager Boelke-Kaserne wurden hier am Ende des Zweiten Weltkriegs bestattet. Die Boelke-Kaserne am südlichen Stadtrand von Nordhausen galt als Sterbelager des KZ Mittelbau-Dora, hier wurden todkranke Häftlinge nahezu ohne medizinische Betreuung untergebracht und ihrem Schicksal überlassen. Nach der Einnahme Nordhausens durch die US Army wurden rund 1.300 in der Boelke-Kaserne aufgefundene tote Häftlinge auf dem Ehrenfriedhof bestattet. Viele von ihnen waren beim alliierten Bombenangriff am 3. und 4. April 1945 auf Nordhausen ums Leben gekommen, dem sie von der SS schutzlos ausgeliefert worden waren. Bildrechte: MDR/Armin Kung
Gedenkpavillon auf dem Ehrenfriedhof in Nordhausen
Der Gedenkpavillon des Ehrenfriedhofs Bildrechte: MDR/Armin Kung
Sowjetisches Denkmal auf dem Ehrenfriedhof in Nordhausen
Sowjetisches Denkmal auf dem Ehrenfriedhof am Stresemannring in Nordhausen Bildrechte: MDR/Armin Kung
hrenfriedhof am Stresemannring in Nordhausen
Die große Wiese ist als Friedhof kaum erkennbar. Bildrechte: MDR/Armin Kung
Geplanter Eingangsbereich des Ehrenfriedhofs in Nordhausen
Am Eingangsbereich soll eine Tafel deutlicher auf die Bedeutung des Ortes hinweisen, wie dieser Entwurf zeigt. Bildrechte: MDR/Stadt Nordhausen
Geplanter Gedenkpavillon für den Ehrenfriedhof in Nordhausen
Der Gedenkpavillon soll neu beschildert werden. Bildrechte: MDR/Stadt Nordhausen
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 01. Dezember 2021 | 18:49 Uhr

Quelle: MDR (mw)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten Nordthüringen | 07. Januar 2022 | 11:30 Uhr

4 Kommentare

SGDHarzer66 vor 19 Wochen

Bin ich bei Harka2; die Alliierten erfanden für sinnlose Bombardierungen den Begriff "moral bombing". Sagt eigentlich alles aus!
So schlimm die Verbrechen der SS auch waren, es gibt auch hier immer zwei Seiten der Medaille - Stichworte Nemmersdorf, Rheinwiesenlager oder Lamsdorf.
Ich pflege schon seit Jahren ein deutsches Soldatengrab, in dem 2 Wehrmachtsangehörige ihr Leben für eine deutsche Frau mit Kind vor Tieffliegerangriffen gegeben haben.
Das ist meine moralische Aufgabe - und nur ihr fühle ich mich verpflichtet.

Harka2 vor 19 Wochen

Ja, es war verbrecherisch, dass die SS die Menschen dort zum Sterben ablegte. Es war aber auch verbrecherisch, diesen Ort einen Monat vor Kriegsende noch zu bombardieren. Es gab keine militärischen Ziele und keine militärische Notwendigkeit für diesen Angriff.

DermbacherIn vor 19 Wochen

Wie heldenhaft?!

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