Flucht vor dem Krieg Wenn Flüchtlinge nach Altenburg kommen: Ukraine-Beauftragte hält die Fäden zusammen

Theresia Luschka könnte sich ihr Handy eigentlich ans Ohr binden. Ständig ruft jemand an; schickt Nachrichten. Gefragt wird nach allem: Gibt es Wohnungen, ich komme beim Amt nicht weiter, wer kann helfen? In Altenburg hält sie die Fäden in der Hand, um Flüchtlingen aus der Ukraine zu helfen - wenn sie denn überhaupt in die Region kommen.

Theresia Luschka kann und will. Die junge Frau hat eigentlich Lehramt Russisch und Physik studiert - sogar ein Semester in Minsk Atomphysik. Dort hat sie die Sprache nochmal richtig gelernt. Denn eine Affinität zu slawischen Sprachen hatte Theresia Luschka schon immer. Dieses Wissen hilft nun vielen Menschen weiter. Ehrenamtlich war sie bislang in der Altenburger Ukraine-Hilfe unterwegs. Als der Altenburger Oberbürgermeister André Neumann (CDU) vor ein paar Tagen die Helfer besuchte, fiel ihm gleich auf: Die meisten hier arbeiten; sind aber gefühlt rund um die Uhr da. Wie geht das?

Altenburger Ukrainebeauftragte Theresia Luschka
Theresia Luschka ist die neue Ukraine-Beauftragte Altenburgs. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Verwaltung kann auch schnell

Nach Absprache mit den Fraktionen hat das Stadtoberhaupt erreicht, was in Verwaltungen wohl ein Novum ist: In nur drei Tagen wurde die neue Stelle der Altenburger "Ukraine-Beauftragten" geschaffen. In leeren Räumen im Erdgeschoss des Rathauses nimmt sie Spenden an, koordiniert Helfer. Sie hört zu, tröstet, hilft bei Amtsgängen. Und sie führt "ihre" Helfer mit den offiziellen Stellen im Landratsamt zusammen. "Die Kommunikation wird immer besser. Das alles ist eine riesengroße Herausforderung. Alle arbeiten rund um die Uhr. Doch nun bekommt alles Stück für Stück eine Struktur", freut sich Theresia Luschka.

Die Kommunikation wird immer besser.

Theresia Luschka Ukraine-Beauftragte Altenburg

Die ist auch nötig. Am Dienstagnachmittag ist der erste zugewiesene Bus mit Geflüchteten aus der Ukraine in Treben angekommen. 45 Menschen werden dort vorerst in der "Alten Mälzerei" versorgt; darunter viele Kinder. Das Landratsamt hat Wohnungen angemietet, die eingerichtet werden müssen. Manches kommt aus dem Altenburger Spendenlager, das zum Glück gut gefüllt ist. Gebraucht werden nun "normale Haushaltsgeräte", sagt Theresia Luschka, wie Bügeleisen, Wäschetrockner, Nähzeug, Töpfe.

Lebensmittel mit kyrillischen Schildchen
Lebensmittel werden in das Ukrainische übersetzt. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Wo bleiben die Geflüchteten?

Dass der Bus überhaupt in Treben angehalten hat, ist ungewöhnlich. Denn viele Helfer in ganz Thüringen hatten das enttäuschende Erlebnis, dass die angekündigten Busse mit Geflüchteten nicht ankamen. Die Menschen wollten in Großstädte. Oberbürgermeister André Neumann kann es ein Stück weit verstehen: "In Großstädten hat man eher die Chance, schnell abzureisen. Eine große Stadt - dort gibt es eine Community. Ich kann den inneren Wunsch verstehen, so schnell wie möglich in sein Land zurückzukehren. Und das geht von einer großen Stadt aus schneller." Aber er - und auch Theresia Luschka - verstehen den Frust der Helfer, die sozusagen versetzt wurden. Beide wünschen sich, dass die Koordination durch Bund und Land besser funktioniert.

Doch langsam wird es, kann Theresia Luschka zumindest für das Altenburger Land sagen. Eben kommt sie von einer zweistündigen Sitzung aus dem Landratsamt zurück. Rund 450 geflüchtete Ukrainer sind aktuell im Landkreis Altenburger Land. Es werden mehr werden, fürchtet Theresia Luschka:

So wie es aktuell aussieht, ist es nicht nach drei Monaten vorbei.

Theresia Luschka Ukraine-Beauftragte Altenburg

Um auch da noch Helfer zu haben, versucht sie, für diese - aber auch für sich - Vorsorge zu treffen. Kraft tanken bei der Familie. Täglich hört sie tragische Schicksale, sieht kleine Kinder, die erstmal ohne Vater aufwachsen müssen. Und eigentlich will Theresia Luschka ihr Refendariat starten, sich um ihr kleines Kind kümmern - aber auch weiter für die vielen Hilfesuchenden da sein.

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MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 30. März 2022 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Jan vor 8 Wochen

Eine tolle Leistung von Theresia Luschka - Respekt!!!!
Es ist schön, dass es solche Menschen gibt - die Helfen, ohne Bedingungen zu stellen. Ich wünsch all den Hlefern viel Kraft!

Hanna vor 8 Wochen

Wenn wir wirklich helfen wollen, dürfen wir in der derzeitigen Situation das Asylrecht nicht aushebeln. Eine Aufnahme von Flüchtlingen ist und bleibt begrenzt. Wenn wir wirklich Kriegsflüchtlingen helfen wollen, müssen wir Wirtschaftsflüchtlingen die Aufnahme verweigern bzw. die ohne Aufenthaltsgenehmigung abschieben. Anders wird der Aufwand wohl kaum zu stemmen sein. Die Steuerzahler dieses Landes werden zu immer größeren Verzichten ihrer Lebensqualität aufgefordert während die sich Politiker finanzielle Hilfen genehmigen. Rentnern wird eine Hilfe ganz verwehrt. Wo soll dies noch enden????

Jedimeister Joda vor 8 Wochen

Eine Verwaltung kann auch schnell? Das wäre mir neu.Gut Nacht

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