Ortstermin 30 Minuten Beweisaufnahme: Landgericht am Tatort in Fretterode

Der 13. Prozesstag um einen Angriff auf Journalisten in Fretterode im Eichsfeld ist mit einem Ortstermin am Tatort fortgesetzt worden. Vor dem Wohnhaus des Rechtsextremisten Thorsten Heise wurden Zeugen befragt und das Areal unter die Lupe genommen.

Zwei Polizisten stehen hinter einer Gruppe Menschen auf einem Gehweg in Fretterode
Die Prozessbeteiligten sahen sich vor Ort die Wege und Straßen rund um das Wohnhaus des Rechtsextremisten Thorsten Heise an. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

14 Prozessbeteiligte, 40 Polizisten, 20 Zuschauer und Journalisten. Der 13. Prozesstag um einen Angriff auf Journalisten in Fretterode ist mit einem Ortstermin am geschilderten Tatort fortgesetzt worden. Vor Ort sahen sich am Dienstag die Prozessbeteiligten die Wege und Straßen rund um das Anwesen des Rechtsextremisten Thorsten Heise an. Auch das benachbarte Wohnhaus des 27-Jährigen der beiden Angeklagten wurde betrachtet. Vor dem Anwesen sollen die angeklagten Taten vom April 2018 ihren Anfang genommen haben.

Zeugen werden am Tatort befragt

Im strömenden Regen schilderten die beiden Opfer im Zeugenstand, von wo aus sie das Haus fotografiert hatten. Die mittlerweile 29 und 30 Jahre alten Nebenkläger haben vor Ort recherchiert, weil sie von einem Vorbereitungstreffen der NPD für eine Demonstration am 1. Mai 2018 in Erfurt erfahren haben. Sie machten vor dem Haus Fotos, bis die Situation eskalierte. Heise ist stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD.

Vor dem Haus hatten die beiden Zeugen auch ihr Auto geparkt. An dieser Stelle wurden während des Ortstermins die Zeugen befragt. Es ging um den Blickwinkel, mit dem die 14 Fotos vom Tattag gemacht wurden. Es ging auch um die Frage, ob eine Spiegelreflexkamera verwendet wurde und wo die Zeugen und die Angeklagten während des Vorfalls standen.

Die Kamera ist verschwunden. Einer der beiden Journalisten konnte aber die Speicherkarte herausnehmen. Zu dieser Speicherkarte gibt es auch ein Gutachten, das im Prozess noch erörtert werden soll.    

Mehrere menschen fotografieren ein Haus in Fretterode
14 Prozessbeteiligte, 40 Polizisten, 20 Zuschauer und Journalisten waren bei dem Ortstermin in Fretterode dabei. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Der 22 Jahre alte Angeklagte schilderte erneut, dass er vor seinem Elternhaus von den beiden Zeugen angefahren worden sei und sich nur knapp habe retten können. Die beiden Nebenkläger haben eine Verfolgungsjagd bis ins acht Kilometer entfernte Hohengandern geschildert. Dort seien sie mit einem Messer, Reizgas und Baseballschläger angegriffen und schwer verletzt worden.

Prozess wird am Montag fortgesetzt

Laut Anklage ist auch das Auto demoliert sowie die Kameraausrüstung entwendet worden. Die Staatsanwaltschaft wirft den 22 und 27 Jahre alten Angeklagten Sachbeschädigung, gefährliche Körperverletzung und schweren Raub vor. Sie werden der rechtsextremen Szene zugerechnet. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. Bis Ende März soll es noch 16 weitere Verhandlungstage geben.

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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 30. November 2021 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

Lavendel vor 6 Wochen

Ihr Vergleich hinkt ja nicht nur, der geht am Krückstock!

Welche gewalttätigen Handlungen, wie der Angriff auf Journalisten durch ihre NPD Kumpels ist denn auch nur ansatzweise gerechtfertigt?

Warum noch mal tun sie so, als wäre der Kampf gegen die parlamentarische Demokratie in unserem Lande ein ehrenwertes Ziel, so wie es der Kampf gegen die SED Diktatur war?

Sorry, aber sie sind in meinen Augen nur ein brauner Forentroll. Inhaltliche Diskussionen sind mit ihnen nicht möglich.

Atheist vor 6 Wochen

Früher hießen sie Konterrevolutionäre und wurden mit den selben Methoden bekämpft, früher hieß es es muss nur demokratisch aussehen heut muss muss halt rechtsstaatlich aussehen.

Lavendel vor 6 Wochen

Die Unschuldsvermutung ist etwas, an das sich Gerichte halten müssen, nicht aber Menschen wie sie und ich die hier lediglich eine Meinung äußern.

In Verbrecherkreisen mag es ja üblich sein, dass man das "Recht" selbst in die Hand nimmt. Juristische Streitigkeiten, ob jemand ein Foto von einem "Haus" machen darf klärt man in diesen Kreisen sicherlich mit Messer, Baseballschläger, gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr, Körperverletzung und Diebstahl der Kamera.

Da ist mir doch gleich klar, welche Menschen da bei diesem NPD-Chef ein und ausgehen.

PS: Als Person öffentlichen Interesses hat die Presse jedes Recht über ihn zu berichten und auch Bildmaterial zu fertigen.

Wo kommen wir hin, wenn jeder Neonazi Schlägertrupps losschickt, wenn Journalisten ihre Arbeit machen und das über ihn berichten was es zu berichten gibt?

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