Altenburger Land Straßensperrungen: Zehn Kilometer Umweg für ein Kilo Süßkirschen

Die Liste mit den Straßensperrungen im Altenburger Land ist lang: An 35 Stellen müssen Autofahrer mehr oder weniger lange Umwege in Kauf nehmen. Das nervt nicht nur Pendler und Anwohner, sondern auch Gewerbetreibende.

Baustellenabsperrung
Bis Ende Oktober wird die Landstraße zwischen Gera und Ronneburg nach Altenburg erneuert. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / localpic

Zahlreiche Baustellen im Altenburger Land machen den Gewerbetreibenden zu schaffen. Deutlich wird das unter anderem an der Landesstraße L1362, einer wichtigen Verbindungsstraße von Gera oder Ronneburg nach Altenburg.

Bis Ende Oktober soll die Straße zwischen Sachsenroda im Landkreis Greiz und Hartha im Altenburger Land begradigt und erneuert werden. Dafür ist die Straße voll gesperrt. Betroffen davon sind neben der Käserei Altenburger Land samt Werksverkauf und einem Gasthof mit Imbiss in Lumpzig beispielsweise die Straußenfarm Burkhardt in Hartha und das Obstgut Geier in Lumpzig.

Bis zu 50 Prozent weniger Kunden

"Uns fehlt der Pendlerverkehr, wir haben bis zu 50 Prozent weniger Kunden", sagte Manja Köhler-Geier MDR THÜRINGEN mit Blick auf die gerade begonnene Süßkirschenernte. "Manche kämpfen sich über die Dörfer zu uns durch. Wir hatten aber auch schon Anrufe von treuen Kunden, die wieder umgekehrt sind." Auch Kunden aus dem nördlichen Altenburger Land oder Richtung Zeitz hätten es wegen diverser Straßenbauarbeiten nicht leicht.

Erst Corona und Homeoffice, dann hohe Spritpreise und nun die Sperrungen: Köhler-Geier ist froh, dass verschiedene regionale Läden den Weg zum Obstgut auf sich nehmen, um die Waren an die Kunden bringen. Die Preise versuche der Obsthof auch angesichts des steigenden Mindestlohns stabil zu halten. "Wir leben in einer wirtschaftlich schwächeren Region, es gibt Preisgrenzen", sagt die Landwirtin. Erstmals baut der Familienbetrieb in diesem Jahr Melonen an. Mit der Ernte wird in drei bis vier Wochen gerechnet.

Flaute im Hofladen der Straußenfarm

Auch den Straußenfarmern ein Dorf weiter in Hartha macht die Umleitung zu schaffen. Am Mittwochvormittag sei noch kein einziger Gast im Hofladen gewesen, erzählt Juniorchef Paul Burkhardt. "Das ist schon ein Brocken für Direktvermarkter. Es ist schade, dass neben der Landesstraße nicht einfach ein Feldweg befestigt und mit reduzierter Geschwindigkeit für Pkw freigegeben wurde", ärgert er sich.

Strauße auf der Farm der Familie Burkhardt im Altenburger Land.
Der Hofladen der Straußenfarm in Hartha kämpft derzeit mit einer Flaute. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Mal schnell in den Supermarkt nach Pölzig oder zum Arzt, das sei gerade für Ältere "eine schwere Kost", meint der Junglandwirt. "Wenigstens funktioniert noch unser zweites Standbein, die Gastronomie." Burkhardt hofft, dass das auch so bleibt, wenn an diesem Freitag die Dinnershows in der Villa Strauß starten.

Neue Landstraße bis Ende Oktober

Angesichts der hohen Spritpreise würden sich viele Geraer oder Altenburger Pendler zweimal den offiziellen Umweg über die B7 und Wildenbörten überlegen, sind sich Manja Köhler-Geier und Paul Burkhardt einig. Von Gera aus sind das etwa zehn Kilometer mehr Strecke, wer Schleichpfade über die Dörfer wie Reichstädt nutzt, fährt immer noch etwa sieben Kilometer mehr.

Die Straße zwischen Sachsenroda und Hartha ist nach Angaben des Landesamtes für Bau und Verkehr für die zahlreichen Lkw zu schmal und durch die vielen Kurven sehr gefährlich. Zudem ist der Unterbau marode. Bis voraussichtlich Ende Oktober wird die neue Landesstraße direkt neben der alten gebaut.

MDR (nis)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten Ostthüringen | 15. Juni 2022 | 16:30 Uhr

2 Kommentare

Jens48 vor 8 Wochen

Das ist leider nur die Spitze des Eisbergs: Die B180 ist derzeit mehr im Landkreis gesperrt, die L1357 war und wird in Kürze das Wieratal unerreichbar wegen Sperrungen machen. Es bleibt festzustellen: Altenburger sind schneller in Leipzig und noch schneller in Chemnitz als in Gera…und das nach drei Jahrzehnten Thüringen!?

Erst denken - dann handeln vor 8 Wochen

Nicht die erste Glanzleistung der Behörde die hier am Werk ist. Man hätte einfach deb schon geteerten Feldweg zwischen Hartha und Frankenau noch temporär ein bisschen verbreitern können, aber das wäre scheinbar zu einfach gewesen. In Korbußen wird z.B. seit 2 Jahren an der L1081 gebaut; hier hat der Frisör im Dorf aufgegeben, da die Kunden ausblieben...Dafür bekommt das Dorf ein Millionenprojekt was so gar nicht nötig gewesen wäre. Hätte man in den 90ern beim Neubau der Brücke über die Autobahn die Abfahrt einen Kilometer weiter südlich gebaut (wie durch die Gemeinde Korbußen damals angeraten aber abgelehnt von oben) hätte man sich dieses ganze Projekt sparen können, aber das Geld muss ja weg. Ganz zu schweigen von den ganzen features wo man bei dem Projekt jetzt zusätlich noch Geld verbrannt hat, wie der geteerten Straße zum Absetzbecken wo 2x im Jahr ein Auto hinfährt, den Leitplanken auf gerader und ebener Strecke und der diagonalen Zerschneidung fast aller betroffenen Flurstücke.

Mehr aus der Region Gera - Altenburg - Zwickau

Mehr aus Thüringen