Revisionsprozess Tod einer Frau in Altenburg: Angeklagter muss fünfeinhalb Jahre in Haft

Das Landgericht Gera hat am Mittwoch die Haftstrafe des Angeklagten im Fall einer tödlichen Schlägerei in Altenburg um eineinhalb Jahre verkürzt. Das Gericht hatte den Mann 2020 zu sieben Jahren Haft verurteilt. Ein Jahr später hob der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil wegen Verfahrensfehlern teilweise auf.

Angeklagter und Verteidiger im Gerichtssaal
Der Hauptangeklagte im Gespräch mit seinem Verteidiger. Das Landgericht Gera verhandelte am Mittwoch über den Fall einer tödlichen Schlägerei in Altenburg. Bildrechte: MDR/Uli Braumann

Im Revisionsprozess um eine tödliche Schlägerei in Altenburg hat das Landgericht Gera die Haftstrafe für den Angeklagten verkürzt. Der heute 59-Jährige wurde am Mittwoch zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Im Jahr 2020 war der Mann zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Wegen Verfahrensfehlern hatte der Bundesgerichtshof den Prozess an das Landgericht Gera zurückgewiesen. Zudem wird der Angeklagte nicht in eine Entziehungsanstalt eingewiesen, wie das Gericht im ersten Urteil angeordnet hatte.

Was unstrittig beim Urteil von 2020 ist und deshalb nicht neu verhandelt wurde, ist der Tathergang: Es geschah im April 2017. "In einem Trinkermilieu - im Neubaugebiet in Altenburg-Nord", wie die Vorsitzende Richterin am Mittwoch sagte.

Zechgelage mit furchtbarem Ausgang

Demnach tranken zwei Männer und eine Frau in deren Wohnung viel Alkohol. Die "Sause" eskalierte aber, nachdem die 57-Jährige behauptete, die beiden hätten wenige Tage zuvor ihre Wohnungstür aufgebrochen und ihren Fernseher entwendet. Daraufhin kam es zu einem agressiven Streit: Die erbosten Männer schlugen wahllos auf ihr Opfer ein. Der Hauptangeklagte trat der Frau so schwer gegen Schädel und Brust, dass sie wenig später in ihrer Wohnung verstarb. Um die Tat zu vertuschen, warfen die beiden betrunkenen Männer die Leiche aus dem Fenster des dritten Stockwerks.

Danach suchten sie das Weite, aber nur, um aus einer nahegelegenen Tankstelle weiteres Bier zu holen. Der schließlich alarmierten Polizei und den Rettungskräften gegenüber gaben sie an, die Frau hätte eben noch auf dem Fensterbrett gesessen und "gegrinst". Danach habe sie plötzlich den Halt verloren und sei in die Tiefe gestürzt. Der Vertuschungsversuch der späteren Angeklagten flog aber schließlich auf.

Körperverletzung mit Todesfolge - nicht Mord

Das Landgericht Gera hatte die beiden Angeklagten beim ersten Prozess 2020 wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Mordmotive wie niedere Beweggründe, Habgier und Heimtücke seien nicht gegeben. Allerdings hätten die Angeklagten den Tod der Frau billigend in Kauf genommen. Deshalb wurde der heute 59-jährige Hauptangeklagte zu sieben Jahren Haft verurteilt. Außerdem wurde er zeitweilig in einer Entzugsklinik untergebracht. Doch der Bundesgerichtshof hob 2021 das Urteil im Falle des Hauptangklagten teilweise auf.

Justizzentrum Gera
Am Landgericht Gera wird der Fall neu aufgerollt. Bildrechte: MDR/Uli Braumann

Angeklagter will keinen Alkoholentzug

Der BGH folgte wegen einiger Verfahrensfehler dem Revisionsantrag des Angeklagten. Der Fall wurde daraufhin an das Landgericht Gera zurückverwiesen. Das urteilte am Mittwoch, dass der Angeklagte vermindert schuldfähig sei und verwies auf dauerhaften Alkoholkonsum und Persönlichkeitsstörungen. Der Angeklagte hatte zur Tatzeit bis zu 3,12 Promille Alkohol im Blut. Zum Prozessauftakt hatte er gesagt: "Ein Entzug liegt mir nicht so und ein Leben ohne Alkohol kann und will ich mir überhaupt nicht vorstellen!". Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 12. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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