Gestrandet in Deutschland Mühlhäuser will zurück in seine Wahlheimat Thailand

Ungewohntes Klima, leere Cafés und kaum Kontakte. So erlebt der gebürtige Mühlhäuser Thomas Köhler jetzt seine Heimatstadt. Der 66-Jährige könnte derzeit nur nach einer 16-tägigen Hotel-Quarantäne in Thailand in seine Wahlheimat einreisen. Erst ab Oktober will die thailändische Regierung geimpften Europäer wieder eine Einreise ermöglichen.

Thomas und Trang Köhler
Thomas und Trong Köhler sind seit neun Monaten in Mühlhausen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Vor zehn Jahren ist der bekannte Mühlhäuser Thomas Köhler dauerhaft ins thailändische Pattaya gezogen. Er war bis dahin sehr oft in Thailand im Urlaub. "Das schöne Wetter und das gute Essen sind die Hauptgründe, hier meinen Lebensabend zu verbringen", sagt Thomas Köhler.

Heimatbesuch zur Kirmes

In Asien hat der 66-Jährige seinen Ehemann Trong kennengelernt und den Vietnamesen vor vier Jahren geheiratet. Trong ist inzwischen auch deutscher Staatsbürger. Dass beide jedes Jahr nach Mühlhausen zurückkehren, hat einen Grund. "Das ist Heimat", so Köhler: "Und wegen der Mühlhäuser Stadtkirmes". Die Mühlhäuser wissen, wenn Thomas Köhler in der Stadt ist, ist es bis zu Beginn der Kirmes nicht mehr lange. Während der Kirmes macht er jeden Abend in einem anderen Zelt Musik, außerdem moderiert er den Festumzug.

Thomas Köhler in seiner Jugend
Thomas Köhler war viele Jahre als DJ tätig. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Im letzten Jahr allerdings ist die Stadtkirmes wegen Corona abgesagt worden. Und die Pandemie ist auch der Grund, warum Thomas und Trong Köhler nicht wie geplant im Oktober wieder aus Deutschland abreisen konnten. In Thailand, das gut durch die Pandemie gekommen ist, herrschen strenge Regeln.

Jeder, der ins Land will, muss eine 16-tägige Quarantäne in einem Hotel in Bangkok über sich ergehen lassen. Einige seiner Freunde haben es versucht, so Köhler. Und nach drei Tagen wieder abgebrochen. Sie seien dann zum Flughafen gebracht worden und mit dem nächsten Flugzeug wieder nach Deutschland geflogen.

Deutschland unter Lockdownbedingungen

Der Aufenthalt in Deutschland unter Lockdown-Bedingungen sei schwierig, so Thomas Köhler. Cafés sind geschlossen, es gibt keine Veranstaltungen und wenig Kontaktmöglichkeiten. Trotzdem versuchen die Köhlers, jeden Tag mindestens drei Stunden an der frischen Luft zu sein und etwas zu unternehmen. Für Trong Köhler sind die winterlichen Temperaturen eine wirkliche Herausforderung. Die Freude, erstmals Schnee anfassen zu können, ist schnell gewichen: Der Vietnamese friert ständig und freut sich auf die wärmende Frühlingssonne.

Halbes Leben im Saal am "Am Schützenberg" verbracht

In den letzten Wochen musste Thomas Köhler auch erleben, dass der Saal "Am Schützenberg" abgerissen wurde. "Da habe ich die Hälfte meines Lebens verbracht", sagt Thomas Köhler. Von 1973 bis 1994 war er dort tätig. Thomas Köhler war gerade 18 Jahre alt, als er gemeinsam mit Partner Thomas Hesse als Team "ZJ" (Zentrum der Jugend) regelmäßig Platten auflegte.

Ab 1977 war Köhler fest im "Zentrum der Jugend" als Veranstaltungsleiter angestellt. Er organisierte jeden DJ, jede Gruppe, jeden Tanzstundenabschlussball, jedes Betriebsfest. "Wir hatten ein Programm wie in Berlin im guten alten Volksgarten", erinnert sich Köhler. Puhdys, Karat, City, Frank Schöbel, Nina Hagen – sie alle waren zu Gast.

Der eingezäunte Schützenberg in Mühlhausen
Sein "halbes Leben" habe er in diesem Gebäude verbracht, sagt Köhler. Nun musste er erleben wie das alte Jugendhaus abgerissen wurde. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Über die Konzert- und Gastspieldirektion kam Köhler an alle Stars heran. Das Haus in der Johannisstraße war viele Jahre "Bestes Kulturhaus im Bezirk Erfurt". Mittwochs bis sonntags ging hier die Post ab. Vor allem für die Samstagsveranstaltungen hieß es, ab 16 Uhr Schlange stehen. Wohl dem, der Beziehungen zur Ordnungsgruppe hatte und leichter an Karten herankam.

Seit 2011 lebt Köhler in Thailand

Am Schützenberg ging es um fünf Stunden Disko-Spaß, von 18 bis 23 Uhr. In die kleine Disko passten 120 Leute - drin waren meist 200. Der Saal war für 580 Leute zugelassen. Bis zu 1000 Menschen besuchten die Konzerte. Mühlhausen hatte übrigens das vorletzte Konzert von Manfred Krug vor seiner Ausreise in den Westen erlebt.

Alte Postkarte vom "Zentrum der jugen" in Mühlhausen
Das Haus in der Johannisstraße war viele Jahre "Bestes Kulturhaus im Bezirk Erfurt“. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Bei der Disko war 23 Uhr Schluss. Der "Diskococktail", der einmal im Monat unter verschiedenen Mottos stattfand, ging bis 1 Uhr früh. Ärger hat es nie gegeben. Musik aus, Licht an und raus, hat immer geklappt. DJ Tommy Köhler reiste neben seiner Arbeit am ZdJ in der ganzen DDR herum. Irgendwann Anfang der 1980er landete er im "Palast der Republik".

2011 gab es eine große Abschiedparty im Mühlhäuser "Leo". Seitdem lebt der gelernte Zahntechniker Köhler für viele Monate im Jahr in Thailand. Dorthin kann er nun frühestens im Oktober zurückkehren.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit des Tages | 05. April 2021 | 18:00 Uhr

2 Kommentare

Alexa007 vor 1 Wochen

Das ist richtig. Gern würde man mehr erfahren über das Leben der Köhlers in Thailand und die Hemmnisse für die Eheleute, die eine Einreise unmöglich machen. Interessant wäre auch, welche konkreten Erfahrungen die Freunde des Herrn Köhler gemacht haben.

xxy21 vor 1 Wochen

Schöne Aufarbeitung des Jugendlebens zur DDR-Zeit. Aber was ist jetzt daran die Nachricht? Ist dem Herrn die Hotelquarantäne zu teuer oder wo sonst liegt sein Problem? Dass sich nicht die Welt nach seinen Vorstellungen und Wünschen richtet? Es gibt Leute, die haben wirkliche Probleme. Wo sind die Berichte über diese?

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