Nordhausen Mit Bio-Kohle durch den Harz? Wie die Harzer Schmalspurbahn künftig umweltfreundlich fahren könnte

Die Loks der Harzer Schmalspurbahnen werden noch ganz klassisch mit Kohle angetrieben. Das ist urig und begeistert die Fahrgäste - nur umweltfreundlich ist das nicht. Forscher der Hochschule Nordhausen haben daher in einer Studie untersucht, welche nachhaltigen Antrieb-Alternativen infrage kommen.

Es dampft und es pfeift. Genau daran denken wohl die meisten Menschen, wenn sie eine Dampflok vor Augen haben. Die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) verfügen über insgesamt 25 Antriebszüge. Zwei aus dem Jahr 1897. Weitere 17 stammen aus den 50er-Jahren. Noch heute werden die Züge ganz klassisch mit Kohle angetrieben. Das ist urig und begeistert die Gäste der Bahn immer wieder.

Nur umweltfreundlich ist die Antriebsart per Kohle nicht. Zwischen zweieinhalb und drei Tonnen Kohle verbraucht eine Lok am Tag. Die HSB und der Landkreis Nordhausen haben deshalb eine Studie für 45.000 Euro an der Hochschule Nordhausen in Auftrag gegeben: Es soll geprüft werden, wie die Loks in Zukunft alternativ laufen können.

Ein Mensch befeuert einen Heizkessel
Die Züge der Harzer Schmalspurbahnen werden mit Kohle angetrieben. In Deutschland wird die Steinkohle aber schon lange nicht mehr produziert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Studie: Alternative für Kohle-Antrieb gesucht

Die Forscher haben verschiedene Möglichkeiten für den Antrieb untersucht. Wasserstoff gilt als ein Energieträger der Zukunft. Für die Schmalspurbahn ist er laut Studie allerding ungeeignet. Für das hohe Gewicht und die steilen Anstiege am Harz müssten große Mengen an Wasserstoff auf der Lok gelagert werden. Das sei baulich so gut wie unmöglich, so die Forscher.

Und es ist gesetzlich nicht möglich: Die Lokomotiven sind denkmalgeschützt. Das Aussehen der Loks ist wichtig und kann nicht einfach an die Antriebsart angepasst werden. Norman Just, der technische Leiter der Harzer Schmalspurbahnen, ist auch nicht überzeugt: "Man hat dann vielleicht ein äußeres Erscheinungsbild, was dem noch entspricht. Aber die Begleiterscheinungen daraus - gerade das Thema Dampf, das Thema Geräuschkulisse - die sind dann nicht mehr vorhanden."

Ein Mann bedient den Schaltraum einer Lok
Die Lokomotiven der Schmalspurbahn stehen unter Denkmalschutz. Auch deshalb ist die Suche nach einem neuen Antrieb schwierig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Bio-Kohle" könnte Lösung sein

Eine andere Möglichkeit: "Pyrolysekohle" soll jetzt die Lösung sein. Dabei handelt es sich um eine Art Bio-Kohle. Sie ist im Vergleich zur Steinkohle umweltfreundlicher. Außerdem müsste dann nur der Kraftstoff selbst ausgetauscht werden - die Loks selbst blieben äußerlich unverändert.

Thomas Link, Professor für Kraft- und Arbeitsmaschinen in Nordhausen, hat die Studie geleitet. Er sieht hier bisher am meisten Potenzial, auch wenn es sich noch um ein weites Feld handelt. "Pyrolysekohle" werde bisher kaum eingesetzt. Sie gewinne jedoch aktuell mehr an Bedeutung, auch für die Industrie, so Link.

Vier Männer stehen vor einer Leinwad
Die Machbarkeitsstudie wird von Forschern der Hochschule Nordhausen durchgeführt. Dort soll in einer Folgestudie auch die Pyrolysekohle genauer untersucht werden. Bildrechte: MDR/Vanessa Clobes

Link betont, dass hierbei Reststoffe verwertet werden können, die sonst CO2-Emissionen verursachen würden. Die Kohle könne aus Kuh- und Pferde-Mist hergestellt werden, für den es keine Verwendung mehr gibt. Auch Holzabfälle oder alte Holzmöbel seien möglich. An der Hochschule Nordhausen wird außerdem aktuell zu dem Thema für das Land Thüringen geforscht.

Dampflok-Fan: "Das muss dampfen und nach Kohle riechen"

Für Fans der Dampfloks wäre ein Antrieb per Wasserstoff natürlich ein Albtraum. Ronny Reifenstein ist Vorsitzender des Vereins Freundeskreis Selketalbahn. Einen Antrieb mit Wasserstoff kann er sich nicht vorstellen: "Das muss dampfen und nach Kohle riechen", sagt er. Natürlich wisse er als Fan der Züge, dass Wasserstoff auch platzmäßig nicht hinhaue. Der Antrieb mit der neuen "Pyrolysekohle" überzeuge ihn schon eher: "Am Ende muss die HSB entscheiden, wie es weitergeht."

Eine Dampflok
Die Dampflok begeistert immer wieder die Fahrgäste im Harz. Auch viele Eisenbahnfreunde können sich eine Alternative nicht vorstellen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ob sich ein Betrieb der Schmalspurbahnen mit der "Pyrolysekohle" umsetzen lässt, soll die Hochschule nun in einer anschließenden Folgestudie untersuchen. Dabei wird geschaut, ob es genügend Reststoffe gibt, die in "Pyrolysekohle" umgewandelt werden können. Die HSB und der Landkreis zahlen dafür weitere 15.000 Euro. Die Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr vorgestellt werden.

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Die letzten Meter noch – dann hat die Brockenbahn ihr Ziel erreicht. Der Bahnhof "Brocken" zählt zu den höchstgelegenen in Deutschland. Bildrechte: MDR/Sven Stephan

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. Februar 2022 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

FMH vor 18 Wochen

Bio-Kohle. Wie interessant. Da sind die AktivistInnen (und außen) ja richtig beruhigt und brauchen sich nicht an die Gleise zu kleben. Bio ist immer gut. Gibt es eigentlich auch Bio-Brennstäbe für Kernkraftwerke?

Rumsdibums vor 18 Wochen

Teil 2
Am Ende bleibt ein Häufchen "Bio-Kohle" für die Dampflock. Nach dem Verbrennen dieser wurde also mehr CO2 freigesetzt als durch Nutzung von Steinkohle entstanden wäre.
Zumal die Steinkohle den Prozess von Holz zu Kohle bereits durchlaufen hat und direkt genutzt werden kann.

Rumsdibums vor 18 Wochen

Teil 1
Eine Dampflock mit Bio-Kohle betreiben. Das klingt zu schön um wahr zu sein.
Der energetische Aufwand um Kuhfladen erst zu trocknen und dann zu pyrolysieren ist schon mal ganz ordentlich. Dieser Prozess hat zusätzliche das Problem eine ganze Menge weitere Stoffe freizusetzen die durchaus Umweltschädlich sind. Am ehesten ist der Vorgang mit denen in einer Köhlerei zu vergleichen. Der ganze Rauch muss wieder abgekühlt werden um alle Kondensate aufzufangen. Das bedeutet weiterern energetischen Aufwand. Der Anteil des Kondensats der nicht weiter verwendet werden kann, muss entsorgt werden.
Rauchpartikel müssen herausgefiltert werden. Diese Vorgänge und Prozesse sind bereits sehr gut bekannt.
Da muss auch nichts mehr geforscht werden. Außer man erhofft sich etwas besonderes in den Pyrolyseprodukten von Kuhmist zu finden. Energetisch ist das ganze völlig unrentabel.

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