Arbeitsmarkt Mühlhäuser Tanzlehrer trainiert mit Arbeitslosen richtiges Bewerben

In der Tanzschule von Miles Shane in Mühlhausen üben nicht nur Kinder und Jugendliche vor dem großen Spiegel. Der 42-Jährige hat sich während Corona zum Trainer fürs Jobcenter ausbilden lassen und betreut Arbeitslose beim Bewerbungstraining - Tanzen inklusive.

Miles Shane (links) und Erik Anton in ihrer Tanzschule.
Miles Shane (links) und Erik Anton machen im Auftrag des Jobcenters Arbeitslose und Jugendliche ohne Ausbildung fit für eine zweite Chance im Berufsleben. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Frisches Obst, Erfrischungsgetränke und weiße Tischdecken. Im Tanzsaal von Miles Shane sieht es aus wie in einem Seminar für Manager. An den Tischen sitzen zwölf Arbeitslose und Jugendliche ohne Ausbildung. Zehn Wochen nehmen sie an einem Bewerbungstraining des Jobcenters teil.

Miles Shane ist neben Eric Anton einer der beiden Trainer. In neun Wochenstunden sollen die Teilnehmer aus dem Unstrut-Hainich-Kreis lernen, wie man eine erfolgreiche Bewerbung schreibt und sich bei der Jobsuche gut verkaufen kann. 

Zweiter Lockdown bringt ihm zum Nachdenken

"Es geht auch um eine zweite Chance", sagt der frisch ausgebildete Bewerbungstrainer Miles Shane. Er wolle den Teilnehmern auch aus seinem Leben erzählen; über seine Auf und Abs in 20 Jahren Berufsleben. Nach dem ersten Lockdown, der drei Monate dauerte, sei er noch optimistisch gewesen, erinnert sich der Mann, der aus Rottleben im Kyffhäuserkreis stammt. Miles Shane ist sein Künstlername.

Während des zweiten Corona-Lockdowns, der acht Monate dauerte, sei er dann ins Grübeln gekommen. Er konnte nur Online-Tanzkurse anbieten und hat kaum Geld verdient. Als der Anruf von der Sonnenburg-Akademie Berlin kam, habe er nicht gezögert und dort über mehrere Monate eine Trainerausbildung fürs Jobcenter gemacht.

Jeder Zweite findet Ausbildung oder Job

Das Bewerbungstraining findet in seiner Tanzschule in Mühlhausen statt. Die Teilnehmer sind froh, nicht in einem Klassenraum mit einer Tafel zu sitzen. Stattdessen kleine Tische, angenehme Gesprächsatmosphäre und viel Augenhöhe, sagen die Arbeitslosen - einige von ihnen sind sehr jung. Nach den bisher drei Kursen mit jeweils bis zu 15 Teilnehmern hat jeder zweite eine Ausbildung oder einen Job gefunden, berichtet Miles Shane.

Natürlich sei während des Kurses auch Zeit zum Tanzen. Schließlich gehe es beim Bewerben auch um Körpersprache, die zum Tanzen ebenfalls mit dazu gehört. Wenn die Teilnehmer bei der Übergabe der Zertifikate gemeinsam mit ihm einen Flashmob oder sogar eine eigene Choreografie zeigen, dann habe der Kurs sein Ziel erreicht. Denn es geht auch um eigene Stärken, neue persönliche Ziele und mehr Selbstbewusstsein.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 24. August 2021 | 16:05 Uhr

4 Kommentare

CmdKolya vor 7 Wochen

Für die 3 netten Kommentare die bereits da sind:

Ich bin eine von den 12 Personen in dieser Maßnahme und das sind nicht nur die "basics" die uns beigebracht werden! Es geht hauptsächlich drum was genau wir wollen z.B selbstständig sein, als was, und wie wir es erreichen, z.B eine Weiterbildung + Fahrerlaubnis was einem bereits angeboten wurde! Was auch im Anspruch genommen wäre wenn nicht zu viele Mühlhäuser zu faul wären und mitmachen würden! Keiner will Gebäudereiniger werden, und die, die es wollen können nicht weil für eine Einzelperson alleine keine Weiterbildung gemacht wird! Man lernt in dieser Maßnahme wie man Bewerbung schreibt, was darin genau wichtig ist, der Lebenslauf, fragen die man an die Firma stellen könnte, wo man sich erkundigt, was für Förderungen es gibt und und und! Außerdem ist dies Mal was anderes als in einem sterilen Bildungsraum zu hocken und sich von Jobcenter Volltexten zu lassen! Hier ist man "frei", sogar die "faulen Jugendlichen" machen mit!

Wachtmeister Dimpfelmoser vor 7 Wochen

Ich würde eher sagen, dass es hier um die absoluten Minimalbasics geht, die offensichtlich bei der Majorität der Bewerber fehlen: Basecap oder sonstige Kopfbedeckung schon vorm Vorstellungsgespräch ab, generelle Kleiderordnung (abhängig vom potentiellen Arbeitgeber), Kaugummi raus, Handy auf lautlos, Sitzhaltung und dergleichen mehr.

part vor 7 Wochen

Eine gute Change für den Tanzlehrer, den nun wegkommt von einem Berufszweig ohne sehr große Zukunft, außer vielleicht in Wien. Doch viele Arbeitslose möchten gar nicht für 6 Wochen aus der Statistik fallen und zwischen geparkt werden bei Bildungsträgern, die sich dumm und dämlich verdienen und nichts weiter liefern als Zertifikate ohne Bedeutung anstatt verwertbarer Abschlüsse. Natürlich ist der Auftritt bei der Einladung zu einem Bewerbungsgespräch sehr wichtig, es muss aber erst einmal dazu kommen. Für die vielen Zeitarbeitsfirmen und Minderlöhner braucht es deshalb nicht noch zusätzlich Steuergelder für ein Schmierentheater, sondern endlich Mindestlöhne, von denen die Betroffenen auch leben können.

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