Rechter Terror NSU-Prozess: Die Plädoyers beginnen

Nach über vier Jahren Dauer und mehr als 370 Verhandlungstagen ist die Beweisaufnahme im NSU-Prozess beendet. Am Mittwoch beginnt mit den Plädoyers am Münchener Oberlandesgericht die Endphase im Mammutprozess.

Die Endphase des NSU-Prozesses ist eingeläutet. Das Münchner Oberlandesgericht hat am Dienstag nach über vier Jahren Dauer und mehr als 370 Verhandlungstagen die Beweisaufnahme offiziell abgeschlossen. Am Mittwochvormittag beginnen die Plädoyers.

Einige Nebenkläger hatten noch versucht, den Senat dazu zu bringen, die Schlussvorträge auf nächste Woche zu vertagen. Damit wollten sie ihren Mandanten die Teilnahme daran ermöglichen. Doch darauf wollte sich der Vorsitzende Richter Manfred Götzl nicht einlassen - zum Bedauern von Anwältin Seda Baysa, die Angehörige des Nürnberger Mordopfers Enver Şimşek vertritt. Sie sagte am Dienstag: "Der Bruder wird es morgen nicht nach München schaffen, er hat keinen Urlaub bekommen, aber Enver Şimşeks Mutter wird kommen. Für uns war es nicht absehbar, dass morgen schon plädiert wird."

Erleichtert zeigt sich hingegen Jacob Hösl, der Verteidiger des mutmaßlichen NSU-Waffenlieferanten Carsten S., dem einzigen Angeklagten, der von Anfang an umfassend ausgesagt und Reue gezeigt hat. "Unser Mandant ist insgesamt froh, dass es jetzt zu Ende geht“, so Hösl. "Er will einfach – unabhängig davon, wie das Verfahren ausgeht – eine Perspektive entwickeln und das kann er erst, wenn der Prozess zu Ende ist."

Plädoyers könnten Wochen dauern

Mit den Plädoyers beginnt die Bundesanwaltschaft. Sie hat sich bereits seit Wochen darauf vorbereitet, so Bundesanwalt Herbert Diemer: "Es ist ein reiner Indizienprozess, wir haben keine Tatzeugen und da müssen die einzelnen Indizien zusammengesetzt werden wie ein Puzzle."

Die Staatsanwaltschaft hat bereits angekündigt, dass sie für ihr Plädoyer rund 22 Stunden benötigen wird. Das entspricht mindestens drei Verhandlungstagen. Danach sind die Anwälte der Nebenkläger dran – auch deren Vorträge werden Tage, wenn nicht gar Wochen in Anspruch nehmen, schließlich vertreten sie insgesamt über 80 Opfer der Terrorgruppe NSU bzw. Angehörige der Opfer.

Zum Schluss werden die Verteidiger der fünf Angeklagten plädieren. Damit sei jedoch nicht mehr vor der Sommerpause und somit nicht vor Ende August bzw. Anfang September zu rechnen, sagte Richter Götzl am Dienstag. Erst danach wird das Oberlandesgericht sein Urteil verkünden.

Langjährige Haftstrafen erwartbar

Die Hauptangeklagten Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben müssen dem Prozessverlauf nach mit langjährigen Haftstrafen rechnen. Weitgehend unklar ist, welches Strafmaß die drei anderen Angeklagten Carsten S., Holger G. und André E. zu erwarten haben.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18.07.2017 | ab 19:00 Uhr

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