Kommunen Stadtentwicklung auf dem Land: Schmölln als Forschungsobjekt

Porträt Regionalkorrespondentin Tanja Gorges
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Die Stadt Schmölln und ihr Verbundpartner Gößnitz sind seit Oktober Forschungsobjekte. Die Uni Kassel forscht hier bis 2024 zu den Fragen, wie zukünftig die Energie- und Wasserversorgung oder der Nahverkehr organisiert werden können, aber auch wie Kleinstädte attraktiv bleiben.

Marktplatz Schmölln
Die Stadt Schmölln hofft, dass sich engagierte Bürger finden, die ihre Wünsche und Bedürfnisse für das Leben in Schmölln mit einbringen. Bildrechte: dpa

Es klingt nach sperrigem Verwaltungsdeutsch. Doch eigentlich will das neue Forschungsprojekt "Integration von Fragen der Daseinsvorsorge und Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung" Praxis mit Wissenschaft und Vision verbinden, erklärt die Projektleiterin der Stadt Schmölln, Susan Biereigel. Gemeinsam mit den Bürgern und wichtigen Akteuren in der Stadt soll ausgelotet werden, was alles möglich ist für die zukünftige Entwicklung. Dafür gibt es fünf Arbeitsgruppen, die sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten befassen - darunter die Themen Wirtschaft, Nahverkehr, Bildung, Gesundheit und Stadtidentität.

Arbeitsgruppen widmen sich unterschiedlichen Schwerpunkten

Eine Frage der Wissenschaftler von der Uni Kassel lautet: Wie hat sich die Stadt nach der Gebietsreform von 2018 verändert? Die Fläche der Stadt Schmölln ist fast wieder auf die Größe des gleichnamigen, 1994 aufgelösten Altlandkreises gewachsen, als Drogen, Altkirchen, Wildenbörten, Nöbdenitz und Lumpzig als neue Ortsteile dazukamen. Hier könnte das neue Forschungsprojekt ansetzen. Die Frage, die sich dabei für Stadt und Forschende stellt, ist die nach der Identität der Ortsteile. Hat sich bereits ein Gemeinschaftsgefühl herausgebildet? Fühlen sich die neuen Ortsteile der Stadt Schmölln schon zugehörig - und wenn ja, wie spiegelt sich das wider?

Bestandsanalyse bis Frühjahr 2022

Das gilt es in den kommenden drei Jahren herauszufinden. Bis zum Frühjahr soll zunächst der Ist-Stand aufgenommen werden. Das passiert an mehreren Terminen innerhalb der fünf Arbeitsgruppen. Mit dabei sind Schulleiter, Vertreter mittelständischer Unternehmen in Schmölln und Beschäftigte aus bestimmen Fachbereichen des Altenburger Landratsamts. Die Stadt hofft allerdings auch darauf, dass sich engagierte Bürger finden, die ihre Wünsche und Bedürfnisse für das Leben in Schmölln mit einbringen. Die Menschen werden gebraucht, macht Susan Biereigel deutlich. Denn es gehe innerhalb der fünf "Arbeitspakte" um ganz praktische Fragen, die das Leben in Schmölln nachhaltig betreffen.

Wohnen und Arbeiten in Schmölln

Konkret macht Biereigel es an der Frage nach Wohnraum deutlich. Nach der Wende entstanden viele Wohnungen mit nur einem Kinderzimmer. Dieser Trend habe sich jedoch gewandelt. Die Frage, die für Schmölln also bleibt, lautet: Reicht der verfügbare Wohnraum? Wird dieser den Bedürfnissen der Familien gerecht oder gibt es viel Leerstand? Dazu wurde bereits eine Kurzanalyse beauftragt, die erste Anhaltspunkte liefern soll, wie die Stadt ihr wohnungswirtschaftliches Angebot zukünftig gestalten müsste.

Das gilt auch beim Thema Nahverkehr: Schmölln möchte "Stadt der kurzen Wege" sein - oder es werden. Aber reicht das aktuelle Angebot dafür aus? Die Bürger könnten sich beispielsweise bei der Frage einbringen, ob sie E-Scooter oder Carsharing in der Stadt haben wollen. Zudem hat sich seit Corona die Arbeitswelt geändert. Der ländliche Raum möchte als Arbeitsplatz attraktiv bleiben. Aber was ist dazu nötig? Ob Konzepte wie Co-Working hier genauso wie in der Stadt funktionieren und welche Voraussetzungen es dafür braucht, kann ein weiterer Aspekt der Forschung werden.

Schmölln als Blaupause?

Das alles sind noch Überlegungen, denn das Projekt steht ganz am Anfang. Der ländliche Raum ist noch nicht ausreichend erforscht, finden die Initiatoren. Die Ergebnisse, die hier in Schmölln herauskommen, könnten dann vielleicht auch auf vergleichbare ländliche Regionen in Thüringen angewendet werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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