Sanierung Talsperre Seebach bald leer: Anglerverein will Fische retten

Das Wasser der Talsperre Seebach im Unstrut-Hainich-Kreis wird ab Donnerstag stufenweise abgelassen. Insgesamt fünf Millionen Kubikmeter bis November. Ab März 2023 werden beide mehr als 500 Meter langen Dämme saniert. Der Anglerverein Mühlhausen will den umfangreichen Fischbestand retten.

Wenn Staumeister Tony Beetz am Donnerstag auf den Knopf des Schieberwerkes drückt, fließen zwischen 500 und 700 Liter pro Sekunde aus der Talsperre Seebach; erst zum Singelbach, dann zum Seebach und anschließend in die Unstrut. Die Talsperre soll saniert werden. Nach Angaben der Thüringer Fernwasserversorgung sollen die Arbeiten im März 2023 beginnen und im November 2023 abgeschlossen sein. Fünf Millionen Kubikmeter Wasser müssen abgelassen werden. Im November soll die Talsperre leer und bis dahin auch möglichst viele Fische gerettet sein.

Ein Mann bedient mit einem Knopf eine Schaltfläche.
Mit einem Knopfdruck kann Tony Beetz Wassermassen in Bewegung setzen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Langsam rissig

Die Talsperre wurde zwischen 1974 und 1976 erbaut, damals für die Bereitstellung von Beregnungswasser für die Landwirtschaft. Heute dient die Talsperre auch dem Hochwasserschutz und als Reserve für Niedrigwasser. Und auch noch heute wird Wasser zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen zur Verfügung gestellt. Außerdem wird die Talsperre seit elf Jahren touristisch genutzt. Der Stausee hat eine Wasserfläche von mehr als 100 Hektar. Der Campingplatz "Palumpaland" ist sehr beliebt. Angler finden in dem Stausee genügend Fische; bis zu 30 Tonnen groß ist der Bestand.

Wasser schießt aus einem Loch, oben drüber stehen Menschen.
Ab Donnerstag wird an der Talsperre kräftig Wasser abgelassen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Letzte Reparatur vor über 15 Jahren

Die letzte Reparatur fand 2006 statt: Damals wurden die Schieber ausgetauscht. Dieses Mal müssen die beiden 506 und 564 Meter langen Hauptdämme komplett saniert werden. Die Asphaltdecke weist viele und großflächige Risse auf. Mehr als dreieinhalb Kilometer seien sie lang, sagt Jochen Mehl von der Thüringer Fernwasserversorgung.

Die Sanierung der Dämme kostet mehrere Millionen Euro. Bei dieser Reparatur geht es um flächige Schäden und Löcher - und um ein Sicherheitsproblem.

Ein Mann steht vor einem Stausee.
Ingenieur Jochen Mehl vor seiner künftigen Großbaustelle. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Stufenweise Entleerung

Die Entleerung beginnt am Donnerstag bei 10,20 Meter Wasserhöhe; zunächst bis 9,80 Meter. Danach geht es stufenweise weiter bis zur endgültigen Entleerung im November. Das Asphaltbetonwerk geht bis zum Dammfuß. Deshalb muss der Stausse komplett geleert werden.

Auf einer Kanalmauer sind Risse zu sehen.
Am Asphaltbetonwerk erkennt man von oben bereits die Risse. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Die ersten vier bis fünf Kilometer fließt das Wasser durch den Singel- und den Seebach, danach geht es in die Unstrut.

Sanierung dauert mehrere Monate

Nach der Entleerung der Talsperre soll das Dammdeckwerk gereinigt und dann die Asphaltdecke abgefräst werden. Anschließend soll alles eben gemacht, sowie neu aufgebaut werden. Allerdings kann aus Artenschutzgründen im Winterhalbjahr nicht gebaut werden.

Angelgewässer mit schätzungsweise 30 Tonnen Fisch

Der Angelverein Mühlhausen will den riesigen Fischbestand im Stausee retten. Die Fische sollen mit Netzen gefangen oder in einem Seitenarm belassen werden. Vereinschef Wolfgang Wehnemann spricht von einer sehr guten Fischsituation im Seebacher Gewässer. Damit die erhalten bleibt, soll ein fußballfeldgroßes Restloch vergrößert werden. Dort sollen die restlichen Fische verbleiben.

Zwei Männer in Blau stehen nebeneinander.
Anglervereinschef Wolfgang Wehnemann, hier mit Staumeister Tony Beetz, hat den Umzug der Fische geplant. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Zusätzlich soll ein provisorischer Damm an der Oppershäuser Königsbrücke errichtet werden - auch dorthin können Fische gebracht werden. Sind die Bauarbeiten beendet, kann der Damm beseitigt und auf einen guten Fischbestand zurückgegriffen werden.

Reiches Fischvorkommen

Im Seebacher Stausee sind viele Arten zu Hause: Welse, Hechte, Zander, Aale, Karpfen, Schleie, Karausche, Plötzen, Brassen und Gründlinge - aber auch bei den Stichlingen gibt es sehr guten Stückzahlen. Am letzten Wochenende sind bereits 1.400 Hechte mit einer Größe von 18 bis 30 Zentimeter abgefischt und zu Teichen in der Nachbarschaft gebracht worden.

In einem kleinen Kanal fließt Wasser.
Ende 2023 soll das Wasser dann wieder durch einen renovierten Damm gen Unstrut abfließen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 10. August 2022 | 17:13 Uhr

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