Drei Millionen Euro Schutz vor Hochwasser: Was an der Unstrut bei Mühlhausen geplant ist

In Görmar bei Mühlhausen soll nach fast 20 Jahren Planung ein Schutzkonzept für die Unstrut umgesetzt werden. Das Land will fast drei Millionen Euro in den Neubau von Hochwasserschutzwänden und Erdhügel stecken. Beidseitig der Unstrut soll eine Brücke versetzt und eine andere breiter gemacht werden. Außerdem soll die Unstrut zwischen dem Flutgrabenwehr und der Fußgängerbrücke "Alte Pfarre" ausgeweitet werden.

Unstrut bei Görmar
So friedlich sieht die Unstrut ohne Hochwasser oder Starkregen aus. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Bei der Ankündigung von Starkregen zucken vor allem die Älteren in Görmar bei Mühlhausen zusammen. Das letzte große Hochwasser gab es dort vor 40 Jahren; seit fast 20 Jahren wird an einem Schutzkonzept gearbeitet. Der Bereich der Hochwasserschutzmaßnahmen umfasst einen 1,2 Kilometer langen Gewässerabschnitt ab der Wehranlage Dorfmühle bis zum Abzweig des Flutgrabens oberhalb der Wehranlage Flutgrabenwehr.

Brücke soll versetzt und vergrößert werden

Laut Informationen des Landesamtes für Umwelt, Wasserbau und Naturschutz sollen entlang von 18 Grundstücken ab 2023 Schutzwände und gebaut und das Gelände aufgefüllt werden. Das stößt nicht bei allen Betroffenen auf Gegenliebe. Bis zu drei Meter breite Grundstücksstreifen sollen Besitzer verkaufen. Einige von ihnen fordern Lösungen, die näher an der Flussmitte liegen und weniger die eigenen Grundstücke verkleinern.

Auf der rechten Seite der Unstrut sollen Hochwasserschutzwände neu gebaut und schräg gegenüber sogenannte Geländemodellierungen auf der Mühlinsel entstehen. Im Unstrut-Profil soll beispielsweise eine Engstelle beseitigt werden, indem die Fußgängerbrücke über die Unstrut versetzt und vergrößert wird. Diese Brücke war bei früheren Hochwassern bis nach Bad Tennstedt gespült und von dort immer wieder zurückgeholt worden, berichtet der frühere Ortsbürgermeister Bodo Weber.

Eine Brücke über einem Fluß, dahinter ein Fachwerkhaus
Diese Brücke ist früher immer weggespült und bis nach Bad Tennstedt getrieben worden; nun soll sie komplett erneuert und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Druck aus Mühlhäuser Rathaus erhöht

Der 79-Jährige hat das letzte große Hochwasser im Jahr 1981 erlebt. Mindestens 80 Zentimeter stand das Wasser im Dorf hoch; beschädigte Gebäude und gefährdete das Vieh. Auch im Frühjahr nach der Schmelze stieg der Flusspegel regelmäßig an und trat die Unstrut über die Ufer. An einige der insgesamt elf überlieferten Hochwasser in der Dorfgeschichte erinnern an verschiedenen Stellen im Ort Hochwassermarken an Wänden und Häusern. Das letzte Jahrhunderthochwasser war 1927.

Der frühere Ortsbürgermeister von Görmar bei Mühlhausen, Bodo Weber.
Der frühere Ortsbürgermeister von Görmar bei Mühlhausen, Bodo Weber. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Auch deshalb soll in den nächsten Jahren die Unstrut ausgeweitet und eine bestehende Wehranlage als Sohlgleite in Riegelbauweise gebaut sowie der Einlaufbereich des Mühlgrabens neu gestaltet werden.

In den vergangenen Jahren hatte es mehrere Bürgerversammlungen gegeben; nach der letzten vor drei Jahren hat auch das Mühlhäuser Rathaus den Druck erhöht. Die Unstrut macht ihrem Namen alle Ehre, heißt es in der Ortschronik von Görmar: Sie heißt "Unstrom" - gleichbedeutend mit böser Strom. In diesem Jahrtausend hatte es bereits kleinere Umbauten an Wehren und Zuläufen gegeben; die größte soll ab 2023 beginnen.   

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 12. Juli 2021 | 15:10 Uhr

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