Justiz Stadt verklagt: Autofahrer erhält nach Baumsturz vollen Schadensersatz

Vor knapp zwei Jahren prallte ein Autofahrer im Nationalpark Hainich gegen eine Rotbuche. Der Betroffene wollte sich mit der für das Waldstück zuständigen Stadt Bad Langensalza einigen, doch diese lehnte ab. Daraufhin verklagte er die Stadt - und bekam jetzt Recht.

ein umgestürzter Baum auf einer Straße
Umgestürzter Baum auf einer Straße: Ein betroffener Autofahrer gewann vor dem Landgericht Mühlhausen gegen die Stadt Bad Langensalza (Symbolfoto). Bildrechte: MDR/news5/Schuchardt

Nach einem Totalschaden durch einen umgestürzten Baum im Nationalpark Hainich erhält der betroffene Autofahrer den vollen Schadensersatz. Das Landgericht Mühlhausen hat dem Kläger aus Bad Langensalza 3.700 Euro unter anderem für das zerstörte Auto, für Ausfalltage, Gebühren und Anwaltskosten zugesprochen.

Richter André Thormann sagte, die Stadt Bad Langensalza habe das betreffende Waldstück an der Kreisstraße 515 unzureichend kontrolliert und ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt. Auch ein Vertrag mit dem Forstbetrieb befreie die Stadt nicht von ihrer Pflicht, regelmäßig zwei Mal pro Jahr die Strecke zu prüfen.

Im konkreten Fall sei das im August 2019 letztmalig passiert. Einmal im Jahr ist laut Urteil zu wenig. Schon bei dieser Sichtprüfung hätte demnach ein fünf Zentmeter großes Loch im unteren Stammteil der Rotbuche gesehen werden müssen. Mit einem Ast oder Sondierungsstab wäre eine 60 Zentimeter tiefe Faulhöhle entdeckt worden, so die Baumexperin in ihrem Gutachten. Das Gericht folgte den Angaben einer Sachverständigen.

Das Justizzentrum Mühlhausen mit Landgericht und Staatsanwaltschaft
Ein Autofahrer gewann vor dem Landgericht Mühlhausen gegen die Stadt Bad Langensalza, weil diese ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt habe (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Gericht: Autofahrer trifft keinerlei Mitverschulden

Der Unfall ereignete sich im März 2020 zwischen Zimmern und Craula auf Höhe der Thiemsburg. Eine Rotbuche "mit Wurzelversagen" fiel auf die Straße, der Kläger prallte mit seinem Auto gegen den Baum. Den Kläger trifft laut Urteil keinerlei Mitverschulden. Weil der Baum von rechts der Straße gefallen ist, fällt es laut Urteil nicht unter das Sichtfahrgebot, das nur für den eigenen Fahrstreifen gilt.

Die beklagte Stadt hatte wegen des Sichtfahrgebotes von einem Mitverschulden des Klägers gesprochen und im Prozess einen sichtbaren Pilzbefall als Ursache für den Baumsturz geltend gemacht. Der Kläger hatte zunächst versucht, sich außergerichtlich mit der Stadt zu einigen. Als das abgelehnt wurde, hat er die Stadt im August 2020 verklagt.

Quelle: MDR(sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 15. Januar 2022 | 16:30 Uhr

26 Kommentare

Gurg vor 7 Tagen

Die Distanz ergibt sich aus den Höhen, die Bäume bei uns erreichen können.

Dass beim Fahren durch den Wald (hier sogar Nationalpark) Bäume auf der Straße liegen oder ein Tier vor das Auto springen könnte, ist normales und unvermeidbares Risiko, welches nur durch unverhältnismäßige und anderweitig schädliche Maßnahmen (Abholzung, Einzäunen) vermieden werden könnte.

emlo vor 7 Tagen

@O.B. Wo ist bitte das Problem, vor einer unübersichtlichen Stelle mal kurz den Fuß vom Gas zu nehmen? Da müssen Sie noch nicht einmal bremsen. Scheinbar gehören Sie auch zu der Fraktion Autofahrer, die den Sinn des Wortes "Höchstgeschwindigkeit" nicht wirklich begriffen haben. Das heißt ausdrücklich nicht, dass Sie so schnell fahren MÜSSEN, sondern dass Sie bei OPTIMALEN Bedingungen (also nicht an einer unübersichtlichen Stelle, nicht bei Nacht und Nebel, nicht bei stärkerem Regen, ...) maximal so schnell fahren dürfen! Insofern bedarf es auch keiner Schilder, die Sie daran erinnern. Schilder mit Geschwindigkeitsbegrenzungen werden nämlich nur dann aufgestellt, wenn man die drohende Gefahr nicht so ohne Weiteres erkennen kann.

O.B. vor 1 Wochen

Gurg, naja wenn Sie unverschuldet in den Baum gerollt wären würden Sie das sicher anders sehen. Das 40 m beidseitig ist dann auch sehr weit hergeholt oder was denken Sie?

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