FAQ Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Verbindung - Ab 2026 soll gebaut werden

Täglich nutzen mehr als 15.000 Passagiere die Bahnstrecke Weimar-Gera-Gößnitz. Nun wurden in einem Bürgerdialog erste Pläne zur Elektrifizierung der Strecke vorgestellt. Eine zweite Runde soll folgen. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Ein roter Nahverkehrszug
Dieselloks haben 2026 ausgedient - so sieht es die Planung für die Mitte-Deutschland-Verbindung vor. Bildrechte: MDR/Andreas Metzmacher

Was will die Bahn bauen?

Es geht um die etwa 115 Kilometer lange Bahnstrecke Weimar-Gera-Gößnitz, dem Kernstück der sogenannten Mitte-Deutschland-Verbindung. Im Gegensatz etwa zur Saalebahn oder der ICE-Strecke Berlin-Erfurt-Nürnberg ist diese Strecke nicht elektrifiziert. Das Vorhaben ist festgelegt im Bundesverkehrswege-Plan. Die Strecke war vor dem Zweiten Weltkrieg bereits zweigleisig, ein Teil der Anlagen wurde nach 1945 demontiert. Die genauen Kosten sind nach Angaben der Bahn noch nicht klar, im Verkehrswegeplan sind allerdings für Bau und Planung deutlich mehr als 200 Millionen Euro veranschlagt.

Was soll das Projekt leisten?

Die Elektrifizierung erlaubt eine höhere Energie-Effizienz. Elektrisch getriebene Züge brauchen weniger Energie als Diesel-Fahrzeuge. Das betont neben der Bahn auch der Fahrgastverband Pro Bahn. Zudem wird der Ausstoß von Schadstoffen innerhalb von Ortschaften reduziert, ebenso sind die Fahrzeuge im Betrieb leiser. Im Fernverkehr kommt eine Zeitersparnis hinzu: Wenn wie heute ein Intercity-Zug von Gera nach Köln fährt, wird derzeit in Gotha von Diesel-Lok auf Elektro-Lok umgestellt. Das dauert etwa eine Viertelstunde. Die könnte man sich künftig sparen.

Wann wird gebaut?

Derzeit laufen die Vorplanungen. In diesem Zug wird der Baugrund untersucht, ebenso die Tauglichkeit von Bauten an der Strecke für die Nutzung mit Oberleitung. Bei manchen Straßenquerungen etwa ist nicht sicher, ob ein Zug mitsamt Oberleitung hindurchpasst. Im Zweifel müsste die Brücke dann entweder abgerissen und passend gebaut werden - oder das Gleisbett muss abgesenkt werden. Bauanträge werden frühestens 2023 gestellt, gebaut werden soll ab 2026. Die Fertigstellung ist 2028 geplant.

Wird der laufende Betrieb von den Arbeiten beeinträchtigt?

Das ist zu erwarten, schreibt das Thüringer Verkehrsministerium auf Nachfrage von MDR THÜRINGEN. Wie genau das aussieht, ist aber noch nicht klar, dafür müssen die Planungen erst noch genauer werden. Man sei noch in einer sehr frühen Phase, sagte Bahn-Projektleiter Ronald Schlegel. Tatsächlich will die Bahn möglichst wenige Beeinträchtigungen - zumal nicht immer an den Gleisen selbst gebaut wird. Fernverkehr dürfte teilweise weiträumig umgeleitet werden.

Was kann die Elektrifizierung nicht leisten?

Die Elektrifizierung bedeutet nicht, dass Züge wesentlich schneller unterwegs sind. Zwar können elektrisch getriebene Züge schnell beschleunigen und damit etwa schneller aus Bahnhöfen ausfahren. Die Gleisanlagen selbst sind durch Berge und Kurven aber ausgelegt für Geschwindigkeiten von maximal 120 Kilometern pro Stunde. Derzeit können nur Fahrzeuge mit Neigetechnik auf der Strecke teilweise mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde fahren.

