Nach Streit im Gerichtssaal NSU-Prozess für eine Woche unterbrochen

Der NSU-Prozess am Oberlandesgericht München wird abermals unterbrochen. Wie das Gericht am Freitag mitteilte, wurden alle Termine für die kommende Woche abgesetzt. Wie es danach weitergeht, soll Ende kommender Woche feststehen.

Zwei Befangenheitsanträge gegen Richter

Hintergrund der Unterbrechung sind zwei Befangenheitsanträge des Angeklagten Ralf Wohlleben gegen den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl und die Beisitzerin Michaela Odersky. Begründet sind sie mit der angeblich schroffen Verhandlungsführung. Götzl habe sowohl am Donnerstag als auch am Mittwoch seine Verteidiger und die der Hauptangeklagten Beate Zschäpe mehrfach in scharfem Tonfall abgekanzelt, ließ Wohlleben am Donnerstag über seine Anwältin mitteilen. Damit zeige er, dass er nicht mehr unvoreingenommen sei und den Angeklagten ihr rechtliches Gehör versage. Außerdem habe er das Gefühl, seine Verteidigung werde gering geschätzt.

Götzl hatte am Donnerstagvormittag in dem Prozess vor dem Oberlandesgericht München Wohllebens Verteidiger Wolfram Nahrath mehrfach unterbrochen und am Reden gehindert. Bereits am Mittwoch war Götzl mit Zschäpes Verteidiger Wolfgang Stahl aneinandergeraten.

Zschäpe-Anträge auf Entlassung von Anwälten offen

Offen ist außerdem noch ein Antrag der Hauptangeklagten Beate Zschäpe auf Entlassung ihrer Alt-Anwälte Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl. Das Verhältnis zwischen ihnen gilt als zerrüttet. Die 40-Jährige hat mit Mathias Grasel und Hermann Borchert inzwischen zwei weitere Verteidiger an ihrer Seite.

Vorwürfe gegen Zschäpe und Wohlleben

Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios. Sie muss sich als mutmaßliche Mittäterin für die Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten, die dem "Nationalsozialistischen Untergrund" angelastet werden.

Wohlleben wird die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Laut Bundesanwaltschaft soll der 40-Jährige eine "steuernde Zentralfigur" hinter dem NSU gewesen sein. Außerdem wirft sie ihm vor, die Mordwaffe vom Typ "Ceska" organisiert zu haben, mit der neun der zehn Morde begangene worden sein sollen. Wohlleben hat alle Vorwürfe in seiner Aussage zurückgewiesen.

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