Schloss Dryburg Jugendliche gestalten und führen neues Café in Bad Langensalza

Die einstige Szenekneipe "Eulenspiegel" im mittelalterlichen Schloss Dryburg hat in Bad Langensalza einen würdigen Nachfolger: Das Jugendcafé "Meraki" hat einen Kicker- und einen Veranstaltungsraum sowie ein Atelier bekommen. Seit Oktober vergangenen Jahres haben es Kinder und Jugendliche in und um Bad Langensalza aufgebaut und gestaltet.

Jugendcafe Bad Langensalza Schloss Dryburg
Lotte (12) kellnert, mixt, kassiert ab und räumt mit auf. Fürs Foto probiert sie ihre eigene Kreation. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Die Kinosessel in der Nische stammen vom Burgtheater nebenan, die Barhocker haben Pedale wie ein Fahrrad, Gold und Schwarz sowie viel Grün. Die Farben sind auf Wunsch der Kinder und Jugendlichen ausgesucht worden. Auch der Style entspricht den Vorstellungen der jungen Gastronomen: Industrial und Dschungel. Restaurierte Fahrräder hängen an den Wänden.

Vor drei Jahren hat der Verein "Zwischenwelten" eine aufwendige Befragung unter mehr als 1.000 Kindern und Jugendlichen in der Region begonnen. Auf der Wunschliste stand ein Jugendcafé ganz oben. Dass es inzwischen geöffnet hat, ist das Ergebnis von Hunderten Arbeitsstunden. Zwölf- bis 18-Jährige haben den Eckbereich des Schlosses in einen attraktiven Freizeitbereich verwandelt: mit Außenbereich, einem Restaurant mit Tischen, Thekenbereich mit Hockern und vielen Details wie Lichterketten, grünen Blätter, Kerzen und gemütlichen Sofas.

Bilder und Fahrräder in einem Café an der Wand
Im Atelier: Ganz individuell ist die Gestaltung des neuen Jugendcafés in Bad Langensalza. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Waffelpommes und Veggieburger

"Einfach kuschelig", sagt die 18-jährige Laura. In jeder Ecke falle ein neues Detail auf, findet die Schülerin. Dazu gehören auch die Info- und Tausch-Bar sowie die Leseecke. Die Speisekarte stammt auch von den Jugendlichen, sie wurde auf dem Wochenmarkt in Bad Langensalza getestet. Die Waffelpommes und Veggieburger kamen gut an. Gemeinsam mit Koch Sven Sippel haben die jungen Leute nach Angeboten gesucht, die gesund sind und schmecken. Die Preise sind auf den Gast zugeschnitten: Jugendliche bis 18 Jahre zahlen gut zwei Euro weniger als Erwachsene.

die Mitglieder des Jugendcafés "Meraki" in Bad Langensalza
Ein Teil der jungen Leute, die seit rund drei Wochen im Jugendcafé "Meraki" kellnern und sich um die Gäste kümmern. Auf dem Foto das "Meraki"-Team mit Rosa Schröder, Max, Lotte, Rosa, Julia und Jannika. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Auch in den Sommerferien geöffnet

Der Verein "Zwischenwelten" hat Geld von der "Aktion Mensch" und viele Spenden bekommen. Vor gut einem halben Jahr wurde mit dem Herrichten der Räume begonnen. Jetzt kümmert sich ein Team aus 18 jungen Bad Langensalzaern ums Jugendcafé. Für Sozialpädagogin Rosa Schröder muss der neue Treffpunkt noch wachsen. "Etwas für andere zu planen, sie zu gestalten und durchzuführen, ist eine der Herausforderungen", sagt sie. Dass die Jugendliche ihren Altersgefährten ein völlig neues Angebot machen, sich einbringen und ausprobieren können, sei auch gut für die Stadt.

Zunächst gibt es drei Öffnungstage: Montagnachmittag, Donnerstagmittag und Freitagabend. Am Wochenende wollte noch niemand das Café öffnen. In den Sommerferien soll Freitagabend zusätzlich der Veranstaltungskeller für gute Musik geöffnet sein. Die zwölfjährige Lotte ist jetzt weniger im Reiterhof, dafür hilft sie im Jugendcafé kräftig mit. Sie kellnert, sie räumt auf, sie kassiert ab. "Die viele Arbeit hat sich gelohnt", sagt die Schülerin. Das Tablett trägt sie wie ein Profi durchs Café.

Blick in ein Café mit einem Schild mit Besucherhinweisen
Bei der Innendekoration haben die Jugendlichen viel Kreativität bewiesen. Bildrechte: MDR/ Claudia Götze

Öffentliches Café nicht nur für Jugendliche

Im Atelier, Kickerraum und natürlich im Café sei auch außerhalb der Öffnungszeiten Platz für Stammtische und gemeinsamen Aktivitäten. "Es ist ein öffentliches Café und nicht nur für Jugendliche", sagt Rosa Schröder. Wenn keine Gäste im "Meraki" sind, spielen die jungen Gastronomen Karten oder faulenzen einfach. Der Name "Meraki" hat gegen "Rusty" gewonnen. Meraki bedeute "etwas mit Leidenschaft zu machen und zu hinterlassen", sagt die Sozialpädagogin.

Einzigartig in Bad Langensalza dürfte auch die "Sozial-Bezahl-Bar" sein. Dabei können Menschen anderen etwas Gutes zu. Man gibt eine Bestellung mit Essen oder Getränken auf, bezahlt diese, nimmt sie aber selbst nicht in Anspruch. Der Kassenbon aber kommt an die "Sozial-Bezahl-Bar". Wer am Ende des Monats kein Geld mehr hat, kann sich den Bon wegnehmen und die jeweilige Bestellung erhalten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 20. Juli 2021 | 15:20 Uhr

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