Seniorin zieht einen 20 Euro Schein aus ihrem Portemonnaie
Der geplante Hilfsfonds für Härtefälle bei Ostrentnern hat eine weitere Hürde genommen. Das Thüringer Kabinett beschloss, einer entsprechenden Stiftung des Bundes beizutreten. Bildrechte: imago images/imagebroker

DDR-Renten 35 Millionen Euro aus Thüringen für Härtefallfonds

08. März 2023, 19:08 Uhr

Ein Härtefallfonds des Bundes soll Menschen helfen, die bei der Umstellung des DDR-Rentensystems Nachteile erlitten. Thüringen beteiligt sich jetzt finanziell - aber erst 2024 kommt das Geld.

Thüringen stellt aus der Landeskasse einen zweistelligen Millionenbetrag für den Härtefallfonds für bestimmte Rentner mit Ansprüchen aus DDR-Zeiten in Aussicht. Vorgesehen sei ein Betrag von 35 Millionen Euro, teilte Sozialministerin Heike Werner (Linke) am Dienstag in Erfurt nach der Kabinettssitzung mit.

Die Landesregierung hatte mit der Entscheidung gezögert, weil sie den Kreis der Anspruchsberechtigten eigentlich erweitert haben wollte.

Geld kommt erst 2024

Weil die Gespräche dauerten, könne das Geld nicht mehr aus dem diesjährigen Haushalt zur Verfügung gestellt werden, sondern erst 2024. Mit der Thüringer Beteiligung könnten Anspruchsberechtigte mit Renten in der Nähe der Grundsicherung neben der Einmalzahlung des Bundes von 2.500 Euro spätestens im kommenden Jahr weitere 2.500 Euro vom Land erhalten.

Noch werde mit dem Bund aber darüber gesprochen, ob möglicherweise bereits in diesem Jahr 5.000 Euro zusammen ausgezahlt werden können, teilte die Staatskanzlei mit. Anträge können laut Bund bis 30. September 2023 gestellt werden.

Ministerin Werner "nicht glücklich" über die Regelung

Werner bedauerte, dass der Kreis der Anspruchsberechtigten nicht erweitert werden konnte. Die Landtagsfraktion der Linken verlangte erneut einen "Gerechtigkeitsfonds" mit erweitertem Bezugskreis. Der Härtefallfonds schließe durch seinen Kriterienkatalog 17 Personen- und Berufsgruppen aus, erklärte die Linke-Fraktion.

SPD-Landeschef und Innenminister Georg Maier sprach von einem richtigen Schritt, den das Land jetzt gehe. Er hätte sich zwar gewünscht, dass mehr Rentnerinnen und Rentner berücksichtigt würden, aber jetzt könnten die Zahlung zumindest auf 5.000 Euro aufgestockt werden.

Thüringen sei nach Mecklenburg-Vorpommern das zweite Bundesland, das der Bundesstiftung zur Abmilderung von Härtefällen aus der Ost-West-Rentenüberleitung, für jüdische Kontingentflüchtlinge und Spätaussiedler beitrete, sagte Maier.

Anträge können gestellt werden

Zahlungen sollen an Härtefälle gehen, die aus der Überleitung der Ost-Renten resultieren, sowie an jüdische Flüchtlinge und Spätaussiedler, die einen erheblichen Teil ihrer Erwerbsbiografie in der ehemaligen DDR verbrachten. Voraussetzung für die Einmalzahlung ist Bedürftigkeit, also Renten in der Nähe der Grundsicherung. Anträge auf die Bundeszahlung können bereits seit einigen Wochen gestellt werden.

Der Bund plante für den Härtefallfonds 500 Millionen Euro ein. Dabei geht es um Ostdeutsche mit Rentenansprüchen aus DDR-Zeiten, die 1991 nicht ins bundesdeutsche System übernommen wurden.

Beispiele sind ehemalige Beschäftigte von Reichsbahn oder Post sowie Ansprüche von zu DDR-Zeiten geschiedenen Frauen. Zum anderen richtet sich der Fonds an Spätaussiedler und sogenannte jüdische Kontingentflüchtlinge, die Deutschland aus der früheren Sowjetunion aufnahm.

Mehr zum Härtefallfonds

MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. März 2023 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Mischka am 09.03.2023

Mögliche Zahlen hat der MDR schon in vorangegangenen Beiträgen veröffentlicht. Dabei gehen mehr als 70% nicht an Zahler von DDR-Rentnenansprüchen sondern an das zugewanderte Kontigent. Meine Frau wird nichts davon haben, obwohl sie jahrelang in die FZR eingezahlt hat. Ich werde auch nichts davon haben, da ich nach 1952 geboren wurde, also 1991 noch keine 40 Jahre alt war.
Es lohnt sich auch einmal die Links anzuschaun, da diese sehr viel offen legen.

kleinerfrontkaempfer am 09.03.2023

Typisches Verhaltensmuster verantwortlichen Stellen.
- Nach 33 Jahren werden Rentner "abgespeist"
- entsprechende Bürokratie /Steuerfälligkeit darf erwartet werden
- genaue Zahlen gibt man nicht preis, die biologische Uhr hat schon gnadenlos getickt und tickt weiter,
- "Dank" an die 1990 beteiligten Verantwortlichen die so gnadenlos schlecht den Beitritt der fünf neuen Bundesländer praktiziert haben.
Fazit: Wer sich auf den Staat verläßt, der ist verlassen.

Mischka am 08.03.2023

DANKE liebe Regierungen der BRD. Erst werden die Renteneinzahlungen vieler DDR-Bürger ersatzlos einkassiert unhd jetzt wird dieses Geld an einen Großteil von Bürgern der BRD ausgezahlt, welche nie in das DDR-Rentensystem eingezahlt haben. Ich hätte da einen besseren Vorschlag liebe Politiker. Sie nehmen das Geld und heben das Rentenniveau eines jeden DDR-Bürger, welche wenigstens 5 Jahre in der DDR Beiträge bezahlt haben, auf 100% an. Dann würden wenigstens jeder ehemaliger DDR-Bürger ein wenig seiner Beiträge zurück erhalten. Wäre einfach gerechter, dann würde keiner der Einzahler am Existensminimum leben müssen.

Mehr aus Thüringen

Ausgehobene Schützengräben auf einem Feld 1 min
Bildrechte: MDR/Melanie Lal
1 min 25.04.2024 | 18:17 Uhr

Anwohner und Spaziergänger wundern sich über seltsame Bauten zwischen Feld und Wald. Nahe des kleinen Ortes Zaunröden in Nordthüringen hat jemand Schützengräben ausgehoben.

Do 25.04.2024 18:04Uhr 01:19 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/nord-thueringen/unstrut-hainich/schuetzengraeben-unstruttal-zaunroeden-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video