Deutscher Hospiztag In Würde sterben: Mühlhäuser Verein sammelt Spenden für neues Hospiz

Wohnortnah und viel Komfort. Der Mühlhäuser Verein "For Life" sammelt Spenden für ein neues Hospiz für Erwachsene am Stadtrand von Mühlhausen. Zirka 1,5 Millionen Euro sollen für Klimaanlage, moderne Fußböden und Pflegebetten zusammenkommen. Bauherr ist das Ökumenische Hainich Klinikum Mühlhausen/Pfafferode.

Menschen halten ein Banner
Der Verein hat mittlerweile 45 Mitglieder: Schüler, Ärzte, Pflegekräfte, Handwerker, Musiker, Gastronomen und Kommunalpolitiker machen mit; sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Bildrechte: Claudia Götze

In Thüringen gibt es neun stationäre Hospize. Hospiz Nummer zehn und elf könnten in Heiligenstadt und Mühlhausen eröffnet werden. Dann würde sich das Angebot in Nordthüringen deutlich verbessern. Weiße Flecken auf der Thüringer Hospizkarte gibt es noch im Saale-Orla-Kreis und im Kyffhäuserkreis, sagt Marcus Sternberg vom Thüringer Hospiz- und Palliativverband. Fast 100 Betten seien in der Gesamtzahl ausreichend, aber nicht immer "wohnortnah". 90 Prozent der Todkranken wollen zu Hause sterben - im Kreis der Familie.

Betreuung von todkranken Menschen

Der Mühlhäuser Verein "For Life" hat sich im vorigen Jahr gegründet; er will den Bau und später den Betrieb eines Hospizes mit Spenden unterstützen. Spenden im fünfstelligen Bereich sind nur der Anfang, sagt Oskar Mikulik. Rund 1,5 Millionen Euro werden gebraucht - ein anspruchsvolles Ziel. Mit dem Hospiz in Mühlhausen soll eine Lücke in der Betreuung von todkranken Menschen geschlossen werden, sagt Vereinschefin Elvira Saager. Derzeit müssen sie nach Bad Berka, Erfurt, Kassel oder Göttingen ausweichen.

Zwei Männer nebeneinander
Christian Thiele (links) und Silvio Saager beim Hospizradeln mit den Bändchen, mit denen die Runden gezählt wurden.  Bildrechte: Claudia Götze

Der Palliativmedizinische Dienst hat im vergangenen Jahr im Unstrut-Hainich-Kreis 450 Menschen - überwiegend Krebskranke - ambulant betreut. Die 57 ehrenamtlichen Hospizbegleiter im Landkreis sollen auch im neuen Haus die Arbeit der bis zu 20 hauptamtlichen Pfleger unterstützen.

Auch in einem Hospiz darf und muss gelacht werden, das gehört zum Abschiednehmen dazu.

Kerstin Fließbach Leiterin des künftigen Hospizes in Mühlhausen

Der Mühlhäuser Stadtrat hatte im Februar den Plänen des Ökumenischen Hainich-Klinikums zugestimmt, das Klinikgelände um eine Fläche von 23.000 Quadratmeter zu erweitern. Auf der Fläche unweit der Michaeliskirche soll neben einem Wohnheim unter anderem auch das neue Hospiz entstehen.

Klimaanlage, Pflegebetten und spezielle Bodenbeläge

Mittlerweile laufen vielfältige Spendenaktionen; beispielsweise stehen in vielen Läden und Anlaufpunkten Spendendosen. Beim ersten "Radeln fürs Hospiz" sind fast 10.000 Kilometer zurückgelegt worden; gleichbedeutend mit rund 2.000 Euro Spenden. Vier Mühlhäuser Firmen haben 20 Cent pro Kilometer bezahlt. Mit den Spenden soll zunächst der Neubau und insbesondere die Innenausstattung mitfinanziert werden. Dabei geht es um einen "gehobenen Komfort", sagt Oskar Mikulit. Klimaanlage, Pflegebetten und spezielle Bodenbeläge stehen auf der Wunschliste.

Ortschaft
An dieser Stelle, unweit der Michaeliskirche Pfafferode, sollen im Frühjahr 2022 die Bauarbeiten für das Hospiz "Evelyn" beginnen. Bildrechte: Claudia Götze

Der Bau soll eventuell im Frühjahr 2022 beginnen; frühestens Ende 2024 könne eröffnet werden. Auch nach der Eröffnung soll der Betrieb der zehn Betten mit Spenden unterstützt werden. Angehörige sollen ebenfalls mit im Hospiz übernachten können.

Der Tod gehört zum Leben dazu

Der Verein hat mittlerweile 45 Mitglieder: Schüler, Ärzte, Pflegekräfte, Handwerker, Musiker, Gastronomen und Kommunalpolitiker machen mit; sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Spendensammeln ist nur ein Vereinsziel, sagt Elvira Saager.

Es geht auch um den Hospizgedanken, um das Thema Tod. "Dass das mit zum Leben gehört, schieben viele Menschen von sich", sagt Kerstin Fließbach. Das Thema werde auch Kindern gegenüber verschwiegen. "Die Kinder sind dann überfordert, wenn Oma oder Opa sterben", sagt Fließbach. Die Palliativ-Fachkraft wird das neue Hospiz leiten. Sie freut sich auch auf humorvolle Stunden in der letzten Lebensphase. "Denn auch in einem Hospiz darf und muss gelacht werden, das gehört zum Abschiednehmen dazu." Dass auch Angehörige ihre Lieben dann wohnortnah beim Sterben begleiten können, sei ein wichtiges Ziel.

Frau mit Fahrradhelm
Sylvia Mikulit trägt eine ganz besondere Botschaft am Trikot. Bildrechte: Claudia Götze

Die Kinder sind dann überfordert, wenn Oma oder Opa sterben.

Kerstin Fließbach

Der Hospiz-Name "Evelyn" steht ebenfalls schon fest. Er erinnert an Palliativ-Schwester Evelyn, die selbst an Krebs erkrankte und im Hospiz Neustadt verstorben ist. Am Sterbebett haben ihr einige der Aktivisten von heute versprochen, sich für ein Hospiz in Mühlhausen stark zu machen. Schwester Evelyn starb vor fünf Jahren.

Quelle: MDR Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. Oktober 2021 | 18:00 Uhr

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