LGBTIQ-Community Vorab-Drohungen inklusive: Erster Christopher-Street-Day in Altenburg

Eigentlich erinnert der Christopher Street Day (CSD) an den ersten Aufstand von homo- und transsexuellen Minderheiten gegen Polizeigewalt 1969 in New York. Auch in Deutschland trauten sich Anfang der 1970er Jahre die ersten Schwulen und Lesben auf die Straße, um für Gleichstellung und Akzeptanz zu demnonstrieren. Seitdem gibt es den Christopher Street Day (CSD) auch in Deutschland. An diesem Samstag findet erstmals in Altenburg ein CSD statt. Das passt so manchem nicht.

Demonstration zum Christopher Street Day in Weimar
Der Christopher-Street-Day in Weimar 2020. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Er wird bunt, er wird laut und er soll viele Menschen in den östlichsten Zipfel Thüringens locken. In Altenburg findet am Samstag zum ersten Mal ein Christopher Street Day (CSD) statt. Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen wollen unter dem Motto "Farbe bekennen - der Regenbogen kennt kein Braun" an diesem Tag für Gleichstellung und Akzeptanz ihrer Lebensweise demonstrieren. Nach Erfurt, Gera, Jena und Weimar ist es der fünfte CSD in Thüringen. Organisiert wird er von einem Team rund um Torge Dermitzel.

Der CSD ist mehr als eine Party. Wir sehen ihn eher als Demo. Natürlich wollen wir zeigen, dass das Leben so ist wie unsere Regenbogenfahne - nämlich bunt.

Torge Dermitzel, Organisator CSD Altenburg

Bei Oberbürgermeister André Neumann (CDU) stieß die Idee mit dem CSD in Altenburg von Anfang an auf offene Ohren. Er möchte mit der Aktion ein deutliches Zeichen für Vielfalt und gegen Diskriminierung setzen.

Die Organisatoren haben ein tolles Rahmenprogramm zusammengestellt. Ich denke, das wird eine bunte Veranstaltung mit vielen Themen. Natürlich gibt es Menschen, die sagen: Wozu brauchen wir das, es befremdet mich. Aber es ist eine Gelegenheit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

André Neumann, Oberbürgermeister Stadt Altenburg

Bildergalerie: Queere Community feiert Christopher Street Day in Weimar

Teilnehmer einer Kundgebung zum Christopher Street Day auf dem Bahnhofsvorplatz in Weimar
Für ein buntes und offenes Thüringen: Teilnehmer der CSD-Demo versammeln sich vor dem Hauptbahnhof. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Teilnehmer einer Kundgebung zum Christopher Street Day auf dem Bahnhofsvorplatz in Weimar
Für ein buntes und offenes Thüringen: Teilnehmer der CSD-Demo versammeln sich vor dem Hauptbahnhof. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Teilnehmer einer Kundgebung zum Christopher Street Day auf dem Bahnhofsvorplatz in Weimar
Organisiert wurde die Veranstaltung von vier CSD-Gruppen aus Thüringen. Viele junge Leute waren dabei. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Drei junge Frauen mit Mund-Nasen-Schutz und umgehängten Regenbogenfahnen beim CSD in Weimar.
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Der Fanfarenzug Gera e.V. hat auf dem Bahnhofsvorplatz in Weimar Aufstellung genommen.
Sorgte für die Musik: Fanfarenzug aus Gera Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Zwei Teilnehmer einer Kundgebung zum Christopher Street Day in Weimar halten ein Transparent.
Gleich geht's los - unter dem Motto "Akezptanz, Respekt, Vielfalt". Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Demonstrationszug zum Christopher Street Day in Weimar
Vom Hauptbahnhof zog die bunte Demo durch die Innenstadt zum Markt und weiter. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Teilnehmer einer Demonstration zum Christopher Street Day in Weimar
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Demonstration zum Christopher Street Day in Weimar
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Teilnehmer einer Demonstration zum Christopher Street Day haben sich auf dem Marktplatz in Weimar versammelt.
Auf dem Markt Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 17. Oktober 2020 | 18:00 Uhr

CSD-Organisator erhält etliche Hasskommentare

Doch nicht bei allen stoßen die Pläne auf Gegenliebe oder Interesse. Torge Dermitzel wurde in den sozialen Medien mit Hasskommentaren überschüttet, kaum dass die erste Meldung veröffentlicht war.

