Abschluss in Corona-Zeiten Ein Thüringer Abiturient zieht Bilanz am Ende seiner Schulzeit

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Für die Thüringer Abiturientinnen und Abiturienten ist die Schule vorbei. Endgültig. Jetzt haben sie sich auf ihre Prüfungen vorbereitet und das in Corona-Zeiten. Konsultationen mit den Lehrern gab es nur online, die Jugendlichen sind außerdem unsicher, ob sie den gesamten Prüfungsstoff wirklich draufhaben. Malte Reinstein aus Altenburg geht trotzdem zuversichtlich in diese Abi-Phase, die am 26. Mai startet.

Abiturient Malte Reinstein in seinem Zuhause.
Malte Reinstein will später Medizin studieren, ein Einser-Abi ist sein Ziel. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Eigentlich wollten wir uns im Stadtparkt treffen, damit Malte Reinstein mal etwas Abstand bekommt von seinen Büchern und dem Rechner. Aber ein Gewitter machte uns einen Strich durch diese Rechnung. Sein Zimmer blieb aber privat, deshalb redeten wir im Wohnzimmer seiner Eltern in Altenburg.

Schuljahr lief anders als geplant

Gerade ist sein letzter Schultag vorbei. Und der verlief ziemlich anders als sonst. Keine Party mit seinen Klassenkameraden, niemand zog ausgelassen durch die Stadt. Wenigstens ist ihre Motto-Woche am Ende der Schulzeit nicht ausgefallen. Vier Tage kamen sie verkleidet zur Schule, das Thema dieses Jahr: "Jahrgang 2021 - Die Schule war öfter dicht als wir".

Und dieses Motto fasst die Erfahrungen des Jahrgangs ganz gut zusammen. Malte erzählt: "Wir waren ja eigentlich der erste Corona-Jahrgang. Unsere Vorgänger waren mit ihrem Stoff schon durch, als der erste Lockdown kam. Das war bei uns anders. Da fiel die Corona-Pandemie komplett in die Stoffvermittlungsphase."

Wichtiger Lebensabschnitt geht zu Ende

Anfangs war das Ganze für Malte und die anderen noch recht entspannt. Da ahnte noch niemand, wie lange diese Pandemie andauern würde. Dazu kam, dass er selber sehr gut selbstständig arbeiten kann und zu Hause wahrscheinlich sogar mehr gelernt hat, als in der Schule.

Abiturient Malte Reinstein in seinem Zuhause.
Malte Reinstein kommt gut klar mit dem Arbeiten zu Hause. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Die verschiedenen politischen Diskussionen über den Umgang mit den Abschlussklassen oder die Qualität des Abiturs haben die Schülerinnen und Schüler schon belastet. Malte Reinstein hat als Schülervertreter sehr viel davon mitbekommen: "Wir hatten ziemlich große Bedenken, dass wir eine Art Not-Abi bekommen, das unseren Leistungen nicht gerecht wird. Es gibt viele Schüler, die sich durch die Prüfung verbessern wollen, bei den meisten reihen sich die Prüfungsnoten ein in die Noten der letzten Jahre. Aber zum Glück bleibt das Abi ein Qualitätsmerkmal".

Wir hatten ziemlich große Bedenken, dass wir eine Art Not-Abi bekommen, das unseren Leistungen nicht gerecht wird.

Malte Reinstein, Schülersprecher

Und bei Malte läuft es, wenn alles gut geht, auf ein Einser-Abi hinaus. Medizin will er studieren, ist im Mathe-Leistungskurs. Das bedeutet, dass er da auch geprüft wird, dazu noch in Physik und in Wirtschaft/Recht. Dazu kommt dann noch die mündliche Prüfung in Deutsch. Sorgen macht er sich nicht, sagt Malte: "Mir fällt es relativ leicht, diszipliniert zu lernen. Man muss, glaube ich, auch ein bisschen auf sich selbst vertrauen".

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Fakt ist! Mo 26.04.2021 22:10Uhr 58:45 min

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Distanzlernen macht oft große Probleme

Hier in Altenburg waren die Inzidenz-Zahlen so, dass die Abschlussklassen fast immer in der Schule sein konnten. Zum Schluss wollte Maltes Friedrichgymnasium kein Risiko mehr eingehen und deshalb durften die Abiturienten vor den Prüfungen, die am 26. Mai begonnen haben, nicht mehr in die Schule. Das bedeutet, die gesamte Prüfungsvorbereitung, alle Konsultationen mit den Lehrern, fand nur online statt. "Das stelle ich mir schwierig vor. Denn bei manchen Lehrern hatten wir die ganze Zeit kein einziges Mal online Unterricht" erzählt Malte. "Mir fehlt da ein bisschen das Vertrauen in die digitale Methodik".

