NSU-Prozess Kriminelle Bande bewaffnete Rechtsradikale

Ein Ex-Mitglied einer kriminellen Bande hat am Dienstag beim NSU-Prozess in München ausgesagt. Seine Bande habe Rechtsradikale bewaffnet, um das "Vorrücken ausländischer Banden aufzuhalten". Das Gericht will durch die Vernehmung des Zeugen herausbekommen, woher die NSU-Mitglieder ihre Waffen hatten.

Ein ehemaliges Mitglied einer kriminellen Vereinigung aus Jena hat am Dienstag beim NSU-Prozess ausgesagt. Der Mann sagte vor dem Oberlandesgericht München, seine Gruppe habe zu Beginn der 1990er-Jahre beschlossen, Rechtsradikale zu bewaffnen. Dadurch sollte das "Vorrücken ausländischer Banden" aufgehalten werden. Anführer der Gruppe seien Zwillingsbrüder aus Jena gewesen. Sie hätten die letzte Entscheidung getroffen, wer unterstützt werden solle.

Zeuge deutet auf mutmaßliche Terrorhelfer

Das ehemalige Bandenmitglied sagte am Dienstag, es kenne zwei der Angeklagten vom Sehen. Dabei zeigte er auf die mutmaßlichen Terrorhelfer André E. und Ralf Wohlleben. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe kenne er dagegen nicht.

Das Gericht will durch die Vernehmung des Zeugen herausbekommen, woher die NSU-Mitglieder ihre Waffen hatten. Der Zeuge hatte in einem Polizeiverhör nahegelegt, dass gewöhnliche Kriminelle den Extremisten Waffen geliefert haben könnten. Die Anführer der kriminellen Vereinigung hätten demnach Kontakt zu den später tot aufgefundenen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gehabt. Die in Jena kursierenden Waffen stammen laut dem Zeugen von abziehenden russischen Soldaten, aus Jugoslawien und aus der Schweiz.

Nur Herkunft der Mordwaffe ist bekannt

Bislang gilt den Ermittlern nur die Herkunft einer einzigen NSU-Waffe als aufgeklärt. Es handelt sich um die Mordwaffe vom Typ "Ceska". Mit der Waffe sollen Mundlos und Böhnhardt neun ihrer zehn Morde verübt haben. Der Herkunft aller anderen Waffen ist bis heute ungeklärt.

Beate Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios und muss sich für die Verbrechen der Gruppe verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft dem "Nationalsozialistischen Untergrund" eine Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen vor. Das Motiv für die meisten Taten soll Fremdenhass gewesen sein.

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