Nordhausen Stilles Gedenken an die Befreiung des KZ Mittelbau-Dora

Eine unterirdische Raketenfabrik für "V-Waffen" und das Prinzip Vernichtung durch Arbeit - das ehemalige KZ Mittelbau-Dora steht exemplarisch für die mörderische Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Am Montag wurde zum 76. Jahrestag der Befreiung des Lagers gedacht.

Zusammen erinnerten Stiftungsleiter Buchenwald-Dora Jens-Christian Wagner, Landtagspräsidentin Birgit Keller, Nordhausens Oberbürgermeister Kai Buchmann und Gedenkstättenleiter Karsten Uhl an die Opfer und die Befreiung von Dora
Zusammen erinnerten Stiftungsleiter Buchenwald-Dora Jens-Christian Wagner, Landtagspräsidentin Birgit Keller, Nordhausens Oberbürgermeister Kai Buchmann und Gedenkstättenleiter Karsten Uhl an die Opfer und die Befreiung von Dora. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Für die meisten Häftlinge von "Dora" war der 11. April 1945 kein Tag der Befreiung. Die 40.000 Insassen wurden von SS-Wachmännern auf Todesmärsche durch das Reich getrieben. Erst die Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai beendete ihr Leiden, falls sie die Märsche überlebt hatten. Und dennoch wurde dieser Tag im April 1945, als amerikanische Soldaten das Lager bei Nordhausen befreiten, zu ihrem symbolischen Befreiungstag. Ein Tag der Erinnerung an die Gräuel der Nazis und ein Tag der Mahnung für die Zukunft. Daran erinnert Gedenkstättenleiter Karsten Uhl auf dem Platz vor dem ehemaligen Krematorium in seiner Rede.

Die Feier fand auf dem Gedenkplatz vor dem ehemaligen Krematorium des Lagers statt
Die Feier fand auf dem Gedenkplatz vor dem ehemaligen Krematorium des Lagers statt. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Die Feierlichkeiten fanden in diesem Jahr still und im kleinen Kreis statt. Überlebende des Lagers konnten wegen der Corona-Pandemie nicht anreisen, wie schon vergangenes Jahr. Die geschlossene Gedenkfeier wurde dafür aufwändig mit Kameras per Livestream übertragen.

Mahnung in die Gegenwart

Auf dem Platz vor dem ehemaligen Krematorium erinnerte auch Thüringens Landtagspräsidentin Birgit Keller an die Befreiung des KZ. Die Nordhäuserin nimmt seit 1990 jedes Jahr an dem Gedenken teil.

Landtagspräsidentin Birgit Keller erinnerte in ihrer Rede vor den Gefahren des Rechtsextremismus in Deutschland, Europa und den USA
Landtagspräsidentin Birgit Keller erinnerte in ihrer Rede vor den Gefahren des Rechtsextremismus in Deutschland, Europa und den USA. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Sie mahnte, dass die Erinnerung an die Geschichte des Lagers und der Gräueltaten des Nationalsozialismus von großer Bedeutung ist, wenn Reichskriegsflaggen und Judensterne auf heutigen Demonstrationen gezeigt werden. Sie erinnerte an den seit Jahren grassierenden Rechtsextremismus in Deutschland, Europa und den USA.

Mehr als 20.000 Tote im KZ Mittelbau-Dora

"Dora" wurde im August 1943 als Außenlager des KZ Buchenwald errichtet. Durch den Abzug der Raketenanlagen an der Ostsee mussten Häftlinge im Kohnstein bei Nordhausen eine Stollenanlage zur Raketenfabrik ausbauen. Die Menschen wurden aus allen Teilen Europas nach Nordhausen verschleppt. Mindestens 60.000 Häftlinge wurden dazu gezwungen. Mehr als 20.000 von ihnen starben.

Historische Luftaufnahmen vom Konzentrationslager Mittelbau-Dora nahe Nordhausen vom 22.07.1945.
Historische Luftaufnahmen vom Konzentrationslager Mittelbau-Dora nahe Nordhausen vom 22.07.1945. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. April 2021 | 14:00 Uhr

6 Kommentare

Eulenspiegel vor 3 Wochen

Hallo ule
Ich zitiere sie:
„Im Krieg sind 55 Millionen, meist unschuldige Menschen getötet worden. In meinen Augen gibt es keine guten und oder schlechte Kriegsopfer.
Wir sollten lernen, alle Kriegsopfer gleichermaßen zu achten.“
Da gebe ich ihnen voll und ganz Recht.
Bedenken aber sie eins:
Hier geht es nicht um Kriegsopfer. Hier geht es um KZ-Opfer.
Das ist ganz was anderes.
Aber die Frau Landtagspräsidentin hat doch Recht wenn sie daran erinnert das diejenigen, die sich weigern aus der Geschichte des Landes zu lernen, schon wieder auf den Straßen sind.
Im übrigen Kriegsopfer sind gleichermaßen zu achten.
Das ändert aber nichts an der historischen Realität das dieses dritte Reich einen Angriffskrieg gegen seine Nachbarn geführt hat mit dem Ziel sie zu unterwerfen und sie auszubeuten. Ja und das das ganze nur mit Hilfe eines Angriffskrieges gegen Nazideutschland beendet werden konnte.

ule vor 4 Wochen

@ Eulenspiegel

Lesen sie den obigen Text - Die Frau Landtagspräsidentin gibt Ihnen die Antwort.

Um etwas genauer zu sein, weise ich darauf hin, dass sich meine Aussage nicht nur auf dieses Gedenkereignis bezieht.
Von Kindesbeinen an wurde ich mit diesem Thema konfrontiert. Noch bevor ich zur Schule ging, wusste ich, was ein Konzentrationslager ist. Später hat man von mir verlangt, ich sollte besser meinen Großvater ächten, denn der hatte seinerzeit eine Wehrmachtsuniform getragen. Jahr für Jahr werden die gleichen Geschichten erzählt, die sogar darin gipfelten, dass der Sozialismus der einzige Garant dafür sei, dass so etwas nicht wieder geschieht.
Trauer kann bei mir nicht mehr entstehen - das Thema wurde nach meiner Auffassung viel zu sehr überzogen, mehr noch mißbraucht.

Im Krieg sind 55 Millionen, meist unschuldige Menschen getötet worden. In meinen Augen gibt es keine guten und oder schlechte Kriegsopfer.
Wir sollten lernen, alle Kriegsopfer gleichermaßen zu achten.

Eulenspiegel vor 4 Wochen

Hallo ule
Ich denke diesen Satz sollten noch mal näher erklären.
„Es wird der Sache nicht gerecht, wenn man den Tod vieler Millionen, meist unschuldiger Menschen dazu benutzt, den politischen Wettbewerb in der Gegenwart auszugestalten.“
Hier geht es um eine Gedenkveranstaltung die auch gleichzeitig eine Mahnung an die Gegenwart ist. Ja die Mahnung an die Gegenwart, und natürlich auch an die Zukunft, damit soetwas nicht noch mal geschehen kann.
Was gefällt ihnen daran nicht??
Diese Mahnung an die Gegenwart und die Zukunft??

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