Religion Afghanen besuchen geschändete Kirche in Nordhausen

Eine Woche nach der Schändung der evangelischen Frauenbergkirche in Nordhausen durch einen Mann aus Afghanistan haben Mitglieder der afghanischen Gemeinschaft und der Kirchengemeinde am Mittwochabend ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. Etwa 40 Flüchtlinge - Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche - hätten am Altar Blumen als Zeichen der Entschuldigung abgelegt, teilte der Evangelische Kirchenkreis Südharz mit.

Pfarrer Klemens Müller
Pfarrer der Frauenberggemeinde: Klemens Müller Bildrechte: MDR/Christian Franke

Muslim räumte Kirche aus

Am vergangenen Donnerstag hatte ein 25-jähriger Muslim aus Afghanistan Mobiliar aus der Kirche getragen und das Altarkreuz beschädigt. Der Mann hatte nach Angaben von Pfarrer Klemens Müller sein Tun damit begründet, dass der christliche Glaube falsch sei.

Ein Kruzifix, Möbel und andere Gegenstände stehen und liegen an einer Wand im Eingangsbereich der Frauenbergkirche
Der Mann hatte Möbel und Einrichtungsgegenstände fein säuberlich vor der Kirche aufgestapelt. Bildrechte: Klemens Müller

Integrationsbeirat: "Geste der Liebe"

Der Vorsitzende des Nordhäuser Integrationsbeirates, Mohamed Sayed, dankte dem Pfarrer und seiner Gemeinde für die Möglichkeit der Begegnung, auch wenn die Gäste mit der Tat nichts zu tun hätten. An Pfarrer und Gemeinde gerichtet, sagte er: "Sie wurden angegriffen und trotzdem heißen Sie uns willkommen. Ich habe diese Geste der Liebe gefühlt. Sie hat mich beschämt", sagte Sayed.

Die an diesem Abend Anwesenden seien aus einem Land gekommen, in dem sie selbst Opfer waren, so Sayed. Opfer genau dieser Menschen, wie der Täter einer sei. Solch einen Menschen hier in Aktion zu wissen, habe sie zutiefst erschreckt, doch auch der Sturm gegen Afghanen in den Medien. "Diese Gefährdungslage musste schnell geklärt werden", erklärt der Vorsitzende. Die Menschen, die heute Abend gekommen seien, hätten dies aus voller Überzeugung getan. 

Eine zerstörte Glasvitrine
Vom Täter zerstörte Glasvitrine in der Kirche Bildrechte: MDR/Christian Franke

Kirchenkreis: Erster Schritt aufeinander zu

Eine Sprecherin des Kirchenkreises sagte, Gastgeber wie Besucher hätten den Abend als einen guten ersten Schritt aufeinander zu genommen. Am Ende habe ein freies Gebet gestanden. Pfarrer Müller erklärte, von der Frauenbergkirche solle auch weiterhin ein Signal der Versöhnung und des Friedens ausgehen.

Kirche 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 01.11.2021 19:00Uhr 02:10 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN/dr, epd

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten regional | 04. November 2021 | 12:30 Uhr

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