Selbstbedienung Wegen Personalmangels: Mühlhäuser Fleischer verkauft Wurst aus Automaten

Nach mehr als 60 Jahren Firmengeschichte setzt der Mühlhäuser Fleischermeister Uwe Seeber erstmals auf digitalen Wurstverkauf in einem Extra-Laden. Wegen Personalproblemen hatte er bereits die Öffnungszeiten seines Geschäfts in der Erfurter Straße von sechs auf vier Tage reduziert. Mit der neuen Selbstbedienung braucht niemand auf Würstchen, Steaks und Schaschlik zu verzichten. Auch Salate, Gewürze, Suppe und Wurst im Glas können täglich zwischen 5 und 22 Uhr "gedrückt" werden.

Mann steht vor Wurstautomat und schaut in die Kamera.
Fleischermeister Uwe Seeber hat neben seiner Filiale einen Wurstautomaten aufgestellt. Dieser ist täglich "geöffnet". Bildrechte: MDR/Claudia Götze

"Das Geschäft läuft gut. Saisonbedingt geht vor allem Grillware", sagt Fleischermeister Uwe Seeber. Bis zu drei Mal muss er mittlerweile sonntags die neuen Automaten nachfüllen. Eine App zeigt ihm an, welches Fach im Automaten leer ist. Einige Minuten später hat der 55-Jährige die Lücken wieder aufgefüllt. Seit 35 Jahren ist er im Job. Schon sein Vater und Großvater haben die Fleischerei in Mühlhausen bekannt gemacht.

Blick in ein Lagerraum mit Wurstwaren.
Blick in den Lagerraum der Fleischerei, die in Mühlhausen schon seit mehreren Generationen bekannt ist. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Wurstautomat in Mühlhausen: Idee gibt es schon einige Monate

Die Idee für eine Selbstbedienung sei ihm schon im vergangenem Herbst gekommen. Dieses "Fleischer-Homeoffice" bringe seinen zurzeit sechs Verkäuferinnen bessere Arbeitszeiten, sagt er. Die Öffnungszeiten seines Geschäfts hatte er im Januar erneut reduzieren müssen: freitags und samstags um je zwei Stunden.

Montag und Dienstag ist schon seit Längerem geschlossen. Wenn es mal wieder personelle Engpässe gibt, können die Kunden nun in der Selbstbedienung ihre Wünsche erfüllen. "Frische und Bedienung sind uns wichtig", sagt Uwe Seeber. "Das kann der Automat nicht, der ist nicht ganz so freundlich".

Mann steht vor geöffnetem Wurstautomat.
Das Geschäft läuft gut. Uwe Seeber muss regelmäßig die Fächer auffüllen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Automaten keine Seltenheit mehr in Thüringen

"Solche Automaten sind in Thüringen keine Seltenheit", sagt Geschäftsführerin Helgard Anding von der Thüringer Fleischerinnung. Derzeit gehören 100 Fleischereien zu der Interessenvertretung. In Thüringen gibt es 380 Betriebe mit 545 Filialen. Die Personalnot sei oft weniger das Problem, so Anding, sondern das Einkaufsverhalten der Kunden.

Das habe sich verändert. Und weil es nun oft nicht zu den Öffnungszeiten passt, bieten auch Fleischer ihre Waren im Automaten an. Wie viele mittlerweile thüringenweit stehen, kann Anding nicht sagen. Aber was sie weiß: In der Nähe von Campingplätzen und Kleingartenanlagen liefen sie besonders gut.

Es wird Renner und Penner geben.

Fleischer Uwe Seeber über sein digitales Sortiment

Briefkasten für Kundenwünsche

Uwe Seeber möchte in der "Selbstbedienung" auch einen Briefkasten für Kundenwünsche anbringen. Nur so könne das Sortiment verbessert und auf Kundenwünsche reagiert werden. Das Füllen der Automaten sei eine völlig neue Herausforderung, auch die Kalkulation der Waren. Jedes Produkt hat eine Ziffer, die dann eingetippt werden muss. Bezahlt wird mit Bargeld oder Bankkarte.

Schwierige Automatensuche

Auch die Suche nach einem geeigneten Automaten sei schwierig gewesen. Gern hätte Uwe Seeber ihn so montiert, dass er von draußen zu bedienen und von hinten zu füllen ist. Ebenso gern hätte der Fleischermeister Pfandgläser angeboten. Einen solchen Automaten habe er aber nicht gefunden und sich deshalb für die Variante im Laden entschieden.

Blick durch Eingangstür zum Wurstautomat.
Der Automat steht in einem Nebengebäude der Fleischerei. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Die Kunden nutzten auch die Mittagspause für einen Einkauf, weiß Seeber. Viele "gucken erstmal nur". Und sehen es schon jetzt als Ergänzung und freuen sich, dass sie auch am Wochenende nicht aufs Grillzeug verzichten müssen. Der Selbstbedienungsladen könne jederzeit vergrößert werden.

Mit seiner Fleischerei möchte er aber weiter zweigleisig fahren. "Das ist nur ein Automat und kein richtiger Laden", sagt Uwe Seeber. Und vermutet, dass die Nachfrage auch saisonbedingt sehr unterschiedlich sein wird.

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MDR (fno)

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