Pflegenotstand Krankenschwester Jisha Joy aus Indien will in Thüringen Fuß fassen

Aus einer Großstadt in Indien ins kleine Diedorf im Unstrut-Hainich-Kreis: Die 32 Jahre alte Krankenschwester Jisha Joy hilft einem Pflegeheim in Thüringen. Die Suche nach Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt gestaltet sich für die Betreiber schwierig. Dank internationaler Vermittler sind bei den Zipp-Pflegediensten Diedorf mittlerweile Mitarbeiter aus sechs Ländern tätig.

Eine Frau steht in einem Gang.
Hier im Wohnbereich 1 ist der neue Arbeitsplatz der Krankenschwester aus Indien. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Seit acht Wochen ist Jisha Joy aus Indien neue Pflegekraft im Wohnbereich 1 im Alten- und Pflegeheim Diedorf. Die 32-Jährige kommt aus der 300.000-Einwohner-Stadt Thrissur im indischen Bundesstaat Kerala. Über internationale Vermittler hat die diplomierte Krankenschwester acht Monate lang einen Deutschkurs absolviert und anschließend eine Deutschprüfung absolviert.

Dann war der Weg frei für ihre erste Stelle in Deutschland. Hier will die Mutter einer siebenjährigen Tochter Fuß fassen und irgendwann Ehemann und Kind nachholen.

Eine Frau und ein Mann stehen nebeneinander in einem Gang.
Jisha Joy mit dem Manager der Zipp Pflege GmbH, Erich Petke. Willkommenskultur ist wichtig, sagt er.   Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Soziales Umfeld ist entscheidend

Der Pflegebedarf ist hoch und der Arbeitsmarkt mit Pflegekräften aus Ost- und Südosteuropa leer, sagt Heim-Manager Erich Petke. Deshalb habe er internationale Vermittler bemüht. Nach Jisha Joy sind inzwischen noch zwei weitere Krankenschwestern aus Indien eingetroffen; die beiden Frauen sind in einem Heim in Hüpstedt tätig.

Von den 62 Pflegekräften der Zipp-Pflegekonzepte sind sechs aus Polen, Ungarn, Vietnam, Indien und Bosnien. Einer der Auszubildenden kommt aus Vietnam. "Das soziale Umfeld ist entscheidend, und das beginnt am Arbeitsplatz", sagt Petke. Wichtig sei, dass die Hilfe nicht nur von der Firmenleitung, sondern auch von den Kollegen gewollt ist.

"Dieses Miteinander ist entscheidend", sagt Petke. Es kommt auf den "absoluten Willen zur Integration" an. Bei den Mitarbeitenden aus dem Ausland sei das zu 100 Prozent gegeben; auch die Gesellschaft müsse so offen wie im Unstrut-Hainich-Kreis sein. Bewohnerin Hedwig Montag ist begeistert vom internationalen Pflegeteam. Die 83-Jährige hat natürlich auch Jisha nach dem Wohin und Woher gefragt.

Zwei lachende Frauen sitzen nebeneinander in einem Raum.
Zeit für das Woher und Warum: Die 83-jährige Hedwig Montag im Gespräch mit der neuen Pflegekraft aus Indien. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Wetter in Deutschland angenehmer als in Indien

"Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden", sagt Jisha und lächelt. "Alle helfen", sagt sie. Auch die Bewohner wissen, dass sie aus Indien kommt. Sie unterstützen sie, geben Tipps. Die ersten Wochen habe sie in einer Pension in einem Nachbarort gewohnt. Weil der Fahrdienst aus Hausmeistern und anderen Kollegen zu aufwendig war, ist sie vor wenigen Tagen nach Diedorf umgezogen.

Den Führerschein will sie so schnell wie möglich machen. Sie ist sehr froh, dass Kollegen trotz der vielen Arbeit sie beispielsweise mit dem Auto zum Einkaufen mitnehmen. Die ersten Wochen seien voller neuer Eindrücke gewesen. Die Bewohner seien sehr aufgeschlossen und offen. Sie werde von allen Kollegen unterstützt, habe in kurzer Zeit viele Freunde gewonnen.

Ihr gefalle vor allem die Kleidung der Menschen, die Kultur und das Wetter. Die Temperaturen seien weitaus angenehmer für die Gesundheit als die 38 Grad zu Hause in Indien. Sie freut sich auf ihren ersten Schnee, den sie bisher nur aus dem Internet kennt. Sei freut sich auch auf Weihnachten und findet das "Oktoberfest" interessant.

Zwei Frauen stehen an einer Theke und reden.
Blick in den Dienstplan mit Josephine Wagner-Lehm vom Qualitätsmanagement. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Kontakt über Whatsapp nach Indien

In den ersten Tagen arbeitet Qualitätsmanagerin Josephine Wagner-Lehm besonders intensiv mit ihr zusammen. Die "Neue" soll sich schnell in die Pflegestandards einarbeiten. In Indien habe das deutsche Gesundheitswesen einen außerordentlich guten Ruf, sagt Jisha. Das betreffe die moderne Technik und das System an sich. Der deutlich bessere Verdienst und dieses Image seien der Hauptgrund gewesen, das Angebot aus Deutschland anzunehmen.

Ihre Familie sei stolz auf sie und ihre Tätigkeit. Mit ihrer Familie halte sie per Whatsapp den Kontakt. Sie hofft auf ein Wiedersehen in einigen Wochen, wenn Mann und Kind auf Besuch kommen wollen oder vielleicht sogar für immer bleiben.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 19. Oktober 2021 | 15:00 Uhr

9 Kommentare

Graf von Henneberg vor 6 Wochen

Die Arbeitslosen müssen in Lohn und Brot gebracht werden - ich vermute bei 80% dieser Menschen wird das gehen. Da bräuchten wir auch gleichzeitig weniger Arbeitskräfte in den Arbeitsämtern - diese könnten dann auch in die Produktion oder sich als Krankenschwester verdingen.

Karl Schmidt vor 6 Wochen

@Atheist:
„Nicht nur bei eine(m) ausgeprägten Dialekt und die Sprachverständlichkeit im Alter(,) sondern auch geschichtliche(n) Aspekte(n)(,) wie Erinnerungen an Sub(b)otnik, Jahresendprämie, …..“

Naja, Frau Joy arbeitet im Unstrut-Hainich-Kreis. Dort geht es vielleicht noch gerade so mit dem Dialekt. In einigen Teilen Südthüringens oder z. B. im sächsischen Erzgebirge wird schon wesentlich heftiger Dialekt gesprochen. Da muss man manchmal mehrmals nachfragen, was nun eigentlich gemeint ist. Sie selbst dürften solche Probleme mit der Sprachverständlichkeit doch auch kennen, Atheist. Sie schrieben bereits mehrfach an hiesiger Stelle, dass Sie ursprünglich aus Thüringen kommend nach Bayern gezogen sind.

Atheist vor 6 Wochen

Ich kann es mir persönlich nicht vorstellen!
Nicht nur bei einen ausgeprägten Dialekt und die Sprachverständlichkeit im Alter sondern auch geschichtliche Aspekte wie Erinnerungen an Subotnik, Jahresendprämie, …..
Ich würde das meinen Eltern nie zumuten zumal nicht bei den enormen Pflegekosten.

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