Stadtentwicklung Mit dem Quad über Altenburgs Straßen - Vermessung mit moderner Technik

Wenn irgendwo Gehwege kaputt sind oder ein Straßenschild ausgetauscht werden muss, dann fahren in der Regel die Mitarbeiter einer Kommune erst mal vor Ort und machen sich ein Bild von der Situation. Das kostet Zeit, die für die eigentliche Arbeit fehlt. In Altenburg wird deshalb jetzt das komplette Straßennetz vermessen und dokumentiert - mit außergewöhnlichen Fahrzeugen.

Ein Quad auf einem Parkweg
Das Quad unterwegs auf der Teichpromenade in Altenburg. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

An der Teichpromenade gleich neben dem Inselzoo konnten die Altenburger am Montag ein ungewöhnliches Schauspiel bestaunen. Ein Quad dort, wo sonst nur Radfahrer und Fußgänger unterwegs sind. Und nicht irgendein Quad: auf dem Dach Kameras und verschiedene andere elektronische Geräte.

Wir haben ein Büro beauftragt, die Straßen und Gehwege im Stadtgebiet von Altenburg zu vermessen. Die Daten sollen uns unter anderem bei der Planung von Straßenreparaturen helfen.

Christine Tschorn Fachdienstleiterin Tiefbauamt Altenburg

Ein Transporter mit Messgeräten fährt durch eine Stadt.
Normalerweise fahren die Techniker mit diesem Transporter durch die Stadt. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Seit Mitte Juli war deshalb ein großer oranger Transporter in Altenburg unterwegs. Acht Kameras auf dem Dach sorgen für Rundumsicht, mehrere Scanner erfassen auch Straßenunebenheiten und Schlaglöcher. Die Daten laufen hinten im Fahrzeug zusammen. Dort steht Hightech pur, neben mehreren Computern ist auch ein Arbeitsplatz für den Techniker. Markus Löffler kennt das System wie seine Westentasche. Am Computer kann er die erfassten Daten kontrollieren, speichern und an das Büro in Erfurt übertragen. Das geht übrigens auch vom Fahrersitz aus.

Die Fahrzeuge sind so eingerichtet, dass der Fahrer das gesamte System einrichten muss und dann während der Fahrt nur noch starten und stoppen muss.

Markus Löffler Techniker
Quad 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 02.08.2021 19:00Uhr 02:02 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Ergebnisse werden in Erfurt gesichtet

Alles, was Kameras und Scanner aufzeichnen, wird später im Büro in Erfurt aufbereitet. Die fertigen Daten erhält dann die Stadtverwaltung. Die Mitarbeiter dort übertragen sie ins städtische System. In Zukunft müssen sie dann nicht mehr wegen jeder Straßenreparatur vor Ort sein. Fläche, verwendete Materialien und zum Beispiel Verkehrszeichen sehen sie dann auf dem Computer-Bildschirm. Das spart eine Menge Zeit.

Ein Mann sitzt in einem Quad.
Markus Löffler startet sein Quad. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Markus Löffler hat inzwischen seine Tour um den Großen Teich abgeschlossen.
An seinem Quad ist alles ein paar Nummern kleiner. Dort gibt es dafür eine 360-Grad-Kamera, die den Raum rund um das Fahrzeug erfasst. Deshalb denken Fußgänger oft, dass sie einem Fahrzeug von Google begegnen. Dabei ist das Quad eher für die speziellen Einsätze gedacht.

Es gibt auch hier in Altenburg Straßen, Gassen und Wege, dort kommt man mit dem großen Fahrzeug nicht hin. Diese Strecken fahren wir mit dem Quad.

Nancy Heimrich Projektleiterin bei Lehmann & Partner

Vermessungsfahrzeuge mit komplexer Technik ausgestattet

Ob großer Transporter oder das kleine Hightech-Quad: der Aufbau solcher Fahrzeuge ist kompliziert. Bis zu einem Jahr dauert es, bis sie in den Einsatz gehen können. Alle Systeme und Kameras müssen genau justiert und eingemessen werden.

