NSU-Prozess Zschäpe-Verteidigung streitet im Gerichtssaal

Ein handfester Streit in der Zschäpe-Verteidigung hat am Mittwoch den 232. Verhandlungstag im Münchner NSU-Prozess bestimmt. Ausgangspunkt war die Affäre um eine erfundene Nebenklägerin. Die drei "Alt"-Anwälte Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm hatten das Gericht zu einer Erklärung aufgefordert, wie es dazu kommen konnte, dass das erfundene Kölner NSU-Anschlagsopfer "Meral Keskin" zur Nebenklage zugelassen wurde. Heer sagte, die Bundesanwaltschaft habe bereits im März 2013, zwei Monate vor Prozessbeginn, angeregt, "die Nebenklageberechtigung von Frau Keskin" zu überprüfen, denn es "hätten sich keine Hinweise darauf ergeben", dass eine "Frau Keskin Verletzte" des Kölner Anschlags gewesen sei. Dem sei das Gericht aber nicht nachgekommen.

Neu-Anwalt Grasel und Zschäpe nicht informiert

Zschäpes erst im Juli neu berufener vierter Anwalt Mathias Grasel beschwerte sich daraufhin, weder er noch Zschäpe seien von dem Vorstoß informiert worden. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Manfred Götzl entgegnete Heer, das sei nicht möglich gewesen. Es habe nie eine interne Beratung unter den Verteidigern gegeben, "und das lag nicht an uns". Das wiederum bestritt Grasel. Er und die drei anderen Pflichtverteidiger hätten sich einmal zu einem zweistündigen Gespräch in seiner Kanzlei getroffen. Heers Aussage, es gebe derzeit "keine Bedingungen für eine optimale Verteidigung", widersprach Grasel nicht.

Gericht vermimmt Ex-Mitglied der Jenaer Neonazi-Szene

Im eigentlichen Prozessgeschehen setzte das Gericht die Vernehmung eines Mitgründers der "Kameradschaft Jena" fort. Der Zeuge, der in den 1990er-Jahren Sänger einer Neonaziband gewesen war, berichtete, der Laden, der von zwei mutmaßlichen Beschaffern der Mordwaffe betrieben worden sei, sei damals zentraler Anlaufpunkt der Jenaer Szene gewesen. Nicht bestätigen wollte er die Rolle des wegen Beihilfe zum Mord mitangeklagten Ralf Wohlleben. "Ich habe den da nie gesehen", sagte der Zeuge. Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft war Wohlleben jedoch "steuernde Zentralfigur" und soll die Beschaffung der Pistole in Auftrag gegeben haben.

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