"Power to Gas"-Projekt Wasserstoff-Gewinnung mit erneuerbaren Energien in Bad Langensalza geplant

Mit Hilfe von Windkraft und Sonnenenergie soll in Bad Langensalza in Zukunft Wasserstoff entstehen. Ein privater Investor plant, den Energiespeicher in einem Gewerbegebiet herzustellen. Der Stadtrat gab nun grünes Licht.

Noch nicht erschlossene Fläche für Energieprojekt in Bad Langensalza
Auf dieser Wiese soll einmal der Energiespeicher stehen. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

In Bad Langensalza soll eine neuartige Anlage bald Wasserstoff mit Hilfe von Wind- und Sonnenenergie gewinnen. Nach jahrelanger Vorbereitung hat der Stadtrat am Montag grünes Licht für das private Energieprojekt "Power to Gas" gegeben. Ein Investor plant, im Gewerbegebiet "Am Fliegerhorst" Wasserstoff herzustellen und als chemischen Energiespeicher zu nutzen. Dank dem gewonnenen Wasserstoff sollen unter anderem das angrenzende Gewerbegebiet und die Stadtwerke mit Energie versorgt werden.

Fotovoltaik-Anlage soll in Bad Langensalza entstehen

Bürgermeister Matthias Reinz (parteilos) hofft jetzt auf eine vorgezogene Baugenehmigung durch das Landratsamt. Dann könne noch vor dem Winter der erste Spatenstich für die Fotovoltaik-Anlage gesetzt werden, sagte er am Montagabend. Später sollen eine Technikhalle, eine Leitwarte und Sozialräume sowie ein Informationspunkt entstehen.

Im Licht der Abendsonne sieht man dutzende Solarmodule auf einem Dach eines Mehrzweckgebäudes.
Ein privater Investor will im Gewerbegebiet Nord in Bad Langensalza mit Hilfe von Sonnen- und Windenergie Wasserstoff gewinnen. Bildrechte: MDR

Flugsportverein hatte zunächst gegen Ansiedlung protestiert

Bei den Planungen hatte es immer wieder Verzögerungen gegeben. Die Ansiedlung war ursprünglich auf der Fläche des benachbarten Flugplatzes geplant. Nach Protesten des Flugsportvereins musste vor einem Jahr nach einer andere Fläche gesucht werden. Der am Montag beschlossene Planentwurf wird nun veröffentlicht und ausgelegt, sodass Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, Bedenken vorzubringen. Dann kommt der Bebauungsplan erneut in den Stadtrat.

Wasserstoff-Nutzung in EU soll wachsen

In der Europäischen Union soll die Nutzung von klimafreundlichem Wasserstoff ausgebaut werden, um die Energiewende voranzutreiben. So sollen mit öffentlicher Unterstützung bis 2024 die Kapazitäten auf eine Million Tonnen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien wachsen. Das sind sechsmal so viele wie heute. Bis 2030 sollen es zehn Millionen Tonnen sein.

Power to Gas/Power to X Bei der Technologie "Power To Gas/Power To X" wird aus dem Strom einer Fotovoltaik-Anlage und/oder Windkraft Brenngas hergestellt. Dieses Gas kann gespeichert werden, um es später zu verwenden. Die Technologie wird allgemein genutzt, um Stromüberschüsse zu speichern - zum Beispiel dann, wenn es aus Erneuerbaren Energien mehr Strom gibt, als abgenommen werden kann.

Quelle: MDR THÜRINGEN/uka

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. September 2020 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

Eulenspiegel vor 41 Wochen

Martin ich grüße sie

Ich denke sie sollten sich mal im Internet genauer über Power to Gas/Power to X und Power tu Gas informieren. Da geht es doch längst nicht um diese kleine Anlage in Bad Langensalza . Da ist ein Europaweites Energiekonzept in der Planung und Verwirklichung.

martin vor 41 Wochen

@thueringer: Rechtliche Bedenken sehe ich nicht. Jedes Unternehmen kann doch Strom kaufen und damit machen, was es will. Na ja, fast. Ich sehe zwei Problembereiche: Zum einen: Steht genügend Netzkapazität zwischen den gelegentlich abgeschalteten Erzeugern und dem potenziellen Verbraucher zur Verfügung? Und zum zweiten: Wäre ein solches Modell wirtschaftlich? Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass man eine Vertragsgestaltung findet, nur den Strom zum Billigtarif zu bekommen, der wegen Abschaltung sonst gar nicht erzeugt worden wäre.

Mit Ökostrom erzeugter Wasserstoff und Brennstoffzelle in Fahrzeugen wäre eine gute Sache. Allein: Es fehlt die Infrastruktur (Pipelines) um Wasserstoff durch die Gegend zu transportieren. Aufgrund der geringen Molekülgröße sind Wasserstoffpipelines zwar etwas anspruchsvoller als Erdgaspipelines - aber technisch machbar. Nur: Wer nimmt das Geld dafür in die Hand?

Thueringer Original vor 41 Wochen

Grundsätzlich begrüße ich die Herstellung von Wasserstoff aus regenerativen Strom. Jedoch bleibt die Frage, ob die genutzten Flächen vorher landwirtschaftlich genutzt wurden oder dort weniger Niederschlag versickert. In Thüringen werden zahlreiche Windräder abgeschaltet, weil die Netzkapazität den einzuspeisenden Strom nicht aufnehmen kann. Aus diesem könnte man doch Wasserstoff herstellen lassen!? Vielleicht kann der MDR mal recherchieren, ob das rechtlich einfach so möglich wäre.

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