Auffliegen der NSU-Terrorzelle Doht kritisiert Polizeieinsatz in Eisenach

Der ehemalige Eisenacher Oberbürgermeister, Matthias Doht, hat den Polizeieinsatz beim Auffliegen der rechten Terrorzelle am 4. November 2011 kritisiert. Vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags sagte er am Donnerstag, er sei "stinksauer" auf die Polizei gewesen.

Die Polizisten, die am brennenden Wohnmobil in Eisenach eingesetzt waren, hätten die Feuerwehrleute nicht davor gewarnt, dass sich in dem Fahrzeug möglicherweise Bewaffnete aufhalten. Das habe er nicht nachvollziehen können. Dem ehemaligen SPD-Politiker sei zudem verwehrt worden, mit den Einsatzkräften der Feuerwehr am Tatort zu sprechen, obwohl er als Oberbürgermeister der Dienstvorgesetzte gewesen sei. Der 57-Jährige erklärte außerdem, dass die Polizei an jenem Nachmittag noch immer von einem dritten Täter ausgegangen war. Bisher schlossen das die Sicherheitsbehörden immer aus. Dennoch hatte Doht niemals offiziell interveniert.

Notarzt musste sich wieder zurückziehen

Ein Notarzt erklärte im Zeugenstand, dass er damals ausdrücklich nicht an das brennende Wohnmobil gelassen wurde. Die Polizei wies den Arzt an, hinter einem Müllcontainer in Deckung zu gehen. Nach seinen Angaben ging die Polizei davon aus, dass in dem ausgebrannten Wohnmobil eine Bombe sei. Von solchen Warnungen war bislang noch nicht die Rede. Eine knappe Stunde hatte der Mediziner nach eigenen Angaben hinter der Mülltonne gesessen. Dann habe ihn die Polizei fortschickt. Dabei hätte er eigentlich offiziell den Tod der beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt feststellen müssen.

Die Ausschussvorsitzende Dorothea Marx (SPD) erklärte, dass der Ausschuss weitere Details einer "schlampigen Polizeiarbeit" von den jüngst aufgetauchten Akten und Fotos erwarte. Die Fotos würden zeigen, dass Polizisten in "keiner Weise" spurenschonend am Tatort aktiv waren. Schon in den letzten Ausschusssitzungen wurde immer wieder von Zeugen erklärt, dass der Tatort - das Wohnmobil - noch in Eisenach-Stregda verändert worden war. Der damalige Einsatzleiter der Polizei hatte das stets zurückgewiesen. Der Untersuchungsausschuss beschäftigt sich seit Monaten damit, wie der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) Ende 2011 aufflog.

Zschäpe will ihr Schweigen brechen

Zweieinhalb Jahre nach Beginn des Münchner NSU-Prozesses will die Hauptangeklagte Beate Zschäpe ihr Schweigen brechen. Ihre Aussage ist für nächste Woche geplant. Sie wird jedoch nicht persönlich sprechen, sondern eine Erklärung durch ihren Anwalt Mathias Grasel abgeben. Nach seinen Angaben sei nur noch unklar, an welchem der drei Verhandlungstage er für das Verlesen ihrer Aussage das Wort erhält. "Ob am 8., 9. oder 10. Dezember hängt auch von der Planung des Senats ab", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das Verlesen werde voraussichtlich eine bis eineinhalb Stunden dauern.

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