Das System ist so genau, dass alle Fotos mit GPS eingemessen werden. So kann später der genaue Standort genau zugeordnet werden.

Nancy Heimrich Projektleiterin bei Lehmann & Partner

Anwohner fürchten um Privatsphäre

Wenn die Fahrzeuge in den Städten unterwegs sind, kommt es oft auch zu Begegnungen mit besorgten Anwohnern. Sie haben Angst um ihre Privatsphäre. Dabei ist der Umgang mit den Daten klar geregelt. Die Stadt darf sie nur intern verwenden.

Wir anonymisieren die Daten auch. Das heißt, wir verpixeln die Autokennzeichen auf den Fotos und auch die Gesichter. Eben alles, was datenschutzrechtlich nicht gezeigt werden darf.

Nancy Heimrich Projektleiterin bei Lehmann & Partner

Markus Löffler muss jetzt noch zehn Kilometer mit dem Quad auf Altenburgs Straßen fahren. Dann hat das Erfurter Büro alle Daten im Kasten. Dann fängt die Arbeit mit dem gesammelten Material an. Denn schon ab Oktober wollen die Altenburger selbst damit arbeiten.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 02. August 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Jedimeister Joda vor 6 Wochen

Leider kann ich auf Grund der Entfernung nicht die Daten erbringen die sie benötigen. Womöglich gibt es auch ein paar neuere Straßenbeläge. Allerdings hindert niemand das MDR Team selbst Augenschein zu nehmen. Auch ist die Entfernung nach Altenburg groß, also von Erfurt aus. Bitte informieren Sie mich wenn sich was an den Straßenbelägen geändert hat. E-mail natürlich. Gut es kann manchmal was schiefgehen z.B. Wartehalle in der Landeshauptstadt. Es kann natürlich sein, daß auch in der Altenburger Gegend kleine vernachlässigbare Fehler passiert sind. Daran kann man arbeiten. Der MDR mit seiner Reichweite sollte, nein könnte, sich doch drum kümmern. Macht was draus. Im Harz, hab ich im MDR gelesen, hat es nach einem Hochwasser vier Jahre gedauert bis eine Brücke wieder befahrbar war. Viel Glück Grüße aus dem Dagobasystem Joda

MDR-Team vor 7 Wochen

Lieber Jedimeister Joda,

auf welche Quellen beziehen Sie sich mit der Aussage über das Alter der Straßen rund um Altenburg - abgesehen von ihrem Bekannten?

Beste Grüße
die MDR Thüringen Online-Redaktion

Jedimeister Joda vor 7 Wochen

Hatte ich doch letzthin von einem Bekannten gehört, daß Straßen und Ortsverbindungswege in und um Altenburg noch die Straßenbeläge haben welche zu Zeiten Ulbrichts und Honneckers gebaut wurden. Zum großen Teil sind die kaputt. Nach der Zeit kein Wunder denke ich. Allerdings ist bei heutigen Planungszeiten nicht mit der Erneuerung vor 2030 zu rechnen. Daten erheben ist immer nur der Anfang. Machen ist schwer und teuer. Hier ist die Bürokratie an der Macht. Da geht alles nicht oder bestenfalls langsam. Wenn schon eine Datenerhebung bejubelt werden muß, was passiert wenn tatsächlich die Schlaglöcher zugepampert werden? Ich laß das beobachten und sage Bescheid wenns fertig ist. Falls ich lang genug lebe natürlich. Übrigens einer meiner Padavanschüler aus Thüringen meinte. Mit zunehmendem Abstand zu Erfurt wird die Infrastruktur nicht besser. Euer Land euer Problem. Andere Erfahrungen zeigen Gullys zugesetzt, Schnittgerinne zugewachsen, Straßengräben vermüllt. Nur Elend Joda Dagobasystem

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