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Lipprechterode

Plötzlich gab das Stalldach nach: Schäfer verlor einen Teil seiner Herde

von Thomas Kalusa

Stand: 21. Februar 2021, 20:12 Uhr

Starker Wind und Schneemassen haben Schäfer Helmut Meißner Anfang Februar einiges an Nerven und noch mehr gekostet: Das Dach seines Schafstalls stürzte ein und begrub die Tiere unter sich. Rund 30 Tiere starben und für die anderen musste schnell ein neuer Stall gefunden werden.

Es waren gewaltige Schneewolken, die ab dem 7. Februar über das Ohmgebirge in Nordthüringen zogen. In Lipprechterode, am südlichen Zipfel des Landkreises Nordhausen, hatte der Schäfer Helmut Meißner, 67, seine 350 seltenen Leineschafe sicher im Stall untergebracht, dachte er. Der Stall, ein gemauertes Gebäude aus DDR-Zeiten bot jedoch keinen Schutz. Der Wind zog von Osten und türmte sich auf der Westseite des Daches auf, erzählt er. Plötzlich gab die Dachkonstruktion mit den alten Welldachplatten nach und stürzte in die Tiefe. Alle Schafe wurden darunter begraben. Dabei nur wenige Tage alte Lämmer und trächtige Mutterschafe.

Der zerstörte Schafstall von Helmut Meißner in Lipprechterode Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Agrargesellschaft hilft mit Notunterkunft

Eine Tragödie. Rund 30 Schafe haben nicht überlebt, die anderen hatten Glück dass im Stall verteilt die Futterraufen standen. So überlebten sie die Nacht. Als Schäfer Meißner am Morgen nach ihnen schaute, musste er sofort regieren. Die Agrargesellschaft Altis im Nachbardorf Kleinbodungen bot eine leere Halle an, die er nutzen konnte. Bei Temperaturen von minus 25 Grad schaffte er mit seinem Viehanhänger die Tiere 30-stückweise in die kalte aber schützende Halle. Alle packten mit an, erinnert er sich, sonst wäre es nicht gegangen. Es wurde Stroh ausgestreut und Raufen aufgestellt. Wasser musste er dagegen von Lipprechterode herbeischaffen und immer wieder auftauen.

Versicherung zahlt nicht

Sein Sohn Alexander nahm sich ein paar Tage frei und half mit. Wie sein Vater hat er schon von Kindesbeinen an bei der Schafhaltung geholfen, wie auch Helmut bei seinem Vater. Eigentlich wollte er nach seiner Lehre bei einem Landwirtschaftsbetrieb die Schäferei übernehmen, aber jetzt ist erstmal alles wieder offen. Die Versicherung will den Schneeschaden nicht bezahlen. So etwas sei in den Versicherungsbedingungen für diese Region nicht vorgesehen, sagt Meißner. Als er das anderen Landwirten in der Nachbarschaft erzählt habe, haben alle erstmal angefangen ihre flacheren Dächer freizuschaufeln. Bei ihm war es zu spät.

Einer der wenigen Züchter des Leineschafes

Die Meißners halten die seltene Schafrasse Leineschaf. Zu DDR-Zeiten wurden die nach und nach abgeschafft. Sie brachten nicht genug Wolle und die war für die DDR ein Wirtschaftsgut. Damals gab es für die Wolle eines Schafes noch 200 DDR-Mark erinnert sich Meißner. Die Leineschafe waren den wolligeren Schwarzkopfschafen nicht gewachsen. Trotzdem hat Meissner aber nie ganz von ihnen gelassen. Für die vier Kilo Wolle eines Leineschafes bekommt er 5 Cent pro Kilo. Trotzdem liebe er diese kleine aber freundliche Schafrasse.

Seltene Rasse: das Leineschaf Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Mittlerweile ist er einer der größeren Züchter dieser Tiere, von denen es bundesweit nur noch rund 5.000 Stück geben soll, die Hälfte davon in Thüringen. Meißner wird deshalb auch durch das Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) in Thüringen unterstützt. Ohne die genügsamen Leineschafe würde die Landschaft noch mehr verbuschen. Meißner sagt, das Leineschaf sei gerade für Trockenzeiten besonders gut gerüstet. Und durch das häufige Beweiden hätten auch Zecken weniger Chancen sich zu entwickeln.

Ministerium will helfen - Feuerwehr tut es schon

Wie es nun weitergeht, weiß er noch nicht. Das Thüringer Landwirtschaftsministerium hat auf Anfrage von MDR THÜRINGEN gesagt, man habe von der Tragödie in Lipprechterode erfahren. Man wolle Meißner helfen, aber könne derzeit noch keine Versprechungen machen. Sohn Alexander wird jetzt erstmal bei seiner Agrargesellschaft bleiben. Die Herde wird wohl reduziert, durch Verkauf und Schlachtungen. Und Alexander wird versuchen die Tradition im Nebenerwerb fortzusetzen. Konkrete Hilfe bekommt Helmut Meißner von zwei Frauen, die sich für ihn um Unterstützung bemühen und durch die Freiwillige Feuerwehr Lipprechterode. Die hat ein Spendenkonto für ihn eingerichtet.

Schäfer Helmut Meißner und sein Sohn Alexander im Stall Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

SpendenkontoKto: Förderverein Freiwillige Feuerwehr Lipprechterode
IBAN : DE04 8205 4052 0305 0275 49
BIC : HELADEF1NOR
Verwendungszweck (bitte unbedingt angeben!): "Spende für Schäfer H. Meißner"

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 21. Februar 2021 | 18:47 Uhr

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