'Wenn ich Dein Vater wäre, hätte ich Dich mit dem Rasenmäher überfahren' - das sind noch die harmloseren Kommentare, mit denen ich konfrontiert war. Ich habe allerdings keine Anzeige erstattet.

Torge Dermitzel, Organisator CSD Altenburg

Auch der Oberbürgermeister sorgt sich, dass gerade in den sozialen Medien zunehmend Grenzen überschritten werden. Nicht nur beim Thema CSD schlägt Andersdenkenden zunehmend der blanke Hass entgegen. Der OB wünscht sich, dass der erste Christopher-Street-Day in Altenburg friedlich abläuft.

Teilnehmer der Demonstration zum CSD ziehen durch die Innenstadt und halten ein Banner mit der Aufschrift 'Akzeptanz Respekt Vielfalt - Unser Buntes Thüringen'.
Teilnehmende des CSD in Weimar demonstrieren für ein "buntes Thüringen". Bildrechte: dpa

Demonstrationszug startet am Bahnhof in Altenburg

Die Polizei rechnet am Samstag nicht mit gewalttätigen Auseinandersetzungen, will aber beim CSD vor Ort sein, wenn sich am Mittag der Demonstrationszug vom Bahnhof in Richtung Innenstadt in Bewegung setzt. Dort soll am Nachmittag ein buntes Programm stattfinden - mit Poetry Slam, Livemusik und verschiedenen Podiumsdiskussionen. Das Theater Altenburg will ab 13:00 Uhr Stücke aus seinem aktuellen Musical "Hedwig and the Angry Inch" zeigen.

Ich freue mich auf den CSD in Altenburg. Ich denke, Gleichberechtigung ist ein Thema, auf das man nie genug hinweisen kann. Wir dürfen nicht vergessen, dass in über 70 Ländern Menschen immer noch wegen ihrer Lebensweise verfolgt und diskriminiert werden.

André Neumann, Oberbürgermeister Stadt Altenburg

Schon am Freitag wollen Stadt und CSD-Organisatoren um 14:30 Uhr die Regenbogenflagge am Rathaus hissen. Organisator Torge Dermitzel hofft, dass am Samstag viele den Weg nach Altenburg finden werden. Der erste CSD in der Skatstadt soll nicht nur Demonstration, sondern ein Fest für alle werden - egal mit welcher sexuellen Orientierung.

CSD-Programm in Altenburg

  • 11:30 Uhr Beginn der Parade am Bahnhof Altenburg
  • 13:00 Uhr Start des CSD auf dem Marktplatz
  • 13:15 Uhr Theater Altenburg Musical "Hedwig and the Angry Inch"
  • 14:30 Uhr Poetry Slam
  • 14:30 Uhr Podiumsdiskussionen auf dem Topfmarkt zu "Queeres Leben auf dem Land", "HIV/ AIDS" und "OpenMic"
  • 16:30 Uhr Livemusik mit der Band "Eule Müller"

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 10. Juli 2021 | 19:00 Uhr

109 Kommentare

martin vor 9 Wochen

@ule: Sie werden mir immer symphatischer. Ihr letzter Satz führt zum zweite Lacher über einen Beitrag von Ihnen am heutigen Tag. Schreiben Sie viele Büttenreden?

ule vor 9 Wochen

@Fakt

Na dann können Sie die Frau Preuss (Thüringer Landtag, die LINKE) beruhigen. Somit kann die Dame ihre eingeforderte "ImKampfgegenRechts" - Meldestelle zu den Akten legen.

Und bei der Antonio-Stiftung können die Datensammel- und Meldeaktivisten andere, sinnerfüllte Aufgaben übernehmen.
Und dann noch die vielen, in Vereinen organisierten und mit Steuergeldern finanzierten "ImKampfgegenRechts" Melde- und Beratungsstellenaktivisten, Internetschnüffler und Datensammler. Der Platz reicht hier nicht aus, um alle beim Namen zu nennen. . . . Es ist fast schon wie ein "Schnüffelvirus" . . . aber in Deutschland wird niemand überwacht . . . .?

PS:
Selbst die Kanzlerin Frau Merkel wurde schon überwacht

DER Beobachter vor 9 Wochen

Ja, Fakt, ich erinnere mich, dass ein Anlass für die Verschärfung der Pressezensur war, dass liberalere Medienmacher von mehreren hundert EU-Millionen berichteten, die statt in die dafür vorgesehene Förderung des ländlichen Raums in Prestigeobjekte in Budapest und in diverse schwarze Kanäle der Fidezkader flossen...

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