Schülerumfrage in Ostthüringen gestartet

In seiner Funktion im Vorstand der Ostthüringer Schülervertretung hatte er eine Umfrage unter 3.500 Schülern initiiert zu ihren Erfahrungen der letzten Monate. Das Ergebnis war erschreckend: "Häusliches Lernen ist etwas Anderes als Selbststudium. Darauf ist kaum jemand in der Schule vorbereitet worden. Das müsste dringend in die Lehrpläne aufgenommen werden".

Regeln teilweise nicht verständlich

Genervt sind die Jugendlichen aber auch von etwas Anderem. Acht Stunden sitzen sie zusammen in der Schule, aber abends dürfen sie sich nicht treffen. Noch nicht einmal zum Lernen. Und nicht allen fällt das so leicht wie Malte. "Aber auch, wenn man sich gegenseitig helfen will, geht das nur online." Oder die Nebenfächer: "Wir verstehen, dass wir da noch ein paar Noten brauchen, aber wir haben nicht verstanden, warum wir in diesen Fächern auch im Unterricht sitzen mussten, warum das nicht im Homeschhooling ging." Manchmal, sagt Malte, hilft aber auch eine gewisse Gleichgültigkeit.

Dass die sich nicht aufs Lernen erstreckt, sieht man auch daran, dass er trotz Pandemie und Abi auch noch bei "Jugend forscht" mitgemacht und einen Preis geholt hat.

Zeit hatte er mehr als erwartet, denn auch sein Sport ist durch die Pandemie weggefallen. Er ist mehrfacher Landesmeister im Tanzsport, viele Jahre und viel Energie hat er in den Leistungssport investiert. "Aber ich habe meinen Frieden damit gefunden. Ich konzentriere mich jetzt aufs Abi. Und ich habe ja auch eine Trainerlizenz, vielleicht kommt das Tanzen irgendwann zurück in mein Leben."

Mischung aus Melancholie und Verdrängen

Traurig wird Malte, wenn er an den eigentlichen Schulabschluss denkt: "Der letzte Schultag fällt aus, wir gehen gestaffelt in kleinen Gruppen in die Schule, um unsere Zeugnisse abholen. Das ist wirklich traurig." Normalerweise treffen sich die Abiturienten der drei Altenburger Gymnasien alle im Schlosspark und feiern zusammen. Das fällt jetzt natürlich weg. Auch die Studienfahrt nach Prag ist schon weggefallen, all diese Erinnerungen werden den Corona-Abiturienten später fehlen.

Der letzte Schultag fällt aus, wir gehen gestaffelt in kleinen Gruppen in die Schule, um unsere Zeugnisse abholen. Das ist wirklich traurig.

Malte Reinstein, Abiturient 2021

Einen Abiball planen sie trotz allem noch – die Hoffnung darauf wollen sie sich nicht nehmen lassen. Sie überlegen auch, eine Zeitkapsel einzugraben für kommenden Abiturienten-Generationen.

"Wir versuchen einfach, das Beste draus zu machen, um uns auch ein paar schöne Erinnerungen zu schaffen" sagt Malte. Aber ein kleines bisschen Melancholie schwingt mit bei diesen Worten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 26. Mai 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Wagner vor 27 Wochen

Na ja ,eigentlich sollte man feststellen und der Jugend sagen ,dass es im Leben noch öfters anders laufen wird als geplant . Und : das ist auch gut so ,da kommt der Geist in Bewegung,die Kreativität steigt und man wächst mit den Aufgaben. Das ewige Einerlei und planbar geforderte nervt eigentlich.
Im Leben ist alles viel bunter . Darauf sollte die Schule eigentlich hinführen ,tut sie aber wenig.
Manchmal zeigt die Pandemie eben auch Schwächen auf ,die sich später —Studium,Lehre,beruf - in Stärken umwandeln —man arbeitet nach ,lernt nochmal neu oder anders. Eigentlich nichts schlechtes ?

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