Tag der Vielfalt 2021 Jung und queer auf dem Land: Nordthüringer bietet Anlaufpunkt für queere Jugendliche

Die Frage, ob man schwul oder lesbisch ist, als Frau oder Mann lebt, sollte in Großstädten eigentlich kein Thema mehr sein. Auf dem Land sieht das manchmal noch anders aus. Durch seine Initiative will Tom Schieke aus Bleicherode im Kreis Nordhausen den Fokus auf queere Lebensweisen, insbesondere im ländlichen Raum lenken. Denn das Leben abseits der Großstadt soll für alle ein Glückliches sein.

Tom Schieke aus Bleicherode lehnt an einem Baumstamm und setzt sich für queere Jugendliche aus Nordthüringen ein.
Tom Schieke aus Bleicherode setzt sich für queere Jugendliche aus Nordthüringen ein. Bildrechte: MDR/ Franziska Gutt

Tom Schieke aus Bleicherode liebt seine Heimat. "Wenn wir noch ein Meer in Reichweite hätten, dann wäre alles perfekt", schwärmt der 26-Jährige von der Region, in der er aufgewachsen und auch nach der Schulzeit geblieben ist. Nach dem Abschluss hat sich Tom Schieke geoutet, erzählt er dann. Und er habe selbst nie Probleme mit den Bleicherödern bekommen, nur, weil er schwul ist. Er ist mit einem Mann verheiratet und führt ein gutes Leben in der nordthüringischen Kleinstadt.

Mehr Akzeptanz in Großstädten

Doch im Sommer 2020 hat der junge Mann die Initiative ergriffen: Er will für junge Menschen seiner Heimat, die nicht dem heterosexuellem Stereotyp entsprechen, eine Anlaufstelle vor Ort bieten. Denn Tom Schieke findet, dass es viele Menschen, die schwul, lesbisch, non-binär oder transsexuell sind, mehrheitlich in die Großstädte zieht. Dass viele, die vom Land kommen, irgendwann nach Erfurt, Leipzig oder Berlin gehen, weil sie sich dort angenommener und repräsentierter fühlen. Anders sein und anders leben – das ginge für manche eben nur in Großstädten.

vereinte Hände der Frau mit lgtbi Armband
Beobachtungen zeigen, dass viele queere Menschen eher in Großstädten wohnen als auf dem Land (Symbolfoto). Bildrechte: imago images/Cavan Images

"Es sollte auch auf dem Land mehr Initiativen für queere Menschen, beispielsweise an Schulen geben oder mehr Orte, an dem es Austausch unter Gleichgesinnten gibt. Oder auch in Kampagnen sollte vielmehr auf queere Lebensweisen aufmerksam gemacht werden", fordert Tom Schieke. Also gründete er die Initiative "Queer Youth Bleicherode." Coronabedingt waren bisher keine Veranstaltungen möglich, doch an seiner ehemaligen Schule sei er bereits einmal mit Schülern der achten Klasse zum Thema sexuelle Vielfalt ins Gespräch gekommen. Auch die Netzwerkarbeit ist bereits im Gange. Unterstützung erhält Tom Schieke zum Beispiel vom Queer Weg Verein für Thüringen.

"Schwul" und "lesbisch", diese Begriffe bilden übrigens nur die Spitze des Eisbergs ab. Die Vielfalt an sexuellen Orientierungen ist größer als es manchen vielleicht bekannt ist. Daher nutzt Tom Schieke den Begriff "queer".

Queer ist inklusiver als schwul oder lesbisch. Der Begriff bezieht sich auf alle Lebensweisen außerhalb des heterosexuellen Spektrums.

Tom Schieke

Zudem spricht er von "Queerfeindlichkeit" und findet den Begriff "Homophobie" unangemessen. Eine Phobie beschreibe eine Angst. Aber Diskriminierung und Ablehnung sollten beim Namen genannt werden und sich nicht hinter einer psychischen Störung verstecken. Tom Schieke will aufklären und mit Vorurteilen aufräumen. Aber vor allem für junge Menschen aus Nordthüringen da sein, wenn sie Gesprächsbedarf haben. Wenn sie Fragen haben und Antworten brauchen. Und einen geschützten Raum, in dem sie reden und einfach so sein können, wie sie sich am wohlsten fühlen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 18. Mai 2021 | 08:10 Uhr

21 Kommentare

Eulenspiegel vor 22 Wochen

Also wie sagte schon Friedrich der große:
„In meinem Staat kann jeder nach seiner Fasson selig werden.“
Oder anders ausgedrückt:
„Toleranz ist anderen Menschen zu gestatten anders zu sein.“
Ja wir sind alle anders aber wir sind alle gleichwertig. Und wir haben alle die gleiche Würde.
Und bei der Frage was ist natürlich so kann man feststellen das alle Formen der sexuellen Orientierung die es beim Menschen gibt auch im Tierreich nachgewiesen wurden. Natürlich ist somit alles.

Thuringia vor 22 Wochen

manche Kommentare lassen mich schon schmunzeln, sind die Verfasser doch sicher die "normalen" Leute in unserer Gesellschaft. Mit 15 Jahren merkte ich das ich schwul bin aber nicht das ich anderes wäre, was ist denn anders? In der ehemaligen DDR war man viel toleranter und weiter als in der BRD, der Paragraph 175 wurde viel früher abgeschafft! Ich habe nie in den ganzen Jahren ein Schild um den Hals getragen, seht her ich bin Gay. Mein gesamtes Umfeld, alle Arbeitskollegen wussten es. Es war nie ein Thema, ebenso nicht bei meinem Hobby im Verein. Nun, nach meinem langen Arbeitsleben bin ich aus der Großstadt zu meinem Partner aufs Land gezogen (katholisch geprägt) und wir leben anerkannt, glücklich zufrieden. Freundlichkeit,Empathie, Offenheit sind Schlüsselworte dazu das nötige Selbstvertrauen und man kommt gut durch dieses Leben!

Nico Walter vor 22 Wochen

Sie sprechen von Forderung. Schon ab der Stelle kann ich Ihnen nicht mehr folgen. Von mir hat noch nie ein Homosexueller irgendetwas gefordert – zumindest nichts, was mit seiner sexuellen Orientierung im Zusammenhang steht – außer in seiner Lebensweise akzeptiert zu werden. Das ist eine völlig legitime Forderung, der ich auch gerne nachkomme. Das heißt ja nicht, dass mir diese Lebensweise gefallen oder ich gar daran teilhaben muss. Daher fühle ich mich auch nicht unterdrückt oder als Angehöriger der Mehrheit nicht mehr wahrgenommen. Diese Menschen sind Teil der Gesellschaft und müssen sich nicht verstecken, was im Umkehrschluss heißt, dass sie ein Recht haben, gesehen zu werden. Andere Gruppen mit anderen Interessen machen doch auch auf sich aufmerksam, was schon nötig ist, damit sich Gleichgesinnte finden.

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