Zwischen Glücksgefühl und Widerspruch Streit um Altenburger Lindenau-Museumsumbau

In Altenburg gibt es Zoff um den Umbau des Lindenau-Museums. Vor allem an den Entwürfen für das zukünftige Äußere des Gebäudes scheiden sich die Geister. Das Stadtforum wünscht sich ein Kolloquium, um Erfahrungen von Fachleuten einfließen zu lassen. Bund und Land investieren knapp 50 Millionen Euro in den Umbau.

"Ein Entwurf ist ein Entwurf", sagt Roland Krischke. Der Direktor der Altenburger Museen spricht gern darüber, wie das weithin bekannte Lindenau-Museum modernisiert werden soll. Aber er ahnte es auch von Anfang an: "Da gibt es Veränderungen. Und Veränderungen rufen meist auch Widerspruch hervor."

Millionen-Projekt löst Diskussionen aus

Die Zusage, dass Bund und Land fast 50 Millionen Euro für den Museumsumbau geben wollen – sie löste Glücksgefühle bei vielen Altenburgern aus. Auch im Stadtforum, einem Zusammenschluss von engagierten Bürgern, die sich ehrenamtlich für Denkmalschutz und Stadtentwicklung engagieren.

Genau aus diesem Stadtforum aber gibt es jetzt Widerspruch zu den Entwürfen für die künftige Außenansicht des Museums. Die werde "der Würde des Gebäudes nicht gerecht", kritisiert das Stadtforum. Sprecher Marko Heinke erklärt das im Gespräch mit MDR THÜRINGEN so: "Fassadengestaltung bezieht sich für uns vor allem auf den Umgang mit der historischen Treppenanlage. Beziehungsweise auch mit dem Sockelgeschoss."

Die Entwürfe werden der Würde des Gebäudes nicht gerecht.

Marko Heinke Sprecher Stadtforum Altenburg

Die Treppe, über die Besucher seit 110 Jahren in Museum kommen – sie ist vom Zahn der Zeit mehr als nur ein bisschen angenagt. Wer sie erhalten wollte, der müsste sie komplett abreißen und dann nachbauen. Offenbar deshalb hat die Denkmalbehörde nicht widersprochen, als diese Treppe in den Zukunftsentwürfen nicht mehr auftauchte.

Treppenaufgang des Lindenau-Museums mit "Alles neu"-Banner
Wie wird die Treppe des Lindenau-Museums künftig aussehen? Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Alte Treppe soll verschwinden

Und ja, diese Treppenanlage ist in der Tat auch nicht Teil des originären Museumsbaus von 1876. Da, wo sie heute noch vor sich hin wittert, könnte sich künftig ein Anbau befinden. Einer, der sich über die ganze Breite des Museums erstreckt. Eine Glasfront könnte Einblicke ermöglichen. In Arbeitsräume, die das Studio Bildende Kunst für seine öffentlichen Kreativangebote nutzen könnte. Einblicke ins ebenerdige Foyer, durch das erstmals ein barrierefreier Zugang zum Museum möglich wird.

Was so gut klingt, das sieht für manchen Mitstreiter im Stadtforum nicht so gut aus. Im Stadtforum-Büro liegen Ausdrucke auf dem Tisch - die wenigen Entwurfs-Bilder, die bisher öffentlich gemacht wurden.

Treppenanlage des Lindenau-Museums von 1910
An der Treppenanlage von 1910 nagt der Zahn der Zeit. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Stadtforum schlägt Kolloquium vor

Warum gibt es kein Modell für diesen Anbau, für seine Einbettung ins Gelände des Schlossberges, zu dessen Füßen das Museum steht? Sind Vorbau und Terrasse auf seinem Dach nicht überdimensioniert? Was hat es mit den V-förmigen Stützen auf sich? Warum gab es keinen Wettbewerb zur Fassadengestaltung? - Fragen, über die das Stadtforum gern ins Gespräch gekommen wäre. Schon im Oktober 2021 hätten sie vorgeschlagen, ein moderiertes Kolloquium zu veranstalten, sagt Sprecher Marko Heinke. "In einer ersten Reaktion wurde der Vorschlag begrüßt, danach aber folgten Absagen vom Bauherrn."

Der Bauherr - das ist das Landratsamt Altenburg. Dort arbeitet Bernd Wenzlau, der über die Aussagen vom Stadtforum nicht begeistert ist. Zwei Jahre lang sei der Umbau vorbereitet worden. Für die Planungsleistungen gab es gemäß der Vergabeordnung europaweit ein zweistufiges Auswahlverfahren. Seit 2019 arbeiten nun schon Bauherr, Architekt, Planer, Denkmalbehörde und Nutzer zusammen. Dabei habe man "von innen nach außen" gearbeitet.

Entwurfs-Debatte beim Stadtforum
Im Stadtforum wird der Entwurf diskutiert. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Neue Ideen für altes Haus

Also wurde zunächst die künftige Nutzung im Haus zum Maßstab gemacht. Erst daraus ergab sich, wofür ein Anbau nötig ist und wie er aussehen könnte. "Wir haben mit den Genehmigungsbehörden fast zehn Fassadengestaltungen diskutiert", sagt Bernd Wenzlau.

Ein Entwurf ist ein Entwurf. Das wird also noch diskutiert.

Roland Krischke Museumsdirektor

Das alles aber überzeugt die Kritiker im Stadtforum nicht. Sie haben eine gut nachvollziehbare Sorge. Marko Heinke bringt sie so auf den Punkt: "Wir wissen wenn das Baugenehmigungsverfahren einmal angestoßen ist und dann eben auch zum Tragen kommt, dann brauchen wir nicht mehr über Entwürfe diskutieren. Dann ist es gesetzt. Und dann muss sich der Bauherr nicht mehr darum kümmern, was wir oder auch andere uns wünschen."

Fassadenentwurf mit Anbau und Terrasse
Der Entwurf für die Museumsfassade mit Anbau und Terrasse darüber. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Entwurf noch nicht final

Museumsdirektor Roland Krischke hat dazu seine klare Position: "Ein Entwurf ist ein Entwurf. Da wird also noch diskutiert." Und Marko Heinke sagt, das Stadtforum sehe es nach wie vor als sinnvoll an, ein Kolloquium zu veranstalten, um von anderen Fachleuten auch Erfahrungen von anderen Museumsbauten einzuholen. Damit am Ende aus den 50 Millionen Fördergeld das Beste gemacht wird.

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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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