Mobilität Von Diesel auf Elektro: Wie Framo in Löbichau Lkw umbaut

Der erste Framo 1927 war ein Lastendreirad. Jetzt verwandelt das Unternehmen aus Ostthüringen Diesel-Lastwagen in Elektro-Lkw. Auch Wasserstoff-Trucks sind bald geplant.

Ein Elektro-Lkw fährt auf einer Straße.
Die Elektro-Motoren haben eine Leistung von 400 KW und können rund 150 Kilometer weit fahren. Bildrechte: MDR THÜRINGEN JOURNAL

Vor dem Hallentor der Framo im Gewerbegebiet Löbichau bei Ronneburg ist es ziemlich laut. Der Fahrzeuglärm kommt von der A4 gleich nebenan. Ein Lkw am anderen rollt Richtung Dresden. Noch ist kaum einer mit Elektroantrieb unterwegs. Bei Framo wird seit 2014 an der Idee gearbeitet, Dieselmotoren durch Elektromotoren zu ersetzen - vom Kleinlaster bis zum 40-Tonner. Einige Jahre später ist es soweit.

Dieselleitungen raus - Elektrokabel rein

So kommt ein Diesel-Lkw in die Framo-Hallen nach Löbichau und verlässt diese nach knapp 800 Arbeitsstunden als Elektro-Lkw. Motor, Dieseltanks und Leitungen werden demontiert. Dann werden die bereits vormontierten Komponenten eingebaut wie Antriebsmotor und Hochvolt-Batterien - dazu unendliche Meter Kabel, erklärt KFZ-Meister Tom Piorkowski. Vieles haben er und seine Kollegen selbst entwickelt, getestet und hergestellt.

Plasteteile kommen aus dem 3D-Drucker. Die Batterien werden vor Ort per Hand zusammengebaut. "Wir sind ein Innovationsunternehmen", sagt Marketingchef Serhat Yilmaz. Von außen sieht man die Unterschiede kaum. Die Front des Lkw ist aerodynamischer und trägt jetzt den Namen Framo. Statt der Dieseltanks sind seitlich die Batterien angebracht. Die Innovationen entstehen in enger Zusammenarbeit mit der Firma FES GmbH Fahrzeug-Entwicklung Sachsen, wenige Kilometer von Löbichau entfernt.

In der Garage: Ein umgangssprachlich als "Framo" bezeichneter Kleintransporter. 45 min
In der Garage: Ein umgangssprachlich als "Framo" bezeichneter Kleintransporter. Bildrechte: MDR/Daniela Posern

Elektro-Lkw ergeben in vielen Bereichen Sinn

Die Elektro-Lkw fahren als Müllauto in Wien oder als Transporter in den Niederlanden. Flott sind sie unterwegs, auch wenn die Leistung bei 80 Stundenkilometer abgeriegelt ist. Die Elektro-Motoren haben eine Leistung von 400 KW, was rund 544 PS entspricht. Rund 150 Kilometer kommt ein voll beladener 40-Tonner mit einer Stromladung.

"Das ist natürlich nichts für den Autobahnverkehr. Aber die Müllautos in Wien werden zum Beispiel in der Mittagspause und über Nacht geladen. Ein Tiefkühltransporter fährt nur zwischen zwei Großlagern hin und her und kann während des Ausladens geladen werden", erklärt Serhat Yilmaz. Er rechnet mit einem E-Fahrzeug-Boom.

Bis 2030 soll ein Drittel der Diesel-Lkw ohne Verbrenner unterwegs sein - so das Klimaziel der Bundesregierung. Die Framo bleibt dran. Sie entwickelt jetzt gemeinsam mit der FES GmbH Lkw-Technik, die mit Wasserstoff fährt. Anfang nächsten Jahres schon soll der Prototyp eines Wasserstoff-Trucks präsentiert werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Mai 2021 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

Harka2 vor 19 Wochen

Lithium ist ohnehin ein viel zu seltenes Element, um damit den Bedarf längerfristig decken zu können. Die gesamten Weltvorräte wurden gerade mal reichen um Deutschland elektrisch fahren zu lassen. Lithium ist ein sehr reaktionsfreudiges Metall. Es verbindet sich an der Luft sofort mit Stickstoff zu Lithiumnitrit oder verbrennt mit Sauerstoff zu Lithiumoxyd. Daraus wieder Lithium zu gewinnen ist sehr energieintensiv und gelingt derzeit nur zu ca. 50%. Als Brückentechnologie mag das ganz nett sein, als Lösung für Fahrzeuge ganz gewiss nicht. Und ehrlich, 200 km Reichweite bei Bestbedingung im Sommer bedeutet, 100 km Reichweite im Winter, denn da sinkt wegen der Temperatur die Speicherkapazität der Batterien und es wird zusätzlich noch Strom für Licht und Heizung verbraucht. Ein Kühllaster, der im Hamburger Hafen beladen wird, kommt dann weder ins Ruhrgebiet noch nach Berlin, der kommt selbst im Sommer nicht bis nach Leipzig, Frankfurt, Stuttgart oder München.

Harka2 vor 19 Wochen

Lithiumbrände sind nicht löschbar, da Lithium bereits bei Raumtemperatur oxydiert (verbrennt). Für PKW-Brände investiert die Feuerwehr derzeit in mobile Tanks, in welche die PKW komplett eingetaucht werden. Für LKW gibt es noch keine Lösung.

hansfriederleistner vor 20 Wochen

Früher spannte man Ochsen vor die Fuhrwerke. Die brauchten nur ziehen und nicht denken. Heute haben Ochsen andere Aufgaben. Der Bayer sagt: "host mi?".

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