Selbsthilfegruppe Patienten mit Long Covid geben sich gegenseitig Halt

Die Symptome von Long-Covid-Patienten können vielfältig sein. Betroffene berichten unter anderem von Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten, aber auch von seelischen Problemen. Das und die mangelnden Therapiemöglichkeiten machen den Betroffenen das Leben schwer. In Nordhausen hat sich deshalb jetzt eine Selbsthilfegruppe gegründet.

Noch sind sich Fachleute uneins darüber, wie viele Menschen nach einer Corona-Infektion unter teilweise monatelang anhaltenden körperlichen und psychischen Folgen zu leiden haben, die landläufig unter dem Begriff Long Covid zusammengefasst werden. Mediziner unterscheiden mittlerweile zwischen Long und Post Covid.

Unterscheidung zwischen Long Covid und Post Covid

Während von Long Covid gesprochen wird, wenn Symptome länger als vier Wochen nach einer Erkrankung anhalten, bezeichnet Post Covid Beschwerden, die auch zwölf Wochen nach der Erkrankung nicht abklingen oder neu hinzukommen. Zu den möglichen Spätfolgen zählt zum Beispiel das Fatigue-Syndrom, eine anhaltende Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Aber auch Gedächtnisstörungen, Geschmacksverlust, Depressionen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen oder auch Atemnot werden häufig genannt.

Betroffene fühlen sich oft nicht ernst genommen

Die meisten Betroffenen führt der erste Weg in die Hausarztpraxis. Doch nicht selten erleben sie dort, dass ihre Beschwerden aus ihrer Sicht nicht ernst genug genommen werden. Für viele der Betroffenen ist das unbefriedigend. Sie fühlen sich allein gelassen und unverstanden. Die Long- und Post-Covid-Ambulanzen in Jena, Gera und Weimar haben lange Wartezeiten von bis zu acht Monaten. Viel Zeit für Menschen, die jetzt nach Hilfe suchen. Deshalb gründen sich immer mehr Selbsthilfegruppen. So wie zum Beispiel in Nordhausen, wo Katrin Hannig eine solche Gruppe ins Leben gerufen hat.

Hand beim Schreiben
Auch beim Schreiben hatte Katrin Hannig plötzlich Probleme. Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Schwierigkeiten mit einfachen Dingen

Die 50-Jährige hatte nach ihrer überstandenen Covid-Erkrankung, mit den einfachsten Dingen Schwierigkeiten. So zum Beispiel mit dem Schreiben, Wortfindungen oder auch der einfachen Addition von Zahlen. "Man muss tatsächlich überlegen bei den einfachsten Worten, was kommt als nächstes für ein Buchstabe, und die Handschrift, die war ganz so wie bei einem Anfänger ganz krakelig." Seit langer Zeit ist sie nun schon arbeitsunfähig. Das zehrt an der Psyche. Doch einen Arzt zu finden, der diese Symptome ernst nimmt und sich auch mit Therapiemöglichkeiten beschäftigt, war schwer.

Oft hörte sie: „Das ist alles Neuland und wir müssen erst einmal Daten sammeln." Und dann: Geduld, Geduld…

Damit wollte sie sich nicht zufriedengeben, wollte auch anderen Betroffenen helfen und rief kurzerhand mit Unterstützung vom Landratsamt des Kreises Nordhausen eine Selbsthilfegruppe ins Leben. Schon nach kurzer Zeit hatte die Gruppe sechs Mitglieder.

Frau lehnt sich an Geländer
Erika Fichtner hat seit ihrer Covid-Erkrankung Probleme beim Gehen. Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Erfahrungsaustausch in Selbsthilfegruppe

Eine davon ist die 68-jährige Erika Fichtner. Die aktive Wanderin hat seit einer Corona-Infektion große Schwierigkeiten mit dem langsamen Gehen. Sie fühlt sich unsicher und muss sich oft abstützen. Als sie von der neuen Gruppe hörte, wurde sie sofort Mitglied und bereut das nicht: "Der Erfahrungsaustauch ist wichtig und deshalb habe ich mich damals auch gleich entschlossen: Da machst du mit." Auch weil sie selbst etwas aus ihren Erfahrungen beitragen und so vielleicht anderen Betroffenen helfen kann.

Denn in der Gruppe finden sich nicht nur Menschen mit den gleichen Problemen, auch erfolgreiche Therapieansätze werden besprochen und sich gegenseitig Mut gemacht. Und manchmal tut es allein schon gut, wenn überhaupt jemand einmal zuhört und man ernst genommen wird.

Erika Fichtner und Katrin Hannig sitzen gemeinsam am Tisch
Gemeinsam tauschen die Mitglieder der Selbsthilfegruppe ihre Erfahrungen aus. Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Mediziner befürwortet Selbshilfegruppen

Auch Mediziner wie Peter Tarillion vom Südharzklinikum Nordhausen befürworten deshalb das Engagement in solchen Selbsthilfegruppen. Sie seien immer eine gute Möglichkeit für Menschen, deren Erkrankung lange andauere und die möglicherweise auch schlecht oder nicht behandelbar sei, so der Mediziner. Am 10. Mai findet im Nordhäuser Mehrgenerationenhaus das nächste Treffen der Gruppe statt. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen.

MDR (nis)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 22. April 2022 | 19:00 Uhr

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