Nordhausen Junge Polizisten diskutieren in KZ-Gedenkstätten

Thüringer Polizei-Anwärter müssen nicht nur Gesetze pauken oder mit der Pistole schießen üben. Seit einigen Jahren besuchen künftige Polizisten auch regelmäßig Erinnerungsorte in Thüringen und diskutieren über Demokratie und Rassismus - und wie das alles mit dem Polizeiberuf zusammenhängt.

"Wir sind keine Heilanstalt gegen Rechtsextremismus" - aber ein Ort des Austauschs über Geschichte und Demokratie. Das sagt Karsten Uhl, Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Und doch sind die Orte des Bildungsprojekts für junge Polizisten mehr als symbolisch: Buchenwald, Mittelbau-Dora, Topf und Söhne, Andreasstraße - Orte nationalsozialistischer Verbrechen in Thüringen.

Seminare für Polizisten an Gedenkstätten seit 2018

Seit 2018 treffen sich die angehenden Polizisten an den Erinnerungsorten, um über ihren Beruf und die Themen Demokratie, Rechtsextremismus und Antisemitismus zu diskutieren. Laut Gedenkstätte Mittelbau-Dora haben allein in Nordhausen Hunderte künftige Beamte aus ganz Thüringen an den Seminaren teilgenommen.

Polizei bei Schulung.
Polizeianwärter diskutieren in Thüringer Gedenkstätten über die Rolle der Polizei im Nationalsozialismus, wie hier in Mittelbau-Dora. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Diskussion ohne moralischen Zeigefinger

Eine zentrale Rolle in den Diskussionen um das eigene Berufsbild spielt die Polizei im Nationalsozialismus. Die Polizeischüler vergleichen den Alltag eines Polizisten in Hitlerdeutschland mit der Arbeit eines heutigen Polizisten. Schließlich hat es auch Verkehrskontrollen in der Nazi-Zeit gegeben. Auch damals haben Polizisten Einbrecher verfolgt oder Anzeigen geschrieben. Diese Ähnlichkeiten machen es den Polizei-Anwärtern leicht zu erkennen, wo die Unterschiede zur NS-Zeit liegen.

Etwa, dass Hermann Göring in seinem Polizeierlass von 1933 verlangte, dass Polizisten ihre Waffen mehr einsetzen sollten. Oder, dass plötzlich Hilfssheriffs von der SA mit auf Streife gingen. Oder, dass Polizisten Tausende Menschen den Konzentrationslagern zuführten. "Da ist so mancher angehender Polizist fast vom Stuhl gerutscht", sagt Felix Roth Pädagoge in der Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Diese Rolle im KZ-System funktioniert als Negativfolie, mit der die Polizeianwärter über ihre Arbeit diskutierten. Ohne moralischen Zeigefinger, betonen die Pädagogen.

Gruppe von Personen, vorn Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen.
Auch Ministerpräsident Bodo Ramelow, hier vor dem alten Appellplatz von Mittelbau-Dora, besuchte die Veranstaltung. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Positive Bilanz und Pläne zum Ausbau des Bildungsprogramms

Die Leiterin der Bildungseinrichtungen der Thüringer Polizei, Heike Langguth, sagte, dass junge Polizisten durch das Bildungsprojekt einen eigenen Standpunkt entwickeln und durch die historisch-politische Diskussion ihre eigene Persönlichkeit festigen sollen. Die Thüringer KZ-Gedenkstätten haben nun eine positive Bilanz gezogen.

Nicht nur Auszubildende der Polizei nehmen an den Workshops teil. Auch Studenten für den gehobenen Dienst kommen von der Hochschule in die vier Erinnerungsorte. Mittelbau-Doras Gedenkstätten-Leiter Karsten Uhl zieht ein positives Fazit des bisherigen Bildungsangebots. Nun werde sogar diskutiert, ob die Seminare auch für erfahrene Polizisten im Dienst ausgeweitet werden sollen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. Juni 2021 | 19:00 Uhr

13 Kommentare

Karl Schmidt vor 6 Wochen

@Atheist:
Noch was ist an Ihrem Post sehr wundersam....

Sie sind doch Fan der Partei, die in S.-Anhalt die Schulpflicht abschaffen will. Warum regen Sie sich dann eigentlich über fehlenden Unterricht und Zeugnisnote auf????

Karl Schmidt vor 6 Wochen

@Atheist:
Lach wer sagt denn dass man nur Geschichte zur Polizeiausbildung braucht? Der Text oben ist barrierefrei geschrieben.
Einfach nochmal lesen.

Tschingis1 vor 6 Wochen

@Kleingartenzwerg
Beim Lesen ihres Kommentars falle ich fast vom Stuhl. Soviel Vorwurf, der auch noch falsch ist, habe ich lange nicht mehr gelesen.
Wenn sich unsere Kinder wirklich mit diesem Kapitel in der Schule so auseinandersetzen sollten, dann können wir noch ein paar Jahre mehr Schule geben. Und ob diese das auch so verinnerlichen....?
Die Landeszentrale für politische Bildung tut im Übrigen sehr viel und ich lasse mir auch jedes Jahr zu bestimmten Themen Literatur zusenden. Das geht nämlich auch kostenfrei.
Und wenn sie so viel zu der Polizei im NS-Staat wissen, dann erzählen sie bitte mal etwas, ohne zu suchen, was oder wer die Einsatzgruppen waren und welche Aufgaben diese hatten bzw. warum wissen wir soviel darüber.

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