Eisenbahn Kohlebahn in Meuselwitz feiert 25. Geburtstag

Vom einstigen Braunkohlerevier im Altenburger Land ist nicht mehr viel zu sehen. Die alte Kohlebahn gibt es noch, dank eines Vereins, der die Strecke vor über 25 Jahren übernahm und sich seitdem um den Erhalt kümmert. Die Geburtstagsparty musste im letzten Jahr wegen Corona leider ausfallen. Umso mehr freuten sich die Kohlebahner auf ihr Bahnhofsfest an diesem Wochenende.

Auf dem Cabriowagen kann man es aushalten, auch wenn die Sonne brennt. Der Kohlebahn-Zug rollt durch eine Landschaft mit Wiesen und Feldern. Die Wagen sind trotz der Hitze gut besetzt, sehr zur Freude der Mitglieder des Kohlebahn-Vereins, die heute zur Geburtstagsparty geladen haben. Vor über einem viertel Jahrhundert gründeten sie den Verein, der sich um den Erhalt der Kohlebahn zwischen dem thüringischen Meuselwitz und Regis-Breitingen in Sachsen kümmert. Vereins-Chef Karsten Waldenburger kann es selbst kaum fassen, wieviel Zeit vergangen ist. "Das war eine Herkulesaufgabe", sagt er. "Wir wundern uns manchmal selber, was wir in den 26 Jahren geschaffen haben."

Kohlenbahn
Die alte Gleisbaumaschine stammt noch aus den 60er Jahren. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Verein muss teure Überprüfungen stemmen

Damals glaubten nicht viele an den Erfolg des Projektes. Kein Wunder, denn der Verein geht nicht einfach einem Hobby nach. Die Mitglieder betreiben rein rechtlich ein Schienenverkehrsunternehmen. Mit allen Konsequenzen, also auch regelmäßigen Abnahmen und Prüfungen für Strecke und Schienenfahrzeuge. Schließlich soll auch auf der kleinen Kohlebahn niemand zu Schaden kommen. Doch der Unterhalt der Eisenbahn kostet, für eine Lok-Überprüfung kommen schnell fünfstellige Beträge zusammen. Insgesamt hat der Verein seit der Jungfernfahrt vor 25 Jahren über eine halbe Million Euro eigenes Geld investiert. Dazu kommen Fördermittel, Spenden und unzählige Arbeitsstunden.

Was seit der Vereinsgründung alles geschaffen wurde, sehen die Besucher beim Bahnhofsfest. Hier stehen die Veteranen der Schiene, viele von ihnen immer noch fahrbereit. Im Ringlokschuppen sind am Wochenende befreundete Vereine zu Gast, auch von anderen ehemaligen Werksbahnen. Nicht alle konnten ihren Betrieb über die Jahre retten.

Fahrgäste sitzen im offenen Waggon.
Auf dem Cabriowagen der Kohlebahn kann man es auch bei Sommerhitze aushalten. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Meuselwitz: Ganz persönliche "Zeitreisen"

Für einige der Besucher ist die Stippvisite auf dem Bahnhof eine kleine Zeitreise ins frühere Berufsleben. Klaus Hofmann erinnert sich noch gut an seine Arbeit auf einer Gleisbaumaschine aus den 60er Jahren, die ebenfalls in Meuselwitz steht. "Das war eine schwierige, dreckige Arbeit", sagt er. "Und wenn man da dringesessen hat, hat das ganz schön gerumpelt."

Die Kohlebahn rumpelt weiter in Richtung Regis-Breitingen. Die Fahrgäste entspannen während der langsamen Fahrt durch Ostthüringen. Egon ist gerade mal sieben Jahre alt, aber schon ein großer Eisenbahn-Fan. Er ist mit seinen Eltern zum Bahnhofsfest gekommen und wollte unbedingt mit dem Zug fahren. Auch für andere Kinder ist der Besuch heute wie ein kleines Abenteuer.

Fahrgäste sitzen im Waggon.
Die Mitfahrten auf einer Lok waren sehr gefragt. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Verein sucht Eisenbahn-Nachwuchs

Vereins-Chef Karsten Waldenburger freut sich über die jungen Gäste. Der Verein braucht dringend Nachwuchs. 65 Mitstreiter sind bei den Kohlebahnern aktiv, doch inzwischen sind alle über vierzig. Vor allem bei den Modellbauern ist der Altersdurchschnitt hoch. Für die Zukunft haben sie hier noch jede Menge Pläne. Noch in diesem Sommer soll endlich eine Dampflok fertig werden, außerdem arbeiten die Mitglieder an einem historischen Salonwagen. Im nächsten Jahr soll am Endpunkt in Regis-Breitingen ein Umsteigepunkt zur S-Bahn nach Leipzig in Betrieb gehen. Dann erhoffen sich die Kohlebahner noch mehr Besucher aus dem Umland der sächsischen Großstadt.

Kohlenbahn
Auf der alten Drehscheibe werden die Loks vor den richtigen Lokschuppen transportiert. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Auf dem Betriebsgelände schauen sich viele Besucher inzwischen den Betrieb der alten Drehscheibe an. Darauf steht eine Elektrolokomotive, die früher im Braunkohlerevier im Einsatz war. Andere nutzen die Gelegenheit für eine Fahrt mit der Draisine oder im Fahrerhaus einer kleinen Lok.

Auch wenn wegen der Hitze vielleicht nicht ganz so viele Besucher nach Meuselwitz kamen: Vereins-Chef Waldenburger und seine Mitstreiter haben am Wochenende gern ihr Hobby mit den Geburtstagsgästen geteilt. Und bei den vielen Zukunftsplänen lohnt sich ein erneuter Besuch in naher Zukunft auf alle Fälle.

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MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGE JOURNAL | 19. Juni 2022 | 19:00 Uhr

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