Projekt "Industrie-Flughafen" Luft nach oben - neue Chancen für das alte Flugfeld in Nobitz

Udo Scheunig hat Dienst auf dem Tower. Gerade hat er die Anfrage eines Hubschrauber-Piloten beantwortet: Ja, ein Anflug sei möglich, obwohl auf dem Flugplatzgelände in Nobitz gerade gebaut wird. Denn der Airport will als "Industrie-Flughafen" neu durchstarten.

Flughafen in Altenburg, 2006
Der Flugplatz Nobitz im Aufwind. Bildrechte: dpa

Als Exerzierplatz war das Gelände im Leinawald südöstlich von Altenburg schon zu Kaisers Zeiten bekannt. 1913 wurde dort eine Fliegerstation eröffnet. Statt einer befestigten Start- und Landebahn gab es damals nur eine große Grasfläche. Befestigte Pisten, Flugzeughallen, Werkstätten und Militärunterkünfte wurden bei Nobitz erst nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gebaut.

Noch vor der offiziellen Kapitulation Nazi-Deutschlands besetzen amerikanische Truppen im April 1945 den Flugplatz, dann übernahmen nach Kriegsende die Sowjets das Kommando. Sie ließen den Platz mehrfach ausbauen und erweitern. 1969 wurde die Start- und Landebahn auf 2.500 nutzbare Meter verlängert.

Ironie des Schicksals: Aufwind als Zivil-Flughafen sorgte für Finanznot

"Der Beton wird nicht besser, nach gut 50 Jahren". Frank Hartmann sagt es und zeigt auf Löcher am Rande der Piste. Der Flugplatzchef ist froh, endlich ein besonders ramponiertes Stück der Start- und Landebahn erneuern zu können. Daran war lange nicht zu denken. Denn der Flughafen musste jahrelang Schulden abstottern.

Angehäuft hatten sie sich ausgerechte in den Zeiten, als die zivile Nutzung sogar international für gute Schlagzeilen sorgte: Nach ersten Versuchen mit Urlaubs-Charter-Flügen gelang es, einen irischen Billig-Flug-Anbieter für den Flugplatz zu begeistern.

Linienflüge nach London, später auch ins spanische Girona und ins schottische Edinburgh - dafür floss viel Steuergeld in neue Terminals, in Abfertigungsanlagen und Sicherheitstechnik. Bis 2011 Ryanair sein Engagement in Ostthüringen beendete. Ein Traum zerplatzte.

Flugplatz Nobitz Umbau
Erneuert wird ein 500 Meter langes Stück der Piste. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Viel schlimmer aber war, was die Inventur danach offenbarte: "Wir hatten weit über eine Million Euro Verbindlichkeiten, als ich angefangen habe. Größtenteils Bankverbindlichkeiten", erinnert sich Frank Hartmann. Der Rechtsanwalt aus Leipzig stieg vor sechs Jahren ein als neuer Geschäftsführer der FAN, der Flugplatz Altenburg Nobitz GmbH.

Der Versuch, neu durchzustarten

Das Wort "Industrie-Flughafen" steht für den Versuch, den alten Flugplatz neu zu erfinden. Sparen war angesagt. Von zeitweise 80 Beschäftigten vor zehn Jahren sind heute nur noch ein Dutzend übrig. Denn: Ein Schuldenabbau geht nur, wenn nicht weiter öffentliches Geld in wenig gewinnträchtige Projekte fließe. Da waren sich Hartmann und die Flugplatzgesellschafter von Anfang an einig.

Und deshalb unterstützen die Zuschussgeber - der Landkreis, die Stadt Altenburg und die Gemeinde Nobitz - den Weg, den Flugplatz ganz anders zu vermarkten. 2020 ist es erstmals so, dass alle Räume in den Terminals vermietet sind. Schon zuvor waren Mieteinnahmen auf den Außenflächen organisiert worden.

Flugplatz Nobitz Umbau
Die alten Betonplatten müssen von der Start- und Landebahn runter. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Stück um Stück mutiert das Flugplatz-Areal zu einer Art Gewerbegebiet – aber es wird auch noch geflogen. Darauf hatte der Landrat des Altenburger Landes gedrungen. Ganz konkret, als die Idee gepuscht wurde, am Flugplatz ein Drohnen-Flug-Zentrum zu etablieren, machte Landrat Uwe Melzer im MDR THÜRINEN JOURNAL klar: Alles sei gut, solange Nobitz das bleibe, was es seit über 100 Jahren immer war - ein Flugplatz.

