Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWelt
Malte Reinstein und die anderen Schülervertreter haben die Umfrage inzwischen ausgewertet. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Umfrage

Wie Schüler in Ostthüringen den Distanzunterricht bewerten

von Grit Hasselmann, MDR THÜRINGEN

Stand: 18. Mai 2021, 05:00 Uhr

Mangelhafte technische Ausstattung, fehlende digitale Methodik, schlechte Kommunikation – so sehen die Schüler in Ostthüringen ihren Distanzunterricht der letzten Monate. Mit einer Umfrage hat die Schülervertretung das zwei Wochen lang ausgelotet. Rund 3.500 Teilnehmer zeigen die größten Herausforderungen im Lernalltag – und stellen klare Forderungen ans Schulamt.

Eine glatte 4 geben die Schüler in Prüfungs- und Abschlussklassen der Qualität ihrer Prüfungsvorbereitung. Das hat selbst die Schülervertretung schockiert, als die Umfrage ausgewertet war. Mehr als 3.500 Schülerinnen und Schüler aus Ostthüringen hatten sich daran beteiligt – jetzt ist sie ausgewertet. Malte Reinstein vom Vorstand hat die Datensätze auf seinem Rechner, alle anonymisiert natürlich. "Wir hatten schon gehofft, dass sich viele beteiligen, aber von der großen Menge waren wir dann doch überrascht", erzählt er.

Alles anzeigen

Umfrage musste außerhalb der Schule laufen

Zwei Wochen lief die Umfrage, eigentlich sollte sie über die Schulen verbreitet werden – das Schulamt verweigerte aber seine Genehmigung und so lief sie außerschulisch übers Internet. Befragt wurden die Klassen fünf bis 13 in allen Schulformen in Ostthüringen (Jena, Gera, Greiz, Altenburger Land, Saale-Orla, Saale-Holzland).

Zwei Wochen war die Umfrage im Netz, eta 3.500 Schülerinnen und Schüler haben teilgenommen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Ergebnisse sollen in Handlungen münden

Sieben Bereiche hatten sich als besonders problematisch dargestellt, mit den Ergebnissen in der Hand suchen die Schülervertreter jetzt das Gespräch mit dem Schulamt, denn sie wollen, dass ihre Ergebnisse in konkrete Handlungen umgesetzt werden. "Und es sind ja durchaus Punkte dabei, die sehr zügig und unkompliziert verbessert werden könnten", so Malte Reinstein.

Alles anzeigen

Technische Ausstattung mangelhaft

Ein Beispiel ist die Ausstattung mit digitalen Endgeräten in der Region. Einer von sechs Schülern, so das Ergebnis der Umfrage, muss sich im Distanzunterricht PC, Laptop oder Tablet mit einem weiteren Nutzer teilen. Hier müssten bestehende Angebote der Schulen zum Leihen von Endgeräten besser ausgebaut und beworben werden, fordert die Schülervertretung.

Alles anzeigen

Es sind ja durchaus Punkte dabei, die sehr zügig und unkompliziert verbessert werden könnten.

Malte Reinstein

Selbst die Lehrer haben zu Hause oft keine ausreichende Technik oder mangelnde Internet-Qualität. Das behindert natürlich die Kommunikation. 75 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Kontakt mit den Lehrkräften im Distanzunterricht, jeder fünfte Schüler gibt an, für den Kontakt zum Lehrer unterschiedliche Wege nutzen zu müssen.

Alles anzeigen

Doch dafür müssen beispielsweise die Mailadressen der Lehrer zumindest bekannt sein. Die sind thüringenweit zwar inzwischen einheitlich aufgebaut, aber viele Kinder und Jugendliche kennen die Vornamen ihrer Lehrer nicht, erzählt Malte. "So haben wir die erstmal alle auf die Schulwebsite gesetzt."

Ihr Browser unterstützt kein HTML5 Video.

Das Video wird geladen ...

Video: Schülervertetung startet Umfrage

Malte Reinstein erklärt, wie die Idee zur Umfrage überhaupt entstanden ist. Am Ende haben sich mehr als 3.500 Schülerinnen und Schüler aus Ostthüringen daran beteiligt.

Selbststudium haben Schüler nicht gelernt

Ausbaufähig sind laut der Umfrage auch die Organisation des Lernens sowie der Aufgabenumfang. So wünscht sich jeder neunte Befragte eine festere Organisationsstruktur des häuslichen Lernens und eine von Seiten der Schule initiierte Regelmäßigkeit. "Distanzunterricht ist halt eigentlich kein Selbststudium" stellt Malte fest. "Das verwechseln die Lehrer oft."

Distanzunterricht ist halt eigentlich kein Selbststudium. Das verwechseln die Lehrer oft.

Malte Reinstein

Alles anzeigen

Die meisten Schülerinnen und Schüler sind gewohnt, Tafelbilder abzuschreiben und dem Lehrer zuzuhören. Das, was jetzt in der Pandemie von ihnen verlangt wird, haben sie nie gelernt. Die Schülervertreter folgern daraus: "Hier muss grundsätzlich eine digitale Methodik entwickelt und künftig auch im Unterricht vermittelt werden."

Fehler nicht wiederholen

Die sieben wichtigsten Bereiche haben die Schülervertreter jetzt zusammengefasst und daraus konkrete Forderungen abgeleitet. Das soll Grundlage für die Arbeit der nächsten Wochen sein. Und auch wenn Malte seinen letzten Schultag inzwischen hinter sich hat und sich jetzt auf die Prüfungen konzentrieren muss, will er dranbleiben: "So schwierig die Situation jetzt auch für alle war, wir wollen ja die gleichen Fehler nicht beim nächsten Mal wieder machen."

Mehrheit will wieder ganz normal zur Schule gehen

In Summe wünscht sich die Mehrheit der Schüler in Ostthüringen übrigens die Rückkehr zum gewohnten Lernen. 51 Prozent der Schüler der Nicht-Abschlussklassen und 55 Prozent der Schüler in Abschluss- und Prüfungsklassen befürworten einen zügigen Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht. "Wir fordern, diesen Wunsch ernst zu nehmen", so die Schülervertreter. Denn, so der letzte Satz ihrer Auswertung: "Bildung ist das höchste Gut unserer Gesellschaft."

Alles anzeigen

Mehr zum Thema

Ihr Browser unterstützt kein HTML5 Video.

Das Video wird geladen ...

Video: Abi-Jahrgang aus Halle macht MDR-Podcast

Quelle: MDR THÜRINGEN, pow

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. Mai 2021 | 14:00 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen

Mehr aus der Region Gera - Altenburg - Zwickau

Inhalte werden geladen ...
Keine weiteren Inhalte vorhanden.
Alles anzeigen

Mehr aus Thüringen

Inhalte werden geladen ...
Keine weiteren Inhalte vorhanden.
Alles anzeigen