Ronny Goymann Nach Corona: Der schwere Kampf zurück ins Leben

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Im Dezember war Ronny Goymann schwer an Corona erkrankt. Nachdem er die Krankheit besiegt hatte, musste er ganz von vorne anfangen: Laufen lernen, Essen lernen, Muskeln aufbauen. Jetzt will er nur noch zu seiner Familie.

Ein Mann sitzt in einem Krankenhausbett mit einem MDR-Mikrofon in der Hand 7 min
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MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 24.02.2022 19:29Uhr 06:34 min

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Ronny Goymann lebt in Greußen und er ist gerade einmal 51 Jahre alt. Eigentlich war er damals im letzten November nur ein bisschen erkältet. Auch, als die Erkältung einfach nicht verschwinden wollte, hat er sich noch keine Sorgen gemacht.

Sein Sohn irgendwann schon, wie Ronny Goymann erzählt: "Am 4. Dezember hat mein Sohn unsere Hausärztin angerufen, die hat bei mir Corona festgestellt und hat dann gleich alle Maßnahmen getroffen. Zuerst wurde ich nach Sondershausen gebracht und später dann nach Göttingen in die Klinik. Dort lag ich dann zwei Wochen in Narkose."

Erinnerungen komplett ausgelöscht

Aus dieser Zeit weiß Goymann gar nichts mehr. Als er aufwachte, steckte in seinem Hals ein Beatmungsschlauch, in seinem Bauch eine PEG-Sonde. Er wusste nicht, wo er war und konnte auch nicht fragen, weil er nicht sprechen konnte. "Mich hat es richtig schlimm erwischt und es hätte auch anders ausgehen können. Also habe ich trotz allem viel Glück gehabt."

Krank war er nie, in seinem Beruf als Hausmeister muss er auch körperlich fit sein. Und jetzt liegt Ronny Goymann hier in Neustadt auf der Früh-Reha-Station und lernt gerade wieder zu laufen.

In ganz kleinen Schritten vorwärts kommen

Vom ersten Tag an bekam er Physiotherapie, jeden Tag andere Anwendungen, auch üben musste Goymann gleich von Anfang an. "Natürlich erstmal nur leichte Sachen, ich hatte ja noch die Trachealkanüle im Hals, die wurde erst nach ein paar Tagen entfernt."

Zum Aufklicken: Was ist eine Trachealkanüle?

Eine Trachealkanüle ist ein Kunststoffschlauch, der in einen Luftröhrenschnitt eingesetzt wird. Die Kanüle dient der Beatmung des tracheotomierten Menschen. Es gibt verschiedenste Kanülen von zahlreichen Herstellern. Unterschieden werden sie zum Beispiel hinsichtlich des Materials. Es werden vor allem Kanülen aus PVC, Silikon oder Polyurethan verwendet. Auch gibt es die so genannte Tracheoflex, eine flexible Kanüle, die vorwiegend in der stationären Behandlung eingesetzt wird.

Ein Mann steht mit einem Rollator in seinem Krankenzimmer,
Beim Laufenlernen hilft ihm sein Rollator. Und auch ein Sauerstofftank ist an Bord. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Zu spüren, wie geschwächt er war, war ein ziemlicher Schock für Ronny Goymann. Und er war ja auch noch lange nicht gesund. "Das war eine schwere Zeit. Alleine durch diese Kanüle. Die hat mir zwar viel gebracht. Aber diese Anfälle von der Lunge her waren sehr schwierig. Es war immer so eine kleine Blockade mit dabei. Man konnte nicht richtig Abhusten, aber hier wurde mir da sehr geholfen."

Trotzdem spürte er permanent einen Hustenreiz, nie kam er wirklich zur Ruhe. "Das gehört wahrscheinlich einfach dazu bei so einer Krankheit."

Hier auf der Früh-Reha wurde sein Zustand dann allerdings schnell besser. Die Kanüle konnte entfernt werden und Ronny Goymann konnte endlich wieder probieren, selber etwas zu essen und zu trinken. "Dann ging es richtig bergauf. Am Anfang gab es nur weiche Sachen. Kartoffelbrei, Pudding und so etwas. Brot ging natürlich noch nicht. Aber trotzdem war das für mich ein Unterschied wie Tag und Nacht!"

Nicht nur, dass er wieder etwas zu sich nehmen konnte – er konnte endlich wieder etwas schmecken. Wenn er dann nach Hause kommt, hat er sich gewünscht, dass seine Mutter ihm eine Birnenpfanne macht, sein Leibgericht.

Die Sprache endlich zurück bekommen

Das war für Ronny Groymann übrigens einer seiner größten Erfolge hier auf der Station – wieder sprechen zu können, sagen zu können, was er will: "Zuerst kam ein Sprachaufsatz auf meine Halskanüle. Da durfte ich zum ersten Mal nach Wochen wieder sprechen. Das war schon mal ein Riesenerfolg für mich. Und dann wurde sie ja entfernt und ich hatte nur noch einen Verband am Hals und konnte wieder normal reden. Das war wie ein Sechser im Lotto."

Ronny Goymann ist für jede Therapie dankbar, weil alles ihn weiterbringt. Jeder noch so kleine Schritt macht ihn glücklich: "Alles, was bessergeht, ist für mich ein Erfolg. Und es gibt eigentlich nichts, was mir keinen Spaß macht. Klar, es gibt Sachen, die sind ein bisschen schwieriger, aber das gehört dazu. Und ich möchte ja irgendwann die Erfolge sehen und möchte ja irgendwann mal wieder mein normales Umfeld sehen und nach Hause. Darauf arbeite ich hin."

Zu Hause richtig gesund werden

Inzwischen scherzt er schon mit den Schwestern, fragt bei jeder Visite, wann er nach Hause kann. Wenn es nach Ronny Groymann geht, klappt das schon Ende nächster Woche. Bei seiner Familie, so sagt er, würde er sowieso noch schneller gesundwerden. Aber dafür muss er sich noch ziemlich anstrengen.

Ein Patient sitzt im Krankenbett und seine Ärztin steht neben ihm (Frau Dr. Maus)
Seine Ärztin, Dr. Susanne Maus, ist stolz auf ihren Patienten und seine Fortschritte. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Manchmal staunt er selber, wieviel er in der kurzen Zeit geschafft hat: "Es ist ja alles wie bei einem kleinen Kind. Laufen beispielsweise. Es ist wirklich alles weg und man fängt wieder von klein auf an, sozusagen. Es ist nicht einfach, aber man muss sich durchbeißen. Man will ja irgendwann wieder ins normale Leben einsteigen. Und deswegen kämpfe ich so."

MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. Februar 2022 | 14:00 Uhr

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