Patrone auf Briefkasten NSU: Ermittlung zu Bedrohung von Zeuge R. eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Gera hat ihre Ermittlungen wegen Bedrohung eines Zeugen des NSU-Untersuchungsausschusses im Landtag von Baden-Württemberg eingestellt. Wie Sprecher Sven Schroth MDR THÜRINGEN sagte, konnten die Kriminaltechniker anhand der Spuren keine Verdächtigen ermitteln.

Der ehemalige Neonazi Sven R. aus Rudolstadt sollte Anfang März vor dem NSU-Untersuchungsausschuss aussagen. Er hatte sich jedoch krank gemeldet, nachdem er nach eigenen Angaben eine Patrone einer Schusswaffe auf seinem Briefkasten gefunden hatte. Demnach trug die Patrone das Datum, an dem seine erste Befragung im NSU-Ausschuss in Stuttgart geplant gewesen sei. Spezialisten des Thüringer Landeskriminalamtes untersuchten daraufhin Patrone und Briefkasten auf DNA-Spuren.

Inzwischen hat R. in Stuttgart zu seinen Verbindungen zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) ausgesagt. Zu seiner Befragung Mitte April erschien er in schusssicherer Weste. Vor dem Ausschuss bestritt er, Waffenlieferant für das NSU-Trio gewesen zu sein. R. bestätigte seine Kontakte zu den drei Mitgliedern, diese seien jedoch Anfang 1998 eingeschlafen. Außerdem behauptete R., dass der Thüringer Verfassungsschutz ihn als V-Mann habe anwerben wollen. Das habe er abgelehnt. Nach Medienberichten zweifelten die Ausschuss-Mitglieder am Wahrheitsgehalt der Aussagen.

Sven R. gehörte in den neunziger Jahren zum harten Kern der Ostthüringer Neonazi-Szene und war Kameradschaftsführer in Rudolstadt. Er kannte Uwe Böhnhardt als Zellengenosse aus der Untersuchungshaft Anfang der 90er Jahre. Sowohl beim NSU-Prozess in München als auch in Untersuchungsausschüssen verschiedener Länder konnte bisher nicht genau geklärt werden, auf welche Weise sich das NSU-Trio mit Waffen versorgte, darunter die Mordwaffe, eine Pistole Ceska 83 mit Schalldämpfer. Dem NSU werden von 2000 bis 2007 zehn Morde zugerechnet - an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn.

Der Untersuchungsausschuss von Stuttgart geht der Frage nach, welche Verbindungen des NSU zu Baden-Württemberg bestanden und ob es hier Unterstützer gab. Gegen den Vorsitzenden des Ausschusses, Wolfgang Drexler (SPD), war Anfang des Jahres ein Drohbrief eingegangen. Die Sicherheitsvorkehrungen zu den Sitzungen waren daraufhin verschärft worden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. Juni 2018 | 05:00 Uhr

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