Neuanfang Wie ein 33-Jähriger aus Syrien Busfahrer im Unstrut-Hainich-Kreis wurde

Fast sechs Jahre nach seiner Flucht nach Deutschland hat der Syrer Hussam Hajahmed die Prüfung zur Fachkraft für Fahrbetrieb geschafft. Sein Lehrbetrieb, die Regionalbus GmbH, hat den 33-Jährigen übernommen. Wir stellen ihn und seinen Weg zum Busfahrer vor.

Busfahrer Hussam Hajahmed am Bussteuer
Hussam Hajahmed bei seiner Arbeit als Busfahrer. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Im März 2015 kam Hussam Hajahmed aus Idlib in Syrien nach Thüringen; über Suhl und Artern schließlich nach Mühlhausen. Im Jahre 2017 begann er eine Ausbildung als Busfahrer bei der Regionalbus GmbH. Die Ausbildung habe er ausgewählt, weil er das sprachlich für "gut machbar" hielt. Er wusste, dass er durch den Beruf viele Leute kennenlernen würde. Doch die Ausbildung war schwerer als erwartet, sagt er.

Planung, Elektrotechnik, Englisch, Französisch, Sozialkunde, Gesundheitsschutz, Personenbeförderung, Rechnen und mehr Informationen über Deutschland. Er wisse nun, wer seit 1949 Bundeskanzler war und wie viele Sitze es im Bundestag und im Bundesrat gibt. Aber die Prüfung zum Busfahrer hatte es in sich. Die Fragen waren schwer; einige hatte er vorher noch nie gehört. Seit drei Jahren fährt er als Azubi alle Linien; besonders oft aber die 112, 141 und 151. "Ich fahre 150 Kilometer pro Schicht, bringe die Leute zur Arbeit und zur Schule." Besonders die Linien 130 und 133 nach Schlotheim und Altengottern gefallen ihm, "weil da besonders viele Leute mitfahren".

Dieser Berufsabschluss bedeute ihm viel. In Syrien habe er als Friseur und als Zollangestellter gearbeitet. Er werde nie wieder arbeitslos sein, denkt Hussam. Dass eine Ausbildung in Deutschland sehr wichtig ist, sei ihm seit seiner Einreise immer wieder gesagt worden: Sein Chef habe ihm sofort gratuliert und gesagt, dass er übernommen werde.

Tochter seit sechs Jahren nicht mehr gesehen

Manchmal sei er unterwegs und glaubt immer noch nicht, dass er hier auf Deutschlands Straßen einen Bus fährt. Das Verhältnis zu Kollegen, Fahrgästen und Nachbarn sei immer gut gewesen, sagt Hussam. "Ich habe noch nie Probleme gehabt", sagt der Mann aus Syrien. Zweimal wollte er seine Ausbildung aufgeben; da hätten ihm seine Arbeitskollegen, Fahrgäste und sein Chef geholfen und Kraft gegeben. Deshalb habe er es sich anders überlegt. Darüber sei er sehr glücklich. "Es war sicher ein nicht immer leichter Weg, aber unser Hussam war stets gewillt, sich zu integrieren und sein Bestes zu geben", sagt Geschäftsführer Gerd Hasskerl. "Wir sind stolz und froh, dass er jetzt ein vollwertiges Mitglied unserer Fahrerschaft ist."

Der Berufsabschluss ist für den anerkannten Flüchtling nur eine Zwischenstation. In diesem Jahr möchte er die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Nach der Einbürgerung könne er seine Tochter Nura aus Syrien nachholen. Die Zwölfjährige lebt bei seinen Eltern; er hat sie seit sechs Jahren nicht gesehen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 05. Januar 2021 | 05:05 Uhr

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