Pro Bahn kritisiert, dass mit der Elektrifizierung nicht auch eine Beschleunigung einhergeht. "Tempo 120 als Höchstgeschwindigkeit ist eben im Vergleich zum Straßenverkehr nicht schnell", sagt Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender von Pro Bahn. Man stehe mit der Mitte-Deutschland-Verbindung in Konkurrenz zur Autobahn 4 - da seien 160 Stundenkilometer eigentlich Pflicht. Dafür allerdings müssten einige Kurven begradigt werden.

Warum wird das nicht auf einmal erledigt?

Tatsächlich ist die Finanzierung aus dem Bundesverkehrswegeplan nur für die Elektrifizierung gedacht. Etwa zwischen Stadtroda und Gera ist die Strecke noch eingleisig. Ob hier mit der Elektrifizierung einhergehend auf zwei Gleise ausgebaut wird und so mehr Zugverkehr ermöglicht wird, ist derzeit Gegenstand von Verhandlungen von Bund, Land und Bahn.

Was passiert danach mit Diesel-Fahrzeugen?

Die sollen durch elektrisch getriebene Züge ersetzt werden, schreibt das Land auf Nachfrage von MDR THÜRINGEN. Deshalb sind einige der Verbindungen, die das Land bestellt und aus Regionalisierungsmitteln des Bundes bezahlt, bis Ende 2028 befristet. Sobald die Strecken also elektrisch befahren werden können, soll das auch geschehen.

Welche Rolle spielt die Politik?

2017 scherte die Thüringer Landesregierung aus der Reihe der Gegner der von der CSU einst so benannten "Ausländer-Maut" auf deutschen Autobahnen aus und enthielt sich der Stimme. Mit diesem Coup erreichte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) im Gegenzug die Verankerung für die Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Verbindung im Bundesverkehrswegeplan 2030 als vordringliches Projekt beim damaligen Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Die Finanzierung ist seither gesichert, während die Maut vor Gericht scheiterte und heute im Bundestag einen Untersuchungsausschuss beschäftigte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. November 2020 | 19:00 Uhr

13 Kommentare

Peter Mueller vor 49 Wochen

Ja, es ist wirklich schade, dass man die Strecke nicht gleich richtig ausbaut. Man könnte aber auch sagen, es ist teurer Unsinn; denn so, wie man jetzt für die Elektrifizierung erst vor kurzem neugebaute Brücken für viel Geld wieder umbauen muss, weil der Fahrdraht nicht eingeplant wurde, wird man später nach dem jetzigen Umbau Kurven begradigen, für die man jetzt die Oberleitung baut. Und außerdem braucht man für jeden Schritt eine neue Baugenehmigung (die allein schon mindestens 8 Jahre dauert), neue Ausschreibungen, Anpassungen an zwischenzeitlich veränderte Vorschriften, jedesmal neue Baustelleneinrichtungen und und und. Das kostet alles ein Heidengeld, das man auch gleich in einen vernünftigen Ausbau stecken könnte. Auf der Strecke bleiben derweil die Fahrgäste, die auf den Zug angewiesen sind; den anderen ist es egal, denn wer rechnen kann, nutzt zwischen Weimar und Chemnitz die A4 und spart so eine Stunde Zeit - auf jeder Fahrt!

Hans Frieder leistner vor 49 Wochen

Ich hatte vergessen die Kohlekraftwerke, die auch abgeschaltet werden, zu nennen. Wollen wir uns auf Windräder und Erdgas aus Rußland verlassen? Solarstrom ist nachts auch nicht verfügbar.

Lothar Thomas vor 49 Wochen

Teil 2

Wenn dann mal was auf der RB 20 Linie nach Leipzig zwischen Weimar und Weißenfels wäre, hätte man eine echte Alternative um trotzdem zügig nach Leipzig zu kommen.

Doch solch einen Traum vom Bahnland "Mitteldeutschland" wird es wohl kaum geben, da werden die Mitarbeiter der Mikadotruppe bei der DB schon dafür sorgen.
Schließlich soll es dem Fahrgast nicht zu Gut gehen.
Wenn der schon die Ruhe mit seinen Reisewünschen stört.

Nun ja, wir werden sehen, was uns die Zukunft bringt.


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