Forschungsprojekt Südharz-Klinikum will mit Blut von Corona-Genesenen Kranke behandeln

Im Südharzklinikum Nordhausen forschen Mediziner an einem Corona-Medikament aus Antikörpern. Ein wichtiger Bestandteil davon soll Blutplasma von bereits genesenen Corona-Patienten sein. Viele Spendewillige meldeten sich.

Eine Ärztin steht vor einem Gefrierschrank.
Dr. Maria Westphal, Oberärztin der Blutspendezentrale am Institut für Labordiagnostik, Mikrobiologie und Transfusionsmedizin im Südharz Klinikum Nordhausen, prüft die Blutplasma-Spenden. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Am Südharzklinikum in Nordhausen wurden in der ersten und zweiten Coronawelle insgesamt 422 Patienten behandelt, 29 sind es aktuell. Doch das Klinikum beteiligt sich auch an einem EU-Forschungsprojekt zur Herstellung eines Corona-Medikaments aus Antikörpern. In diesen Tagen gehen die Versuche in die entscheidende Phase.

Es geht um eine passive Immunisierung

Es ist eigentlich kein neuer Ansatz, zu dem im Herbst vergangenen Jahres aufgerufen wurde. Es geht um eine sogenannte passive Immunisierung - im Gegensatz zu einer aktiven Immunisierung durch eine Impfung. Wie schon Robert Koch vor 100 Jahren Impfstoffe gegen Tetanus und Diphtherie entwickelt hat, indem er Blutbestandteile von Genesenen verwendet hat, so wird dies jetzt auch in zahlreichen Krankenhäusern probiert, auch in Nordhausen.

Im Herbst bekam die Blutspendezentrale am Südharzklinikum Nordhausen von der EU die Erlaubnis zur Herstellung eines Covid-19-Rekonvalenzentenplasmas. Dafür suchte das Klinikum im Januar öffentlich Corona-Genesene für eine Blutplasmaspende. Zahlreiche Spendewillige meldeten sich. Etwa 60 Spender wurden ausgewählt.

Bluspende von Corona-Genesenen

Oberärztin Dr. Maria Westphal vom Institut für Labordiagnostik erklärt, dass von dem halben Liter Blut, den die Spender abgaben, das Blutplasma abgetrennt und eingefroren wurde. Es folgte für das Plasma eine Quarantänezeit von vier Monaten. Dazu bekam das Klinikum extra spezielle Gefrierschränke geliefert. Denn es musste sichergestellt werden, dass die Corona-Genesenen nicht noch andere Infektionen hatten.

Im Mai kamen die Spender wieder ins Klinikum und gaben eine weitere Blutspende ab. Wenn hier keine weiteren Infektionen gefunden wurden, konnte das eingefrorene Plasma freigeben werden für einen sogenannten "individuellen Heilversuch". Verwendet werden soll es für Vorerkrankte, die ein erhöhtes Risiko haben, schwer an Corona zu erkranken.

Eine Ärztin hält eine Konserve mit gerorenem Blutplasma.
Die Plasmaspenden werden zunächst vier Monate lang eingefroren, bevor sie weiterverwendet werden. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Coronaplasma hilft Patienten

Laut Dr. Westphal hilft das "Coronaplasma" frisch infizierten Patienten, die Infektion besser zu überwinden. Auch diejenigen mit einem geschwächten Immunsysten, etwa Krebskranke nach einer Chemotherapie, können von dem Medikament profitieren und mit den Viren schneller fertig werden.

Westphal betont aber auch, dass es nicht die Impfung oder andere Medikamente ersetzt. Ähnliche Projekte laufen jetzt in vielen Kliniken in Deutschland, beispielsweise auch in Jena, Göttingen, Halle und Hannover. Westphal hofft, dass am Ende Medikamente entwickelt werden können, die Leben retten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 20. Mai 2021 | 06:30 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus der Region Nordhausen - Sangerhausen - Wernigerode

Mehr aus Thüringen