Kirche Früherer evangelischer Landesbischof Leich gestorben

Der frühere thüringische Landesbischof Werner Leich ist am Samstag im Alter von 95 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Leich war von 1978 bis 1992 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen.

Ein Mann redet an einem Rednerpult
Werner Leich hatte das Bischofsamt von 1978 bis zur Verabschiedung in den Ruhestand im Frühjahr 1992 inne. Bildrechte: Evangelische Kirche Mitteldeutschland

Der frühere thüringische Landesbischof Werner Leich ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 95 Jahren nach kurzer Krankheit in einem Gothaer Krankenhaus, wie die Familie mitteilte.

Der in Mühlhausen geborene Leich war von 1978 bis 1992 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen und zwischen 1986 und 1990 zudem Vorsitzender des Evangelischen Kirchenbundes der DDR.

Leich distanzierte sich von DDR-Regierung

Leich galt er als starker Befürworter der Ökumene. Kritisch hatte sich Leich - damals bereits im Ruhestand - zur Fusion der Thüringer Kirche mit der Kirchenprovinz Sachsen 2009 zur Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) geäußert.

1978 wurde er – gegen den Willen und die Pläne der SED – Thüringer Landesbischof. Es war ein herausforderndes Amt: 1983 eröffnete er mit Honecker die restaurierte Wartburg. Ab 1986 war Leich der oberste Vertreter der Evangelischen Kirche in der DDR. Im Frühjahr 1989 verabschiedete sich der konservative Kirchenmann von der Formel "Kirche im Sozialismus" und stand für einen distanzierten Kurs zur DDR-Regierung.

Kramer: Trauer um Tod von Leich

Friedrich Kramer, Landesbischof der EKM, sagte am Samstag zum Tod Leichs: "Er hat in allen, auch den schwierigsten Situationen stets darauf bestanden, eigene Positionen mit dem abzugleichen, was die Bibel uns aufträgt. Das hat auch ihn selbst als leitenden Bischof in der DDR mutig in Gespräche mit dem Staat gehen lassen."

Leich war im Dritten Reich Schüler an der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt, Wehrmachtssoldat und nach dem Krieg Bergarbeiter. Leich studierte Theologie in Westdeutschland und wurde Pfarrer in der DDR. Sein Markenzeichen: Das Collarhemd, der Priesterkragen, den er stets trug.

Der Altbischof war verheiratet und hinterlässt einen Sohn und eine Tochter. Zum Schluss lebte er in einem Diakonischen Zentrum in Tambach-Dietharz im Landkreis Gotha.

MDR (jw)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. Dezember 2022 | 12:00 Uhr

2 Kommentare

maddin vor 14 Wochen

Ach ja, die evangelische Kirche und die Mächtigen, da gäbe es viele Dinge allein schon nur aus den letzten 100 Jahren zu berichten. Aber das nachfolgend Zitat soll reichen: „Im Frühjahr 1989 verabschiedete sich der konservative Kirchenmann von der Formel "Kirche im Sozialismus" und stand für einen distanzierten Kurs zur DDR-Regierung.“ Ab dem Frühjahr 1989 distanzierten sich so einige, aber auch keine Sekunde früher!

MDR-Team vor 14 Wochen

maddin, können Sie noch eine Quelle für das aufgeführte Zitat benennen? Vielen Dank!

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