Schuldenabbau mit Geschäftsflug-Kunden und ein bisschen Glück

Das Drohnen-Projekt hat sich für Veranstaltungen am Platz eingemietet. Eine Solaranlage bringt Flächenmieten ein. Regelmäßig finden im Gelände Tests für autonomes Fahren statt. Und 2020 hat Volkswagen erneut Stellflächen angemietet, um Fahrzeuge vor dem Verkauf zwischenzuparken.

Hinzu kommt, dass nach einem Gerichtsurteil Ryanair einen Teil von früher gezahlten Zuschüsse zurückzahlen musste. "Das sind besondere Glücksumstände, die uns durch dieses schwierige Jahr besonders gut haben durchkommen lassen", sagt Geschäftsführer Hartmann bei einem kleinen MDR-Interview auf dem Tower.

Flugplatz Nobitz Tower
Udo Scheunig hat im Tower alles im Blick Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Und es gebe wieder bis zu 10.000 Starts und Landungen im Jahr. Dafür sorgen viele kleinere Maschinen: Flugschule, Rundflüge, Foto- und Filmflüge, Polizeihubschrauber, Rettungsflüge und Organtransporte, Flüge der Fallschirmspringer und anderer Luftsportler. Und es gibt mittlerweile über 60 Unternehmen in Westsachsen und Ostthüringen als Geschäftsflieger Kunden auf dem Flugplatz. Sie kommen aus der Auto- über die Textil- bis zur Papier-Branche.

Kurze Wege, keine zeitraubenden Abfertigungsprozeduren, nach der Landung direkt an der Maschine mit dem Auto abgeholt zu werden das schätzen Unternehmer.

Udo Scheunig, Diensthabender auf dem Tower

Noch einmal schauen Scheunig und Hartmann vom Tower aus rüber zum Baubereich. 500-Meter Start- und Landebahn erneuern - endlich ist es möglich geworden. "Wir können das nur leisten, weil wir in diesem Jahr die entsprechenden Einnahmen hatten, um den Eigenanteil zu finanzieren. Ja, das kostet schon eine Stange Geld - ungefähr eine Dreiviertel Million", rechnet Frank Hartmann vor. Trotzdem aber werde der Flugplatz zum Jahresende erstmals wieder schuldenfrei sein. Sagt der Geschäftsführer.

Flugplatz Nobitz Umbau
Noch ist der Flugplatz Baustelle. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 14. November 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Harka2 vor 30 Wochen

Die gibt es natürlich nicht mehr. Größere und schwere Flugzeuge sind für den Flugplatz aber auch nicht mehr zu erwarten. Der Frachtflugverkehr konzentriert sich im nahen Leipzig und Flugzeuge sind grundsätzlich leichtbauten. Jeder Radpanzer von Audi, Mercedes oder BMW (dort als Sehr Unnütze Vehikel klassifiziert) hat da einen höheren Bodendruck.

Lothar Thomas vor 31 Wochen

Da kann man den Nobtzern nur viel Glück wünschen und dass auch alles gelingt, was die sich vorgenommen haben.

Zur Sanierung der Startbahn mit Bitumen, habe ich auf Dauer so meine Bedenken.

Im Sommer, wenn es richtig heiß ist, wird Bitumen weich und wenn dann noch größere Maschinen mit höherem Gewicht dort landen und extrem abbremsen, gibt es bestimmt bald die ersten Spurrinnen.

Ich hatte mal zu DDR-ZEITEN eine Firma aus Südthüringen kennen gelernt, die hatten bei uns im Konservenlager den Fußboden saniert mit einem speziellen Kunstharz, da konnte sogar die Deckentraglast erhöht werden.

EBOWIT hieß das Zeug.

Es war eigentlich richtig Abriebsicher, dem konnten noch nicht einmal die Eisenräder der damaligen Hubwagen etwas anhaben.

Die Leute sagten, sie hätten auch schon Startbahnen damit gemacht.

Wenn es diese Firma noch gibt und man ihnen die Startbahn als "REFERENZOBJEKT" anbieten könnte, wäre bestimmt auch ein satter Rabatt heraus zu handeln möglich.

Wenn es Die noch gibt?

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