Folgen des Ukraine-Kriegs Fehlende Teile, verärgerte Kunden: Landtechnik mit Lieferschwierigkeiten

Der Verband Landtechnik Thüringen (VLT) erkennt wachsende Verzögerungen beim Kauf von Maschinen wie Mähdreschern. Neben den Lieferschwierigkeiten sind auch Preise für manche Maschinen und Teile zunehmend ungewiss.

Beim Schlendern über den Werkstatthof in Lengefeld bei Mühlhausen ist nichts Ungewöhnliches zu erkennen. Auf dem Hof stehen einige Mähdrescher. Allerdings ohne das oft mehr als zehn Meter breite Mähwerk – sonst würden sie nicht dicht an dicht unter die Überdachung passen.

In den zehn Monaten außerhalb der Erntezeit können die großen Maschinen schon mal wochenlang in der Werkstatt stehen. "Entscheidend ist für die meisten Kunden, dass sie dann rechtzeitig einsatzbereit sind", sagt Marko Görke, Herr über alle fünf Standorte der Thüringer Agrartechnik und Maschinenbau GmbH. So könnten sich die Werkstätten ihre Arbeiten gut einteilen.

Ein Mann arbeiten am Motor eines Traktors.
Toni Goldmann bei der Arbeit an einem Traktor. Das Getriebe hat einen Schaden, einer Reparatur steht noch der Motor im Weg. Bildrechte: MDR/Florian Giwert

In der Werkstatt schrauben einige Mechaniker an großen Maschinen herum. Toni Goldmann baut den Motor eines riesigen Traktors aus. "Getriebeschaden. Und nur über den Motor komme ich da ran", sagt er fröhlich. Doch auch wenn nach außen hin nichts Ungewöhnliches zu erkennen ist – es gibt Probleme beim Handel und in der Werkstatt. Immer mehr Teile fehlen, immer öfter kommen Maschinen nur verzögert beim Händler und noch später beim Kunden an. "Wir sehen momentan die Anfänge der Probleme, die uns erreichen können", sagt Görke, der auch stellvertretender Vorsitzender des Verbands Landtechnik Thüringen (VLT) ist.

Produktion von Ersatzteilen seit Kriegsausbruch eingestellt

Hintergrund ist, dass mancher Landmaschinen-Hersteller Beziehungen in die Ukraine unterhält, manche fertigen dort auch. Es gibt auch Produktion in Polen, wo derzeit etliche ukrainische Mitarbeiter im Krieg kämpfen und die sich deswegen verzögert. Görke zeigt ein Schreiben von einem Lieferanten. "Wir produzieren in der Ukraine seit Jahrzehnten Geräte und Komponenten für unser Maschinenprogramm", heißt es da.

Seit Kriegsbeginn habe die Produktion eingestellt werden müssen. Einige Lieferaufträge könne man daher nicht erfüllen. Ohnehin hatte Corona die Lieferketten weltweit immer wieder unterbrochen. Der Krieg in der Ukraine verstärkt das Problem jetzt. Noch vor Jahren habe man durchaus jetzt noch einen Mähdrescher für die Ernte im Sommer bestellen können. "Jetzt sind wir da schon mal bei acht Monaten Lieferzeit." Das reicht dann erst für die kommende Saison.

Für verärgerte Kunden schon mal "der Fußabtreter"

Sein Kollege Torsten Juch hat ähnliche Probleme. Er zeigt eine beinahe 20 Seiten lange Auflistung mit Lieferverzögerungen bei unterschiedlichen Teilen und Maschinen. "Inzwischen glaube ich erst an die Lieferung, wenn mir der Versand bestätigt wird." Da sei man dann für verärgerte Kunden auch schon mal Blitzableiter oder Fußabtreter. Und weil der Handel mit neuen Maschinen durcheinandergebracht wird, gibt es auch Bewegung am Gebrauchtmarkt. Der VLT-Vorsitzende wollte eigentlich eine gebrauchte Melkanlage in die Ukraine verkaufen. "Aber die haben jetzt andere Sorgen dort", sagt er.

Zwei Männer stehen vor einer roten Landmaschine
Marko Görke ist Chef der Thüringer Agrartechnik und Maschinenbau GmbH und Vize-Vorsitzender des Verbands Landtechnik Thüringen. Sein Kollege Torsten Juch ist Chef des Fachzentrums für Innenwirtschaft in Nohra und Vorsitzender des Verbands. Bildrechte: MDR/Florian Giwert

Alte Maschinen seltener in Zahlung gegeben

Ein wachsendes Phänomen sei allerdings derzeit, dass Landwirte inzwischen nicht wie üblich eine alte Maschine für eine neue in Zahlung geben. "Wir hatten jetzt schon ein paar Ankündigungen, dass die ihre alte Maschine behalten." Sicher ist sicher. Denn wenn in der Erntezeit eine Maschine aussetzt und das Ersatzteil wochenlang nicht lieferbar ist, "dann haben manche lieber eine eiserne Reserve."

Ein bisschen fühlen sich die beiden Händler an DDR-Zeiten erinnert. Wer geschickt sei, könne auch Teile von anderen Händlern besorgen. "Aber da muss man gute Beziehungen haben und manchmal auch etwas haben, was der gerade braucht", sagt Juch. Die Lieferschwierigkeiten beeinträchtigten schließlich die ganze Branche.

Probleme noch überschaubar: "Ernsthafte Bedenken fürs zweite Halbjahr"

"Stahl, so um die 20 Millimeter Stärke, der für schwerere Anbaugeräte verwendet wurde, zum Beispiel für Schaufeln, die für Schüttgut oder Getreide nötig sind, der ist oft aus der Ukraine und gerade nicht zu bekommen", berichtet Görke, dessen Unternehmen auch selbst Maschinen und Teile produziert. Auch Hydraulik-Bauteile hätten inzwischen oft lange Lieferzeiten. Bei vielen Verschleißteilen seien die Lagerbestände zum Glück noch da.

Mähdrescher und Mähwerke stehen auf dem Hof einer Werkstatt
Schwere Technik wie Mähdrescher und Mähwerke werden hier verkauft und repariert. Bildrechte: MDR/Florian Giwert

Die Probleme machten dabei nicht nur den Kunden, also den Landwirten, zu schaffen. Auch die Landtechnik-Händler und Werkstätten leiden. Eigentlich haben sie reichlich zu tun und jede Menge Bestellungen in den Büchern stehen. "Aber mit Sachen, die nicht ausgeliefert werden, machen wir keinen Umsatz." Derzeit sei das noch kein großes Problem. "Aber ernsthafte Bedenken haben wir für die zweite Jahreshälfte und fürs nächste Jahr", sagt Görke. Seine Hoffnung ist: Die holprigen Lieferketten der letzten zwei Jahren hätten so manches Unternehmen animiert, sich nach alternativen Lieferanten umzusehen. "Vielleicht wirkt sich das zeitnah positiv aus."

MDR (jw)

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 26. März 2022 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

Jedimeister Joda vor 19 Wochen

Ähnliche Probleme hatte die DDR vor 40 Jahren. Jetzt sind die Probleme in der Bundesrepublik. Ich prognostiziere ein Ende der Bundesrepublik. Wann? Das ist Zukunft und die ist noch nicht geschrieben. Joda

camper21 vor 19 Wochen

Herzgut-Molkerei Rudolstadt wie schon vom MDR berichtet

Tamico161 vor 19 Wochen

Welche sind das konkret?

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