Ehemalige Grenze Grenzturm-Museum geschlossen - Heimatverein geht neue Wege

In kontaktlosen Zeiten sucht der Heimatverein Wendehausen im Unstrut-Hainich-Kreis nach neuen Ideen, um die Vereinsarbeit am Leben zu halten. Mit dem Grenzturm ist das Hauptbetätigungsfeld derzeit geschlossen. Der Verein hofft, im Sommer wieder Besucher begrüßen zu können.

Der Grenzturm Katharinenberg wird vom heimatverein Wendehausen betreut
Der ehemalige Vorsitzende des Heimatvereins Wendehausen Guntram Montag blickt im Grenzturm-Museum über das ehemalige Grenzgebiet. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Der letzte Eintrag im Gästebuch ist anderthalb Jahre alt. Danach war der ehemalige Grenzturm die meiste Zeit geschlossen. Das hier seit 2008 bestehende Museum ist zugleich Hauptbetätigungsfeld des Heimatvereins Wendehausen, der seit 30 Jahren besteht und auch dieses Jubiläum nicht feiern konnte.

Viele Grenztürme nach der Wende abgerissen

Der Ort Wendehausen liegt rund 2,5 Kilometer vom Turm entfernt. Solche Original-Türme gibt es nur noch wenige; die meisten sind kurz der nach der Wende recht schnell abgerissen worden. Die Beobachtungstürme entstanden Mitte der 1980er Jahre aus Betonfertigteilen und lösten die bis dahin teilgeschützten Führungsstellen ab. Nach der Wende 1989 hat sich Gemeinde Wendehausen für den Grenzturm stark gemacht und vor dem Abriss gerettet.

Der Grenzturm Die neun Meter hohen Grenztürme sind in den 1980er Jahren entlang der Grenze neu errichtet worden; sie ersetzten die bis dahin vorhandenen Beobachtungsstellen. Jeder Turm hatte drei Etagen plus Keller für die Stromversorgung und die Technik der Sicherungsanlagen. Im Erdgeschoss gab es eine Toilette und Arrestzellen für Gefangene nach einem gescheiterten Fluchtversuch. In der ersten Etage waren auf 16 Quadratmeter Fläche vier Soldaten als "Alarmgruppe" untergebracht. Für sie standen zwei Doppelstockbetten, Tisch und Hocker bereit. Im Turm sind je zwei kleine Schießschächte in alle vier Richtungen eingebaut. Die Grenze entlang des Kolonnenweges war gut einsehbar; ohne Bäume und Sträucher. Im zweiten Geschoss war die Führungsstelle für den jeweiligen Grenzabschnitt untergebracht; hier liefen auch die Signale von den Grenzzäunen auf. Dieses Obergeschoss war mit einem Offizier oder Unteroffizier und einem Soldaten besetzt, die eien Telefonanschluss hatten. Auf dem Dach war eine Flutlichtanlage installiert. Das Einsatzfahrzeug war direkt am Turm geparkt, um schnell über den Kolonnenweg an jeden Grenzabschnitt zu gelangen.

Der Grenzturm Katharinenberg wird vom heimatverein Wendehausen betreut
Karina Schlothauer und Guntram Montag vom Heimatverein Wendehausen. Das Grenztrum-Museum muss coronabedingt seit vielen Monaten geschlossen bleiben. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Heimatverein betreibt Museum

Der Heimatverein hat ihn später hergerichtet und ab 2008 ein Museum in dem ehemaligen Führungsturm der DDR-Grenzsicherungsanlagen eröffnet. Bis zu 1.000 Besucher jährlich kamen vor Corona. Im Vorjahr mit Voranmeldung immerhin noch 300 Grenzwanderer, spontane Besucher und vor allem Familien; auch viele Besucher aus Nachbarbundesländern. Sie finden hier auf drei Etagen unter anderem Dokumentationen über das Leben im Grenz- und Sperrgebiet, Schutzstreifen, Einzelschicksale, Zwangsaussiedlungen, Aufbau der Grenze in der Nachkriegszeit bis 1989, verschwundene Wüstungen. Die Sammlung wird immer wieder ergänzt; während der aktuellen Zwangspause hat der Museumsturm einen neuen Scheinwerfer erhalten.

Nur wer die Geschichte kennt, kann daraus lernen

Guntram Montag, Ex-Vorsitzender des Heimatvereins Wendehausen

"Nur wer die Geschichte kennt, kann daraus lernen", sagt der ehemalige Vereinsvorsitzende Guntram Montag. Zu wissen, warum kein Verkehr zwischen der DDR und der BRD möglich war, sei für junge Menschen in grenzenlosen Zeiten schwer möglich.

Der Grenzturm Katharinenberg wird vom heimatverein Wendehausen betreut
Auf drei Etagen sind im Turm unter anderem Dokumentationen über das Leben im Grenz- und Sperrgebiet ausgestellt. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Neue Ideen für das Dorf

Der Heimatverein versucht seit einem Jahr, das Beste aus den Lockdown-Zeiten zu machen. "Wir haben die Vereinsarbeit nicht ruhen lassen", sagt Karina Schlothauer. Die 38-Jährige ist seit drei Jahren Vereinschefin; nach 27 Jahren hat sie Gründungsmitglied Guntram Montag (68) abgelöst. Der Generationswechsel ist auch bei den Mitgliedern gelungen. Die Hälfte der 33 Mitglieder sind unter 50 Jahre alt. "Hier kann man ganz viele Ideen für sein Dorf verwirklichen", sagt Schlothauer. Die Sanierung des Spielplatzes habe beispielsweise den Nerv der jungen Leute getroffen.

Außerdem hat der Verein Wanderwege angelegt und beschildert sowie Plätze gepflegt, Rasen gemäht, sogar ein Wandertag im Herbst war möglich. Ein großes Projekt hätte es ohne Corona vermutlich nicht gegeben: Im Dorf wurden Erzählbänke und Erzählstationen mit QR-Codes aufgestellt, wo Menschen mit Smartphone Informationen zu Quellen, Begebenheiten und besonderen Häusern abrufen können.

Foto-Ausstellung geplant

Auch in diesem Jahr gibt es eine Aktion: eine Foto-Safari. Dabei suchen fotobegeisterte Bewohner vorgeschlagene Motive wie Wetterfahne, Lieblingsbank oder den schönsten Blick auf den Ort für eine Fotocollage, die dann in einer Ausstellung und auch im Internet gezeigt werden. Die Menschen suchen derzeit das Gespräch, hat Karina Schlothauer festgestellt. Weil es an Freizeitangeboten und Abwechslung fehle.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 17. Mai 2021 | 17:00 Uhr

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