Brief an Mutterkonzern Ramelow besorgt über weitere Entwicklung bei Opel

Die Bundesländer Thüringen, Rheinland-Pfalz und Hessen haben angesichts einer möglichen Ausgliederung zweier Opel-Werke sowie des dreimonatigen Produktionsstopps in Eisenach eine Zukunftsperspektive für die Standorte in Deutschland gefordert. Alle drei forderten in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief eine "vertrauensvolle Kommunikation" von Stellantis.

Ein Banner zum Thema Arbeitsplätze bei Opel
Für den 29. Oktober hat die IG Metall Protestaktionen angekündigt. Am Mittwoch waren weitere Hinweise auf eine bevorstehende Re-Organisation der Opel GmbH bekannt geworden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die drohende Zerschlagung des Autobauers Opel hat bei den Landesregierungen von Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz Sorgen um die Arbeitsplätze ausgelöst. In einem gemeinsamen Brief an den Chef des Opel-Mutterkonzerns Stellantis, Carlos Tavares, verlangten die Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke), Volker Bouffier (CDU) und Malu Dreyer (SPD) am Donnerstag nähere Informationen und eine "Rückkehr zur vertrauensvollen Kommunikation" über die aktuelle Situation des Unternehmens und seiner Standorte. "Mit dem gemeinsamen Brief artikulieren wir die Sorgen vieler Menschen an den Opel-Standorten in Deutschland um die Zukunft des Traditionsunternehmens Opel-Deutschland", sagte Ramelow.

Stellantis spricht von Ausgliederung

In der vergangenen Woche waren Stellantis-Pläne bekannt geworden, die beiden Produktionswerke Rüsselsheim und Eisenach aus der deutschen Einheit Opel Automobile GmbH herauszulösen. Zudem soll wegen des Halbleitermangels das Werk Eisenach für drei Monate geschlossen werden, während in anderen Stellantis-Werken die Produktion aufrechterhalten wird. "Das Opel-Werk in Eisenach gehört zu den industriellen Ankerpunkten in einem überwiegend von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägten Wirtschaftsstandort", betonte Ramelow. Der Freistaat habe die Entwicklung des Standorts in der Vergangenheit stets unterstützt.

Aktuelle Stunde zu Opel im Thüringer Landtag

Kommende Woche soll die Zukunft des Werks auch Thema im Landtag werden. Die Regierungsfraktionen sowie die FDP-Gruppe kündigten jeweils eine Aktuelle Stunde an. "Eine Flucht aus der Mitbestimmung von Stellantis oder gar die Zerschlagung von Opel werden wir nicht hinnehmen", sagte Andreas Schubert, wirtschaftspolitischer Sprecher der Linksfraktion in Thüringen. Auch Vertreter von Grünen, SPD und FDP zeigten sich besorgt.

Mit dem gemeinsamen Brief artikulieren wir die Sorgen vieler Menschen an den Opel-Standorten in Deutschland um die Zukunft des Traditionsunternehmens Opel-Deutschland.

Bodo Ramelow Thüringer Ministerpräsident

In ihrem Brief an Tavares beklagten Ramelow, Bouffier und Dreyer, es habe keine begleitende Kommunikation mit den Ländern zu den Sachverhalten gegeben. "Von den zuletzt öffentlich kommunizierten Entscheidungen wurden wir als Vertreter der Bundesländer mit Opel-Standorten wenige Minuten vor der Veröffentlichung informiert und insofern überrascht", sagte Ramelow. Die Entscheidungen hätten in der Öffentlichkeit zu Verunsicherung geführt.

Die frühere General-Motors-Tochter Opel war 2017 von der Peugeot-Mutter PSA übernommen worden. Diese wiederum ist in diesem Jahr mit Fiat-Chrysler zum Stellantis-Konzern mit Sitz in Amsterdam fusioniert. Das Unternehmen ist der viertgrößte Autohersteller der Welt und wird vom früheren PSA-Chef Carlos Tavares geführt. Bei dem harten Sanierungskurs für die einzige deutsche Marke Opel hat die IG Metall einen Kündigungsschutz bis Juli 2025 für die verbliebenen Beschäftigten vereinbart.

Auch IG Metall kündigt Proteste an

Für den 29. Oktober hat die IG Metall Protestaktionen angekündigt. Die drohende Zerschlagung diene einzig und allein dem Ziel, die erfolgreiche Mitbestimmung in Deutschland zu schwächen, hatte Opel-Betriebsratschef Uwe Baum am vergangenen Freitag erklärt. Am Mittwoch waren weitere Hinweise auf eine bevorstehende Re-Organisation der Opel GmbH bekannt geworden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. Oktober 2021 | 18:00 Uhr

36 Kommentare

Tschingis1 vor 5 Stunden

@Niemann
"Sie können natürlich denken was sie wollen und meinen was sie wollen, ..."

Ja, das tue ich und brauche zum Glück ihre Erlaubnis nicht dazu.
Und das auch sie ihre Meinung frisch und frei schreiben dürfen, beweist das Veröffentlichen ihres Kommentars, obwohl sie das Gegenteil behaupteten.

Tschingis1 vor 5 Stunden

@Hansi63
"#Niemann, sehr sehr präzise und sachlicher Kommentar von Ihnen !"

Wenn dieses für Sie sachlich ist, wie sieht dann das Gegenteil davon aus?
Mir graust es.

Niemann vor 7 Stunden

Da ist wohl was wieder alternativlos? So geht Ökologie nach hinten los. Wer hätte das gedacht, wo Deutschland doch der absolute Vorreiter ist. Doch wohin ist wohl doch nicht ganz klar bei diesem Abweichlertum. Da soll doch der Blitz reinhauen.

Mehr aus Thüringen

Frau mit Dutt in Erfurter fußgängerzone 1 min
Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Jenny Scherf ist eine Pfarrerin ohne Kirche. Ihre Gemeinde sind die Menschen, die sie in den sozialen Medien trifft.

16.10.2021 | 14:45 Uhr

MDR THÜRINGEN Sa 16.10.2021 14:30Uhr 01:15 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/video-jenny-scher-online-pfarrerin100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video