Nach Vorfall in Gera Kassenärztliche Vereinigung denkt über mehr Schutz für Impfpersonal nach

Am Samstag war es im Impfzentrum Gera-Arcaden zu einer Rangelei um einen Impfausweis gekommen. Daraufhin wurde die Impfaktion abgebrochen. Nun denkt die Kassenärztliche Vereinigung über erweiterte Schutzmaßnahmen für Impfpersonal nach. Die Politik verurteilte den Vorfall.

Ein Arzt hält in der einen Hand einen aufgeschlagenen Impfausweis und in der anderen eine Impfspritze
In Gera versuchte ein Mann, einen Impfnachweis ohne Impfung zu bekommen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Jochen Tack

Nach der Rangelei um einen Impfausweise am Samstag in Gera denkt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) über verschärfte Schutzvorkehrungen für das Impfpersonal nach. "Wahrscheinlich werden wir künftig Security dazu buchen", sagte der KV-Pandemiestabsleiter Jörg Mertz am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Dies solle gemeinsam mit den Impfteams besprochen werden. Bislang seien die mobilen Impfteams nicht von Security-Personal begleitet worden, weil es nicht nötig war.

Verschiedene Versionen des Vorfalls

Nach Angaben der Polizei hatte ein Mann im Impfzentrum Gera-Arcaden angegeben, sich impfen lassen zu wollen. Nachdem der Arzt ihm die Bestätigung in den Impfpass geklebt hatte, sei der 44-Jährige samt Dokument aber ohne Impfung geflüchtet. Dabei sei er eine Rolltreppe hinunter gefallen ebenso wie ein Sanitäter, der den Mann habe stoppen wollen. Laut eines Polizeisprechers konnte der polizeibekannte Flüchtige in einem Parkhaus gestellt werden. Es sei eine Anzeige gestellt worden, der mutmaßliche Täter befinde sich aber gegenwärtig auf freiem Fuß.

Der zentrale Umsteigepunkt an den Gera-Arcaden
Der Vorfall ereignete sich im Einkaufszentrum Gera Arcaden. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Die Kassenärztliche Vereinigung spricht hingegen von einem Angriff auf das Impfpersonal. Der Mann habe eine Impfbescheinigung verlangt, ohne sich impfen zu lassen. Als die Mitarbeiter dies verweigerten, habe er angefangen, auf sie einzuschlagen. Die KV-Vorsitzende Annette Rommel verurteilte den Angriff am Samstagnachmittag: "Es ist unfassbar, dass Menschen, die die Corona-Pandemie hochgradig engagiert in vorderster Front bekämpfen, angegriffen werden."

Politik verurteilt Übergriff

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) verurteilten die Tat. Geras Oberbürgermeister, Julian Vonarb (parteilos), sprach von einer deutlichen Grenzüberschreitung. Er hoffe, dass der Täter schnell deutliche Konsequenzen erfahre.

Impfaktion abgebrochen - soll wiederholt werden

Die Impfaktion in Gera wurde nach der Tat abgebrochen. Bis zum Vorfall wurden 120 Menschen geimpft. Die Aktion soll der KV zufolge wiederholt werden. Landesweit boten am Wochenende auch alle regionalen Impfstellen und das Impfzentrum auf der Erfurter Messe neben Immunisierungen mit Termin auch spontane Impfungen an.

Am Montag starten in Thüringen auch die Auffrischungsimpfungen in den Pflegeheimen. Dafür wurde die Zahl der mobilen Teams von bislang 15 auf 25 aufgestockt. Ein erstes Team ist am Montag in einem Pflegeheim in Eisenach im Einsatz.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/cfr,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. September 2021 | 19:00 Uhr

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