Naturschutz Vom Nutzen der Gelbbauchunke: Fünf Jahre Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld

Wenn am 21. Mai der Europäische Natura-2000-Tag begangen wird, hat auch die erste Natura-2000-Station Thüringens Jubiläum. Sie wurde im Mai 2016, vor fünf Jahren, in der Nähe des Nationalparks Hainich gegründet, dem größten Schutzgebiet für einheimische Tiere und Pflanzen im Freistaat. Ein Blick über die Schultern der Naturschützer.

Eine Gelbbauchunke in einer Hand.
Eine Gelbbauchunke in einer Hand. Bildrechte: dpa

Die Gelbbauchunke, ein kleiner Frosch mit leuchtend gelbem Bauch, ist eigentlich in Flussauen zu Hause. Dort, wo sich vor allem im Frühjahr für einige Wochen kleine Tümpel bilden, in denen sie ihre Eier ablegen kann, ohne dass diese von Fischen gefressen werden. "Doch diese Flussauen gibt es nicht mehr", sagt Katrin Vogel, Geschäftsführerin der Wildtierland Hainich gGmbH, die Trägerin für die Natura-2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld ist.

Drei Frauen stehen mit Abstand vor einer Streuobstwiese
Sarah Ziegler, Juliane Vogt und Katrin Vogel arbeiten in der Natura 2000-Station. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Sie müssen mit einem großen Bagger rausfahren und Tümpel buddeln.

Katrin Vogel, Geschäftsführerin der Wildtierland Hainich gGmbH

Die Gelbbauchunke gibt es zwar noch, vor allem hier im Hainich, aber ihre Population ist stark bedroht. Katrin Vogel: "Wenn diese speziellen Lebensräume nicht mehr bestehen, stirbt die Gelbbauchunke aus." Es hilft nur eines: "Sie müssen mit einem großen Bagger rausfahren und Tümpel buddeln". Und das jedes Jahr wieder, denn die Kleinstgewässer wachsen mit der Zeit zu und trocknen aus.

Tümpel können dank EU-Richtlinie im Hainich ausgebaggert werden

Es ist einer Richtlinie der Europäischen Union zu verdanken, dass die Tümpel im Hainich gebuddelt werden können. Denn die Gelbbauchunke gehört zu den Arten, die nach EU-Recht besonders schützenswert sind. Unter dem Namen "Natura 2000" gibt es in der gesamten europäischen Union Schutzgebiete für wildlebende Tiere und Pflanzen und ihre Lebensräume. Das Natura 2000-Gebiet im Unstrut-Hainich-Kreis ist eines davon und gleichzeitig das größte Schutzgebiet in Thüringen.  

Ein Schild, auf dem steht: Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld
Die Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld, hier im Wildkatzendorf Hütscheroda Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Natura 2000 Natura 2000 ist das weltweit größte länderübergreifende Schutzgebietsnetz. Europaweit hat es den Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen und ihrer Lebensräume zum Ziel. In Thüringen sind 17 Prozent der Landesfläche solche Natura 2000-Gebiete.

Die Schutzgebiete werden von zwölf über den gesamten Freistaat verteilten Natura 2000-Stationen betreut, die es nur in Thüringen gibt. Katrin Vogel: "Das ist etwas wirklich Einzigartiges". Die Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld ist zuständig für die Schutzgebiete in den Landkreisen Eichsfeld, Unstrut-Hainich und dem nördlichen Wartburgkreis und feiert im Mai fünfjähriges Jubiläum. "Wir waren 2016 die allererste Station", erzählt Vogel. Man merkt ihr an, dass sie dieses Projekt schon lange begleitet und dass es ihr am Herzen liegt.

Vom Nutzen der Gelbbauchunke

Juliane Vogt, die die Station im Nordwesten Thüringens leitet, wird oft mit der Frage konfrontiert, welchen Nutzen beispielsweise Gelbbauchunken für den Menschen haben. "Letztendlich hat nicht jede Tierart einen Nutzen für den Menschen. Das muss sie auch nicht." Doch stirbt eine Art aus, wird die Vielfalt, die Biodiversität, kleiner. Je mehr Arten fehlen, je weniger Arten es gibt, umso anfälliger wird das Gesamtsystem.

Irgendwann, wenn es immer weniger Arten gibt, bricht das System zusammen.  

Juliane Vogt, Leiterin der Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld

"Man sieht es an unseren Wäldern", verdeutlicht Sarah Ziegler, Referentin in der Station. Durch die Monokultur und ihre Fixierung auf nur eine Baumart - bei uns sind es Fichten - sind die Wälder empfindlich und inzwischen stark bedroht durch Schädlinge und Trockenheit. "Irgendwann, wenn es immer weniger Arten gibt, bricht das System in sich zusammen", sagt Juliane Vogt.

"Deshalb wollen wir dieses Gebiet hier verbessern", sagt Katrin Vogel. In den vergangenen fünf Jahren hat die Station 2,8 Millionen Fördermittel eingeworben und teilweise umgesetzt, unter anderem für den Erhalt der streng geschützten Gelbbauchunke, für die über 1.000 Kleingewässer angelegt wurden.

Wiesensalbei, Johanniskraut, Glockenblume und Margarite blühen wieder

Oder dafür, Feldraine anzulegen, "Blühstreifen entlang der Äcker und Wanderwege", sagt Juliane Vogt. Über 30 einheimische Arten, darunter Wiesensalbei, Johanniskraut, Glockenblume und Margarite, werden hier in Kooperation mit den örtlichen landwirtschaftlichen Betrieben und Gemeinden gepflanzt und gepflegt.

Hand in Hand mit den Kommunen

Juliane Vogt: "Die Gemeinden, denen die Flächen oft gehören, haben ein Interesse daran". Häufig werden lokale Kindergärten und Grundschulen in die Betreuung eingebunden. Es ist ein Lernen in und an der Natur. "An dem Projekt sieht man, wie gut die Zusammenarbeit sein kann", sagt Juliane Vogt. "Da läuft vieles Hand in Hand."

Verstecke für Hasen, Wachteln und Rebhühner

Sechs bis acht Meter können solche Blühstreifen breit sein. Das sieht nicht nur hübsch aus, sondern zieht auch Insekten an und ist Lebensgrundlage für Schmetterlinge. Feldhasen, Rebhühner, Wachteln und Niederwild finden hier Nahrung und Verstecke. Die Samen stammen, das ist wichtig, aus der Region, "das ist relativ aufwändig und durchaus teuer", so Katrin Vogel.

Jährlich zwei Hektar

Bis zum Jahr 2026 sollen jährlich zwei Hektar solcher Feldraine angelegt werden. "Das ist gar nicht so wenig, denn es sind meistens schmale Streifen", sagt Katrin Vogel. Doch wenn die Pflanzen einmal wachsen, reicht es, einmal im Jahr zu mähen und die Mahd abzutragen. Fast ein Selbstläufer sozusagen.

Die Gelbbauchunke ist eine Gallionsfigur.

Katrin Vogel, Geschäftsführerin der Wildtierland Hainich gGmbH

Irgendwann soll auch die Gelbbauchunke ohne menschliche Hilfe überleben können. Dafür braucht sie Lebensräume, die langfristig zur Verfügung stehen. Bis es vielleicht soweit ist, hilft ihr das Projekt der Natura 2000-Station beim Überleben. Schließlich gehe es da nicht nur um die Gelbbauchunke, sagt Katrin Vogel. "Sie ist sowas wie eine Gallionsfigur, im Grunde geht es um Biodiversität, um den Schutz aller Tiere und Pflanzen." Und damit auch um unsere Lebensräume.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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